Skip to main content
Asoziale Medien

Defriending: Facebook sperrt Cambridge Analytica aus

F wie Fort mit Dir: Facebook will Cambridge Analytica nicht mehr auf seinem Portal haben. (Bild: Keystone/AP, Matt Rourke)
Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist der Kragen geplatzt: Das Netzwerk setzt Cambridge Analytica vor die Tür.
von am

Defriending - so heisst das Wort, das auf Facebook normalerweise keiner hören will. Es bedeutet, dass die Beziehung per sofort beendet ist. Und genau das passiert jetzt auf höchster Ebene.

Facebook defriendet die Big-Data-Firma Cambridge Analytica. Dabei handelt es sich um die Big-Data Firma, die  der Trump-Kampagne entscheidend dabei geholfen haben soll, mit als Werbung geschalteten gezielten Botschaften bei Facebook seine Anhänger zu mobilisieren. Zugleich sollen damit potenzielle Wähler der Gegenkandidatin Hillary Clinton vom Urnengang abgebracht worden sein.

Daten nicht gelöscht

Facebook begründet den Rauswurf so: Cambridge Analytica habe trotz früherer Zusicherungen bis 2015 gesammeltes Material nicht gelöscht.
Über das Ausmass des Datenzugriffs gibt es jedoch unterschiedliche Angaben. Die «New York Times» berichtete am Wochenende unter Berufung auf frühere Mitarbeiter von Cambridge Analytica, die Firma habe Zugriff auf Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern ohne deren Zustimmung erhalten.

Aus den Erklärungen von Facebook geht hervor, dass allerdings beim absoluten Grossteil dieser Nutzer nur Grund-Informationen zum Profil zugänglich gewesen seien.

Mit «Persönlichkeitstest» Daten abgesogen

Vertieftes Wissen erhielt Cambridge Analytica laut Facebook aber über Menschen, die eine 270'000 Mal herungeladene Umfragen-App ausfüllten. Die scheinbar harmlose Umfrage mit dem Namen «thisisyoudigitallife» versprach Nutzern einen Persönlichkeitstest.

Ihr Initiator, Professor Alexandr Kogan von der Cambridge-Universität, habe dafür von den Nutzern die Erlaubnis zum Zugriff auf ihre Informationen erhalten. Dann habe aber Kogan «uns belogen» und Daten an Cambridge Analytica und SCL sowie den Datenanalytiker Christopher Wylie weitergegeben, erklärte Facebook.

Zusätzlich zu den Informationen der Nutzer, die direkt an der Umfrage teilnahmen, bekam die App eingeschränkten Zugang zu Profildaten ihrer Facebook-Freunde, die entsprechend lockere Datenschutz-Einstellungen haben, erklärte das Online-Netzwerk. Das ist in solchen Fällen bei Online-Plattformen oft üblich und könnte die Zahl von Millionen in Mitleidenschaft gezogenen Mitgliedern erklären. Es wären aber deutlich weniger wertvolle Informationen. Facebook machte seinerseits keine Angaben zur Gesamtzahl der betroffenen Nutzer.

Weitere Dimension

Der 28-jährige Christopher Wylie tritt jetzt als Whistleblower auf und legte Informationen zur Zusammenarbeit mit Cambridge Analytica unter anderem der «New York Times» und der britischen Zeitung «Guardian» offen.

Wylies Unterlagen enthüllen eine noch tiefere Verstrickung von Cambridge Analytica in den Wahlkampf als bisher bekannt: So habe die Firma Wikileaks Hilfe bei der Verbreitung der gestohlenen E-Mails von Hillary Clinton angeboten.

Sie waren nach Erkenntnissen westlicher Sicherheitsbehörden von russischen Hackern gestohlen worden und ihre Veröffentlichung trug mit dazu bei, dass Trump die US-Präsidentenwahl im November 2016 gewann.

(ag/sda)