Anleihemarkt am Golf gewinnt an Fahrt

Golfstaaten
Ende Januar veröffentlichte der Zürcher Vermögensverwalter Fisch Asset Management zusammen mit der Grossbank Emirates NBD in Dubai die Studie zum Fixed-Income-Markt in den GCC-Staaten.
Der Anleihenmarkt in den sechs Ölstaaten der Golfstaatenunion GCC hat im Jahr 2017 das Rekordvolumen von 70 Milliarden Dollar erreicht. 70 Prozent davon waren Staatsanleihen.
by
Gérard Al-Fil
1518449046

Der Golfstaaten-Anleihenmarkt hat das Rekordvolumen von 70 Milliarden Dollar am Golfstaaten-Anleihenmarkt erreicht, wie aus einer Studie zum Fixed-Income-Markt in den GCC-Staaten hervorgeht, die der Zürcher Vermögensverwalter Fisch Asset Management zusammen mit der Grossbank Emirates NBD in Dubai Ende Januar veröffentlicht hat. Zu den GCC-Staaten zählen Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrein, Katar, VAE und der Oman. Wie aus der Studie hervorgeht, stammten von zehn Jumbo-Emissionen (Bonds  mit einem Nennwert von 5 Milliarden Dollar oder mehr), die im vergangenen Jahr emittitert worden sind, vier aus der Golfegion, zwei davon aus Saudi-Arabien. Das Scheichtum Abu Dhabi (Hauptstadt der VAE) und Kuwait platzierten jeweils ein festverzinsliches Papier.

2017 war das erste Jahr, in dem alle GCC-Regierungen mit Ausnahme von Katar auch Anleihen auf den internationalen Bond-Märkten lancierten. «Für 2018 erwarten wir einen konstant hohen Risiko-Appetit für Obligationen aus den GCC-Staaten, trotz der vorhandenen geopolitischen Unwägbarkeiten», sagte Philipp Good, CEO Fisch Asset Management.

Die Performance des Anleihemarktes sei auch vor dem Hintergrund der geopolitischen Risiken eindrucksvoll. Wachsende Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Iran, die im Jemen einen Stellverteter-Krieg führen sowie der diplomatische und wirtschaftliche Boykott des Erdgasriesen und GCC-Mitglieds Katar durch das arabische Quartett Saudi-Arabien, VAE, Bahrain und Ägypten haben die Preise für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) erhöht, wie die Studie zeigt.

 

Optimistisch für 2018

Die Anti-Korruptionskampagne der saudi-arabischen Regierung, bei der von November bis Ende Januar 318 Prinzen, Wirtschaftsführer und Offizielle wegen mutmasslich krummer Finanzgeschäfte festgesetzt wurden (56 von ihnen sitzen weiterhin in Haft), hat die Investoren nur leicht verunsichert. So ist auch Usman Ahmed, Leiter Investments der Asset Management-Sparte bei Emirates NBD, für das laufende Jahr optimistisch: «Insbesondere die für Ende 2018 geplante Kotierung von 5 Prozent des Energieriesen Saudi Aramco kann ein Game Changer für die Region bedeuten, sowohl für den Aktien- als auch für den Anleihemarkt im Mittleren Osten.»

Ausserdem hat der Preis für das Fass Rohöl (159 Liter) der Sorte Brent hat im Januar über 70 Dollar (höchste Bewertung seit Dezember 2014) erreicht, was den unter Druck geratenen GCC-Staatshaushalten, die seit 2014 Defizite verbucht haben, Luft verschafft und das Kredit-Rating stabilisiert. Das Fass wurde jedoch wieder billiger infolge der Börsenturbulenzen, die weltweit Anfang Februar stattgefunden haben.