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Bitcoin

Droht Bitcoin Gefahr vom Krypto-Dollar?

Kryptowährung Bitcoin: Spekulationen um die Börse Bitfinex. Quelle: Gettyimager/Nurphoto
Seit Wochen mehren sich Spekulationen um die Bitcoin-Börse Bitfinex. Im Zentrum steht der Handel mit dem Krypto-Dollar Tether.
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Die Finanzwelt hatte für das Publikum schon immer unangenehme Überraschungen bereitgehalten. Zinssätze wurden zwischen Grossbanken zum Schaden der Öffentlichkeit abgesprochen. Oft genug waren die Risiken in den Büchern der Banken grösser als tragbar. Nun häufen sich Spekulationen um Unregelmässigkeiten im Handel mit Bitcoin.

Im Zentrum steht die grösste Bitcoin-Börse Bitfinex in Hongkong. Über sie werden täglich Transaktionen im Wert von über 1 Milliarde Dollar getätigt, in allen Kryptowährungen zusammen. Vor allem das Währungspaar Dollar-Bitcoin gibt nun Anlass zu Fragen. Im Kern geht es um die Befürchtung, dass nicht alle gehandelten Assets wirklich gedeckt sind. Bewiesen ist bis heute gar nichts. Möglicherweise geht auch alles mit rechten Dingen zu und her. In der jungen Branche herrscht noch immer Wild West, und es kommt oft zu Diffamierungen von Konkurrenten. Trotzdem machen sich Marktteilnehmer Sorgen.

Ein- und Aussteig noch holprig

Am Ursprung des ganzen Aufruhrs stehen Friktionen zwischen der klassischen Bankenwelt und der Kryptowelt. Noch immer ist es nicht einfach und vor allem teuer und oft langwierig, Dollars in die Kryptowelt zu bringen und von dort wieder abzuziehen. Die ganzen Vorteile von Kryptowährungen – Geschwindigkeit, volle Kontrolle über die Assets – fallen dahin, wenn beispielsweise Bitcoins auf einer Börse in Dollar gewandelt und diese an eine klassische Bank ausgezahlt werden müssen.

Wonach sich alle Marktteilnehmer sehnten, war eine Entsprechung des Dollars in der Kryptowelt. Eine solche gibt es tatsächlich seit längerem. Sie heisst Tether. Der Tether entspricht einem Dollar, ist aber ein Coin, der ähnlich wie Bitcoin oder Ether Teil des Kryptouniversums ist. Transaktionen mit Tether werden ebenfalls auf einer Blockchain festgeschrieben. Herausgegeben wird Tether von der gleichnamigen Firma, die verspricht, dass jeder ausgegebene Tether durch einen echten Dollar hinterlegt sei. Inzwischen sind 600 Millionen Dollar Tether in Umlauf gekommen, zuletzt beschleunigt. Viele davon lagern bei der Börse Bitfinex.

Dollars für Margin Trade

Was seit diesem Sommer Aufmerksamkeit erregte, waren erstaunliche Korrelationen. Meistens, wenn neue Tether in grossen Mengen emittiert wurden, stieg der Kurs von Bitcoin an. Ebenfalls war zu beobachten, dass bei Bitfinex gleichzeitig die Menge an Tether, also an Krypto-Dollar, stieg, die für das Margin Trading zur Verfügung standen. Die Börse ermöglicht es nämlich ihren Kunden, Dollar auszuleihen, um mit diesen dann gegen hohe Gebühren (bis zu einem Prozent Tageszins) gehebelt auf steigende Bitcoin-Kurse zu setzen.

Die Statistiken zeigen: Je mehr Tether bei Bitfinex für das Margin Trading zur Verfügung stehen, desto mehr werden mittels Margin Trading Bitcoins gekauft und desto mehr verdient Bitfinex an Gebühren. Die grosse Frage steht im Raum: Sind alle dafür notwendigen Tether tatsächlich mit echten Dollars gedeckt? Oder wurden da Krypto-Dollar aus dem Nichts hergestellt, um allenfalls das Geschäft anzukurbeln?

Tether-Chart: Menge im Umlauf steigt.

In der Geschichte von Bitcoin gibt es einen Präzedenzfall. Die vor Jahren kollabierte Börse Mt.Gox hatte mutmasslich auf eigene Rechnung Bitcoins gekauft, was den Kurs hochtrieb. Die Dollars, die dafür nötig waren, existierten offenbar nur in den Büchern von Mt.Gox.

Bitfinex und die Firma, welche Tether herausgibt, sind eng verbandelt, und in den Geschäftsleitungen sitzen teilweise die gleichen Leute. Die Firma hatte zwar mittels Erklärungen und audit-ähnlichen Berichten alle Bedenken zu zerstreuen versucht. Bisher gelang es aber nicht restlos, die Bitcoin-Szene zu überzeugen.

Dezentrale Börsen kommen

Die bisherigen Fakten zeigen kein eindeutiges Bild. Unabhängig vom konkreten Fall Bitfinex ist aber klar, welche Gefahren von unregulierten Börsen für die Bitcoin-Welt ausgehen. Die Risiken waren schon beträchtlich, als Bitcoin ein Nischenprodukt war. Bei einer Marktkapitalisierung von 150 Millarden Dollar und dem Einstieg von breiten Massen dürfte es nicht erstaunen, wenn die Regulatoren, vielleicht sogar in Hongkong, die Zügel anziehen.

Innerhalb der Kryptowelt dürften anfällige zentralisierte Akteure wie eben Börsen ohnehin schon bald an Bedeutung verlieren. Aktuell sind mehrere Projekte in fortgeschrittener Entwicklung, die dezentrale Börsen aufbauen. Käufer und Verkäufer von Kryptowährungen müssen sich dann nicht mehr auf unregulierte Akteure verlassen. Das Tauschgeschäft wird unkorrumpierbar von einem Programm auf einer Blockchain durchgeführt werden.