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Schwacher Weltmarkt

Im ersten Quartal ist der Markt laut Analystenschätzungen um ein Viertel eingebrochen. Die relativ guten zahlen von Temenos sind deshalb nicht unbedingt nachhaltig.
von am

Der Bankensoftwarehersteller Temenos ist ein guter Gradmesser für den Zustand der Bankenbranche weltweit. Während auf dem lokalen Markt Grössen wie Avaloq und Finnova die Nachrichten dominieren, ist Temenos auf globalem Niveau in einer anderen Liga und misst sich dort mit Firmen wie Oracle (iFlex), Misys oder Fidelity/Metavante.

Jetzt kommt Bewegung in den Markt. Metavante war bis zum Kauf durch Fidelity ein wichtiger Türöffner für Temenos-Produkte in Nordamerika. Diese Unterstützung fällt jetzt weg. Hinzu kommt ein drastischer Sparkurs der Kunden. Der jüngst für das erste Quartal brachte einen Betriebsgewinn, der mit 8,7 Mio Dollar deutlich höher lag als der Analystenkonsens (6,3 Mio Dollar).

Laut den Analysten der Citigroup kam dieses optisch gute Ergebnis hauptsächlich durch verschobene Deals zustande. Auch die Margenverbesserung widerspiegelt vor allem die – aus der in Dollar rechnenden Temenos – verbesserten Wechselkursverhältnisse und weniger die Kosteneinsparungen.



Ergebnisverbesserung  dank Verschiebungen



Geografisch zeigte sich in Europa eine Stabilisierung. Das Nordamerikageschäft ist weiterhin unter Druck. Ein grosser Abschluss mit Coast Capital Savings schönt das Bild etwas. In Afrika und im Mittleren Osten hat sich die Situation stabilisiert und einige Abschlüsse, die Ende 2008 verschoben worden waren, konnten jetzt unter Dach und Fach gebracht werden. Der Coast Capital Savings ist auch ein Beispiel für die verlängerten Verkaufszyklen. Im Mai 2008 hatten Experten von Coast Capital Savings eine Installation in Warschau besucht, um sich ein Bild zu machen. Ursprünglich hätte der Vertrag im Herbst letzten Jahres unterzeichnet werden sollen.

Insgesamt waren damit 12 T24-Abschlüsse und 7 ARC-Verträge im ersten Quartal gemeldet worden. Wenn diese verschobenen Abschlüsse jetzt nicht berücksichtigt würden, wäre der Umsatz bei Temenos um 22 bis 30% zurückgegangen.

Und weil sich jetzt verschiedene Abschlüsse «nach hinten» verschieben, wird die aktuelle Kaufzurückhaltung der Banken erst in den kommenden Monaten so richtig sichtbar werden, glauben die Analysten. Normalerweise spielt Temenos im 1. Quartal 15% des Jahresumsatzes ein, heisst es bei Exane, und im 4. Quartal rund 45%. Wenn etwas vom 4. auf das 1. Quartal verschoben wird, bedeutet das einen optisch starken Effekt im ersten Quartal. Der Effekt bei Abschlüssen, die jetzt vom ersten ins zweite Quartal verschoben werden, ist vergleichsweise viel geringer, sagen die Exane-Analysten.





Trennung mit Folgen



Nach der Übernahme von Metavante durch Fidelity sind beide Parteien in Verhandlungen um die Regelung der Finanzen. Der Vertrag war laut Analysten für Temenos zwischen 20 und 30 Mio Dollar bzw. 4 bis 5% des Umsatzes wert. Temenos kündigte am Analysten-Konferenzgespräch an, jetzt noch mit Metavante-Unterstützung hereinkommende Umsätze für den Rest des Jahres nicht mehr auszuweisen. Im 1. Quartal war dieser Beitrag «immateriell», wie es am Gespräch hiess. Die Analysten der Citigroup verdeutschten das mit «unter 5 Mio Dollar».

Temenos hatte sich 2007 mit Metavante verständigt, die TCB-Core-Bankenlösung, die sich für grosse Retailbanken eignet, in den USA exklusiv zu vermarkten und dafür Gebühren bis zum Jahr 2012 zu verlangen. Daneben bestand noch ein nicht exklusiver Deal für das Hauptprodukt von Temenos, die T24-Suite. Fidelity (bzw. vollständig ausgeschrieben «Fidelity National Information Service» FNIS) ist ein Konkurrent von Temenos auf dem US-Markt und hat auch Produkte, die exakt auf die gleichen Kunden zielen wie die TCB-Suite von Temenos.

Für das Gesamtjahr bestätigte das Temenos-Management seine Erwartungen: Man rechnet mit operativen Kosten um 310 Mio Dollar und einer operativen Marge zwischen 19 und 20%. Der Wartungsumsatz, eine relativ stabile Komponente im Geschäft, soll 118 Mio Dollar ausmachen. Für den operativen Cashflow liegt das Ziel bei mindestens 80 Mio. Dollar, für den freien Cash flow bei 50 Mio Dollar. Für die Analysten der Bank of America/Merrill Lynch sind diese Ziele erreichbar – sie sehen Temenos auf dem Weg zurück «zur Normalität».
 

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