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Netbooks beleben das PC-Geschäft

Die jüngsten Zahlen aus der Branche zeigen eine leichte Umsatzzunahme. Grund sind die weiterhin kauffreudigen Konsumenten. Allerdings unterscheidet der Markt zwischen Gewinnern wie HP, Apple und Acer
von am

Die Krise ist auch am globalen PC- und Notebookmarkt angekommen. Aber sie ist ungleich milder als in anderen Bereichen der Investitionsgüterindustrie. Weltweit sind die Verkäufe - gemessen nach Stückzahlen - laut den Marktforschern von IDC im 2. Quartal 2009 um 3% gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum zurückgegangen. Das war weit besser als der 9%-Einbruch, den Analysten prognostiziert hatten, und auch besser als im 1. Quartal, als der Rückgang bei 7% gelegen hatte. Und in der Schweiz wuchs der Markt sogar leicht: Laut den endgültigen IDC-Zahlen, die der «Handelszeitung» exklusiv vorliegen, wurden im 2. Quartal 0,5% mehr Clients (PC, Notebooks und Netbooks) verkauft als noch 2008. Das entspricht rund 36000 verkauften Geräten. Die IDC-Analysten hatten mit einem Rückgang von 11% gerechnet.

Grund sind die kaufwilligen Konsumenten. «Wir können die Marktforscher nur bestätigen - die Konsumentenstimmung ist weiterhin gut», sagt Apple-Sprecherin Andrea Brack stellvertretend für einige andere Anbieter wie Acer oder HP, die ebenfalls ganz oder teilweise vom Verkauf an Konsumenten leben. Schweizer Konsumenten kauften gut 43000 Desktop-PC, das sind 6% mehr als noch 2008. Und bei portablen PC, den Note- und Netbooks, explodierten die Verkäufe an Private mit einem Plus von 43% auf 131000 Geräte.

Acer dank Netbooks Nummer zwei

Klarer Marktführer blieb Hewlett-Packard (HP), die ihren Marktanteil gegenüber dem Vorjahr um 8,6% und gegenüber dem 1. Quartal auf 36,6% ausbauen konnte. Acer ist nach Stückzahlen die Nummer zwei, das Unternehmen verkauft ausschliesslich an Privatkunden und kam mit einem Plus von 27,2% gegenüber dem Vorjahr auf 15% Marktanteil.

Dell, mit 11% die Nummer drei, verlor gegenüber dem Vorjahr fast 40%. Das Unternehmen arbeitet laut einem Sprecher der US-Firma FormFactor, die Chiphersteller wie Intel, AMD und ARM mit Testausrüstungen beliefert, an einem neuen Notebookdesign, das sowohl Intel-Prozessoren für schnelle Standardoperationen als auch stromsparende ARM-Prozessoren für Online-Anwendungen für unterwegs kombinieren soll. Dell gilt mit einem Entwicklungsetat von weniger als 1% des Umsatzes nicht als innovativ, dieser Weg könnte jedoch eine Alternative zu Firmenübernahmen wie beispielsweise Palm sein. Die Dell-Medienstelle reagierte nicht auf Anfragen.

Die Nummer vier ist, auf Stückzahlbasis, Apple. Der Konzern konnte in der Schweiz seinen Marktanteil auf 10,2% fast verdoppeln. Die Marktforscher von Gartner haben einen Marktanteil von 12,3% ermittelt.

Grosse Verlierer sind Lenovo und Asus. Lenovo hat sich seit Jahresanfang aus einigen europäischen Märkten verabschiedet und kommt laut Brancheninsidern bei etlichen grossen Firmenaufträgen deswegen gar nicht mehr auf die Short-Liste. In der Schweiz sind laut ehemaligen Lenovo-Mitarbeitern etliche Stellen gestrichen worden. Lenovo-Sprecher beantworteten E-Mails und Anrufe hierzu nicht. Noch stärker ist das Geschäft bei Asus eingebrochen. Im Vorjahresvergleich brach der Absatz um 55% ein. Der Marktanteil liegt jetzt noch bei etwas über 2%.

Umsätze: HP und Apple führen

Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn die Fabrikumsatzanteile verglichen werden. Hierzu machen IDC und Merrill Lynch einige Schätzungen und Hochrechnungen, weil diese Preise, welche die Effekte von Rabattaktionen ausklammern, schwanken. Auch auf dieser Basis führt HP in der Schweiz deutlich, gefolgt von Apple, Dell und Acer. Apple ist gemäss dieser Berechnung die Nummer zwei, weil auch die günstigsten Notebook-Serien hier ein Mehrfaches teurer sind als die Netbooks von Acer. Bei HP und Dell kompensieren sich diese Effekte, weil ihre Gerätepaletten unterschiedliche Preisniveaus mit ganz teuren und sehr günstigen Computern umfassen.

Besonders gut sichtbar ist dieser Umstand bei Notebooks, wozu IDC auch die Netbooks hinzurechnet. Zwar führt auch hier HP mit einem Anteil von 33,6%, aber dann kommt bereits Acer mit einem Anteil von 19,6%, gefolgt von Dell mit 8,1%. Bei Notebooks sind indes die umsatzbezogenen Marktanteile von Apple und Dell grösser als die von Acer.

Kaum Prognosen

Zum weiteren Jahresverlauf mochte sich lediglich Hauke Stars, Chefin von HP in der Schweiz, äussern (siehe «Nachgefragt»). Sie erwartet ein «gutes» Weihnachtsgeschäft in der Schweiz. Auf globaler Ebene haben jetzt etliche Analysten ihre Prognosen auf minus 5% von zuvor minus 8 bis 10% auf Stückzahlbasis gesenkt.

Allzu verlässlich sind solche Hochrechnungen nicht. Denn die Marktforscher von Gartner kamen beispielsweise für China auf einen Zuwachs von 15% auf Stückzahlbasis, der Chiphersteller Intel berichtete aber von einem Plus zwischen 40 und 50%, vor allem bei den «Atom»-Prozessoren, die das Herzstück der Netbooks bilden. Viele neue, hierzulande unbekannte Anbieter verwenden jetzt diese Chips - und machen möglicherweise jungen Anbietern wie Acer oder Asus in einigen Jahren die Marktanteile auch in der Schweiz streitig.

 

nachgefragt

«Für 2010 lässt sich noch kein Trend festmachen»

 

 

Hauke Stars (42) ist Country General Manager bei HP Schweiz (GmbH). In der Schweiz beschäftigt HP rund 2200 Mitarbeitende und erzielt einen Umsatz von (geschätzten) 1,8 Mrd Fr.

Was erwarten Sie vom PC-Notebook-Markt in der Schweiz bis Jahresende?

Hauke Stars: Für HP erwarten wir weiterhin ein Wachstum. Wir denken auch, dass das Weihnachtsgeschäft gut wird. Das Consumer-Geschäft bei HP läuft bis anhin sehr gut. Jüngste Konjunkturdaten deuten darauf hin, dass sich der Consumer-Markt in der Schweiz etwas abgeschwächt hat. Davon spüren wir bis anhin nichts.

Und der Firmenmarkt?

Stars: Wir wissen, dass im Firmenmarkt einiger Nachholbedarf besteht. Der Beschaffungszyklus bei Firmen dauert durchschnittlich drei bis vier Jahre. In schwierigen Zeiten dehnen die Unternehmen den Zyklus tendenziell etwas aus. Ab fünf Jahren wird es dann schwierig und teuer, da die Wartungskosten zunehmen. Der Grund: Die Garantie dauert drei Jahre. Es gibt viele Firmen in der Schweiz, deren Gerätepark zwischen vier und fünf Jahre alt ist. Sie werden mit Sicherheit bald ersetzen müssen.

Erwarten Sie einen Effekt durch neue Betriebssysteme wie Windows 7 oder Chrome OS von Google?

Stars: Windows 7 wird sicherlich einen positiven Einfluss haben - wir haben sehr viele positive Kundenfeedbacks und erwarten viel Rückenwind von Windows 7. Chrome OS kann den Markt zusätzlich beleben.

Kannibalisieren die Netbooks das Notebook-Geschäft?

Stars: Nein, keinesfalls. Netbooks sind Zusatzgeräte, können aber Notebooks in ihrer ganzen Funktionalität nie ersetzen.

 

Einige Konkurrenten wie Dell oder Lenovo sind unter Druck. Was bedeutet das für Ihre Marktanteile bei PC, Notebooks, Kleinservern?

Stars: Wir können keine Aussagen machen über unsere Mitbewerber. Aber ich denke, die Marktanteilszahlen sprechen für sich. Wenn Mitbewerber einen Marktanteil von unter 10% in einem Land haben und/oder nicht mehr in allen Ländern vertreten und damit kein globaler Player mehr sind, wird es schwierig.

Spüren Sie eine Kreditklemme bei Ihren Kunden?

Stars: Wir haben eben Finanzierungskonzepte für KMU lanciert, doch sehen wir in der Schweiz noch nicht, dass diese vermehrt in Anspruch genommen würden.

Lässt sich schon ein Ausblick für 2010 machen?

Stars: Nein, es lässt sich noch kein klarer Trend festmachen. Konjunkturprogramme und Investitionen im öffentlichen Sektor werden aber mit Sicherheit helfen. Wir sind grundsätzlich sehr positiv gestimmt.

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