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Meinung

Bitcoins sind kein Ersatz für Währungen

Bitcoin, Dollar und Euro: Was ist der Unterschied? Quelle: Ulrich Baumgarten/Getty Images
Die Frage nach dem Wesen der Bitcoins ist weniger banal, als sie auf Anhieb tönt. Denn obwohl sie an vielen Stellen als Zahlungsmittel akzeptiert werden, kann man niemanden zur Annahme von Bitcoins zwingen. Das liegt in der Natur der Kryptowährung.
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Geld – was ist das eigentlich? Seitdem die Menschheit über ökonomische Dinge nachdenkt, beschäftigt uns dieses Thema. Lange Zeit waren wir verwirrt, weil Geld immer in physischer Gestalt daherkam. Ob als Muschel oder Münze: Über Jahrhunderte hatte Geld auch immer einen Materialwert. Oft war das Material gerade das, was dem Geld Anerkennung und Vertrauen brachte. Ob Silber oder Gold: Der Metallwert des Geldes hat lange Zeit internationalen Austausch erst möglich gemacht.

Nicht erst seitdem unser Geld nur noch aus ungedeckten Einträgen in einer Datenbank besteht, wissen wir aber, dass Geld eigentlich nichts anderes ist, als eine gesellschaftliche Konvention. Schon Aristoteles berichtete: «Es trägt den Namen Geld, weil es sein Dasein nicht der Natur verdankt, sondern weil man es als geltend gesetzt hat und es an uns liegt, ob wir es ändern oder ausser Kurs setzen wollen.» Etwas kürzer könnte man sagen: Geld ist, was gilt.

Der grosse Unterschied: Hinter Dollar, Euro und Franken stehen Staaten

Sind Bitcoins dann Geld? Für diejenigen, die es untereinander als Zahlungsmittel akzeptieren, sicherlich. Andere kann man zur Annahme dieses Geldes aber nicht zwingen. Das ist wohl der grosse Unterschied zu Franken, Euro oder Dollar. Hinter diesem Geld stehen Länder, die ihr Geld mit staatlichem Annahmezwang ausgestattet haben. Für uns Menschen ist das wichtig, gibt es uns doch die Sicherheit, dass das von uns erwirtschaftete Alltagsgeld tatsächlich für die Anschaffung der Dinge verwendet werden kann, die wir selbst mit unserer Arbeit nicht hervorbringen.

Natürlich ist das keine absolute Sicherheit. Kann doch der Staat im Sinne Aristoteles’ die eigene Währung für nicht mehr geltend erklären. Wir nennen so einen Vorgang eine Währungsreform. Dumm gelaufen für all diejenigen, die der staatlichen Währung Vertrauen geschenkt haben. Eine etwas mildere Form der Enteignung entsteht dann, wenn der Staat die Menge des umlaufenden Geldes erhöht. In der Regel kauft der Staat dann selber Vermögenswerte und bezahlt sie mit gedrucktem Geld.

Warum das eine Form der Enteignung ist? Weil das Geld, das wir besitzen, weniger wert wird. Steigende Vermögenspreise sind die Folge einer starken Ausweitung der Geldmenge. Manche nennen das neudeutsch Asset Price Inflation. Genau genommen geht es um eine Entwertung von Nominalvermögen. Wer Geld oder Obligationen besitzt, kriegt heute dafür deutlich weniger Realwerte wie Häuser oder Unternehmensbeteiligungen als früher.

Wer arm ist, spart mit dem Sparbuch

Sind dann Bitcoins nicht doch die bessere Alternative? Wohl kaum. Wenn das Geld teurer wird, bedeutet das gleichzeitig, dass die Güter und Dienstleistungen, die wir für die Bitcoins bekommen, billiger werden. Bitcoins als Währung führen also zu einer permanenten Deflation mit dabei noch stark schwankenden Preisen. Das macht diese Währungen fundamental unattraktiv.

Entwertung von Nominalvermögen hat aber auch gesellschaftspolitische Effekte. Steigende Preise für Aktien und Immobilien kommen überproportional den vermögensstarken Bevölkerungsteilen zugute. Wer arm ist, spart mit dem Sparbuch. Wer reich ist, ist auch Hausund Aktienbesitzer. Auch deshalb haben viele Länder ihren Zentralbanken den Auftrag gegeben, eine ganz langweilige, auf langfristige Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik zu machen. Geld ist wohl nicht nur, was gilt. Geld hält auch die Gesellschaft zusammen. Das gilt aber wohl nur, wenn der Staat verantwortungsvoll damit umgeht.

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