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Detailhandel

E-Mail-Zwang für Décathlon-Kunden

Décathlon-Store in Zagreb: Der Sportartikelhändler betreibt mehr als 1000 Läden in 28 Ländern.
Décathlon verkauft in der Schweiz nur noch gegen Angabe einer E-Mail-Adresse. Westschweizer Konsumentenschützer bemängeln dies scharf.
von am

Welsche Konsumentenschützer kritisieren den französischen Sportartikelgiganten Décathlon. Sie bemängeln die neue Praxis, wonach Décathlon-Kunden eine E-Mail-Adresse oder eine Telefonnummer angeben müssen, wenn sie im Laden in Neuchâtel einen Artikel kaufen möchten. Der Verband fordert eine Intervention des Eidgenössischen Datenschützers.

Die strittige Praxis hat Décathlon Ende Januar eingeführt. Es ist eine Schweizer Premiere, mehr noch: eine Weltpremiere. Nirgendwo auf der Erdkugel fordert Décathlon persönliche Informationen von seinen Kunden für einen Kauf im Laden. Und die Franzosen betreiben immerhin mehr als 1000 Stores in 28 Ländern. Umsatz: über 10 Milliarden Euro.

Daten in Paris

Ziel der Aktion sei es, die Kundenbeziehung zu stärken, hiess es im ursprünglichen Communiqué. Décathlon verwies darauf, dass es im Online-Bereich bereits Standard sei, ein Kundenkonto zu eröffnen, wenn ein Kauf getätigt wird. Nun gelte diese Pflicht auch für das Geschäft im neuenburgischen Marin-Epagnier. Das Verfahren sei einfach, hiess es Ende Januar. «Eine E-Mail-Adresse reicht.»

Der Westschweizer Verband «Fédération romande des consommateurs» findet das aber «inakzeptabel», wie es in einem Bericht des Neuenburger Online-Portals «ArcInfo.ch» heisst.Testkäufe hätten ergeben, dass Décathlon nicht nur die E-Mail-Adresse verlange, sondern die Kunden auch dazu auffordere, Namen, Vornamen und Geburtsdatum anzugeben. Die gesammelten Daten würden anschliessend nach Frankreich übertragen, was die Konsumentenschützer weiter bemängeln, insbesondere weil laut europäischem Gesetz eine derartige Praxis untersagt sei.

Bern in der Pflicht

Der Verband hat sich in einem Brief an das Management von Décathlon gewandt. Die Antwort steht noch aus. Ein Sprecher des französischen Sportartikelgiganten sagt auf Anfrage, dass man die Einwände der Konsumentenschützer «zum aktuellen Zeitpunkt» nicht kommentieren wolle.

Auch der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte wird vom Westschweizer Verband in die Pflicht genommen. Die Konsumentenschützer fordern von Adrian Lobsiger, die Praxis von Décathlon genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Sportartikelgigant behaupte zwar, das Sammeln von Informationen würde mit dem Schweizer Gesetz in Einklang stehen, die Konsumentenschützer aber bezweifeln diese Aussage. Sie fordern eine Untersuchung.