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Blockchain

Neue App will die Sharing-Economy für Reiche lancieren

Luxus-Güter auf der Blockchain: Ein Start-up will das ermöglichen. Quelle: zvg
Das Zuger Unternehmen Tend mit prominenter Führung will das Eigentum an Sportwagen, Villen und Luxusuhren teilen.
von am

Es war letzten Frühling in den Ferien, als Marco Abele über die angenehmen und luxu­riösen Dinge dieser Welt sinnierte. «Ich fragte mich, ob es nicht möglich wäre, breiteren Kreisen das anzubieten, was heute nur der absoluten Elite zugänglich ist», erzählt er. Abele war bis letzten Winter Digital-Chef der Credit Suisse und suchte nach einer neuen Aufgabe. Er dachte über das Teilen von schönen Dingen nach.

Von da ist es nicht weit bis zur Sharing Economy. Seit Jahren nimmt das gemeinsame Nutzen von Räumen und Fahrzeugen zu. Auch in der Schweiz. Gerade diese Woche schrieb das Bundesamt für Statistik, dass hierzulande inzwischen jeder vierte Einwohner ab und zu entsprechende Angebote nutze. Klassischerweise ist da jeweils nicht viel Geld im Spiel.

Das will Abele ändern. Mit seinem neu gegründeten Unternehmen Tend will er die Sharing Economy auch in reichen Kreisen verankern. Die Idee: Gut betuchte Leute sollen einen Teil ihres Vermögens nicht nur in gesichtslose ETF, Aktien oder Obligationen anlegen können, sondern auch in Weingüter, in ein Gemälde oder einen Porsche 356 A Speed­ster. Investieren in Anlagen, die eine sogenannte Erlebnis-Dividende garantieren: So lautet das Motto. Einmal pro Jahr eine Woche im Sportwagen unterwegs sein, dreissig Flaschen Wein aus dem eigenen Gut. Ideen gibt es genug.

Nicht nur für Ultrareiche

Das Problem: Solche Anlagen sind teuer und stehen meist nur den Ultrareichen offen und für den Erlebniswert braucht man sie eigentlich nicht zu 100 Prozent zu besitzen. Hier setzt Tend an. «Wir bauen eine Plattform, auf der die Leute auch kleinere Anteile an solch teuren Investments kaufen und verkaufen können.» Bereits nächsten Frühling soll eine erste Version der App bereit sein.

Mit an Bord bei Tend ist der ehemalige Schweiz-Chef von Uber, Rasoul Jalali. Er wird den Aufbau und das Tagesgeschäft leiten. Als Berater dabei sind Oliver Bussmann, früher Innovationschef bei der UBS, und Erich Joachimsthaler , Gründer des Beratungsunternehmens Vivaldi.

Blockchain im Hintergrund

«Für die jüngere Generation bedeutet Reichtum mehr als nur Geld und Assets», sagt Abele. «Es geht um persönliche Erfahrungen, Emotionen und das Realisieren von Träumen.» Seine Annahmen gründet er auf Marktstudien, die er zu Beginn des Projekts hat erstellen lassen. Zielgruppe sind Leute, die 100 000 Franken oder 1, 2 Millionen auf der hohen Kante haben.

Grundsätzlich wäre ein solches Projekt schon viel früher umsetzbar gewesen. Eigentlich reicht ein Stück Papier, um Eigentumsrechte festzuhalten. Und der Handel mit solchen Papieren war, wenn auch umständlich, schon immer möglich gewesen. Doch Abele und sein Team setzen auf die neuen Möglichkeiten, welche die Ethe­reum-Blockchain bietet. Diese globale Datenbank erlaubt es, irgendwelche Assets auf einfache Weise digital abzubilden, quasi digital zu verbriefen, und in belie­bige Anteile zu stückeln. So entstehen ­digitale Assets, sogenannte Token, die einem unfälschbaren Anteilschein an einer Sache entsprechen.

Start in der Schweiz

Gleichzeitig können diese neu geschaffenen digitalen Assets unkompliziert auf einer Handelsplattform integriert und von einer Person auf eine andere übertragen werden. «Unsere Geschäftsidee ist exem­plarisch dafür, wie man die Blockchain-Technologie nutzen kann», ist Abele überzeugt. «Aber alles, was auf der Blockchain im Hintergrund läuft, muss der Kunde gar nicht mitbekommen.» Bezahlen wird man mit Schweizer Franken, aber ebenso mit Kryptowährungen wie Ether.

«Die Blockchain-Technologie ist der Katalysator, der unsere Vision einer neuen erlebnisorientierten Investmentwelt Realität werden lässt», sagt Ex-Uber-Mann Jalali. Was er meint, ist: Die Ethereum-Blockchain macht die Vorgänge effizienter, von traditionellen Akteuren unabhängiger und sofort global. Starten will Tend trotzdem erst einmal in der Schweiz. Der Schweizer Brand sei wichtig, aber eine spätere Expansion in Megacitys bereits angedacht, sagt Abele, der zurzeit alleiniger Inhaber der Firma mit Sitz in Zug ist.

Zusammenarbeit mit Agenturen

Natürlich warten Schwierigkeiten. Von wo kommen die Weingüter und Porsches, die gestückelt auf neue Eigentümer warten? Wird das Organisieren der Nutzung durch die verschiedenen Eigentümer klappen? Was, wenn einer seinen Anteil verkaufen will, aber gerade niemand Interesse daran zeigt?

Tend will mit spezialisierten Agenturen zusammenarbeiten, die schon heute solche Luxusobjekte anbieten – halt bisher einfach an einen einzigen Käufer. Was auf Tend angeboten werden soll, muss wertbeständig sein. Ansonsten würde das ganze Konzept nicht funktionieren. Die Organisation der Nutzungsrechte und das Warten und Verwalten etwa eines Luxus-Autos will Tend übernehmen. Die Firma ist damit nicht nur eine Tech-Firma, sondern ebenso ein Dienstleistungsunternehmen.

ICO geplant

Das alles aufzubauen kostet Geld. Tend beabsichtigt, einen sogenannten ICO, ein Inital Coin Offering, über rund 30 Millionen Franken zu machen, wie das Portal «Finews» schrieb. Das ist eine neue Art der Finanzierung über eine Blockchain, bei der Anleger Geld investieren und im Gegenzug einen Token des Projekts erhalten.

Im Fall von Tend ähnelt dieser Token einer Anleihe, die verzinst wird. Die Kunden der Plattform brauchen allerdings keine dieser Token, um die Dienstleistung zu nutzen oder für die Assets zu bezahlen. Im Bereich der Vermietung profilierten sich zuletzt mehrere Anbieter von Luxusgütern, vor allem in Frankreich. Doch ­direkte Konkurrenten zu Tend mit einem ähnlichen Angebot gibt es bisher nicht. Ex-Uber-Mann Jalali sagt: «Es ist einfach der richtige Zeitpunkt.» Die Technologie sei da, die Kunden bereit und die Schweiz sei schlicht der richtige Ort für ein solches Projekt.