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Börseninterview

«SMI-Höchststände werden wir dieses Jahr nicht mehr sehen»

Börsenhändler in New York: SKZB-Experte Thomas Heller erwartet keine weiteren Höchststände beim SMI. Quelle: Spencer Platt/Getty Images
Thomas Heller rechnet nach dem Rekordstart nicht mit weiteren SMI-Höchstständen. Der Experte liefert auch eine Einschätzung zu den US-Zöllen.
von am

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Thomas Heller*: Es gibt derzeit kein einzelnes dominierendes Thema. Die Märkte sind noch in der Neuorientierungs-Phase nach der Korrektur von Ende Januar/Anfang Februar. Die Frage steht im Raum, was der Auslöser für die nächste grössere Bewegung sein wird. «Kandidaten» gibt es einige, unter anderem die Konjunktur (Überhitzung oder Abflachung?), die Unternehmensergebnisse (können die hohen Erwartungen erfüllt werden?) oder die US-Zollpolitik. Und natürlich stehen die Notenbanken weiterhin im Fokus (wie restriktiv werden sie?).

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die Korrektur am Aktienmarkt hat etwas Druck aus dem System genommen. Vor dem Hintergrund des nach wie vor intakten fundamentalen Umfelds, hat dies den Boden für eine Wiederaufnahme des Aufwärtstrends bereitet. Allerdings gibt es auch einige potenzielle Stolpersteine. Erst wenn mehr Klarheit herrscht, welche Faktoren die Oberhand gewinnen, kann sich ein neuer Trend etablieren. Ich gehe deshalb davon aus, dass sich die trendlose, volatile Seitwärtsbewegung der vergangenen Wochen noch etwas fortsetzen wird.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Die Höchststände von Anfang Jahr bei über 9600 Punkten werden wir dieses Jahr nicht mehr sehen. Auf Jahressicht liegen kaum mehr als 9000 Punkte im SMI drin.

*Thomas Heller ist CIO und Leiter Research bei der Schwyzer Kantonalbank. Quelle: ZVG

Die US-Notenbank hat erstmals unter der Leitung des neuen Vorsitzenden Jerome Powell getagt. Wie unterscheidet sich sein Stil von der seiner Vorgängerin Janet Yellen?
Powell hatte sich in den Jahren seiner Fed-Zugehörigkeit seit 2012 hinter die jeweilige Geldpolitik gestellt. Deshalb war mit keinem Bruch nach Janet Yellen zu rechnen. Das hat sich nun zumindest nach dem ersten Fed-Meeting unter seiner Führung bestätigt. Sowohl gemessen an der Tat (erwartete Zinserhöhung um 0.25 Prozentpunkte) als auch an der Kommunikation. Es wird sich weisen, ob das auch so bleibt. Ich gehe aber davon aus, dass Powell die Kontinuität in der US-Geldpolitik gewährleistet, welche sich die Märkte wünschen.

Die chinesische Notenbank erhält mit Yi Gang einen neuen Chef. Welchen Einfluss hat Chinas Geldpolitik auf die Weltwirtschaft?
China ist die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt. Der Einfluss Chinas ist natürlich gross. Es ist allerdings nicht die chinesische Geldpolitik allein, die ohnehin nicht wirklich unabhängig ist. Es ist das «Gesamtpaket» wirtschaftspolitischer Aktivitäten der chinesischen Regierung (z.B. Fiskalpolitik, Regulierung), welche den Lauf der Dinge massgeblich beeinflussen kann. Dazu gehört auch die Geldpolitik.

Jetzt treten die neuen US-Zölle auf Stahl und Aluminium in Kraft. Könnte die Angst vor einem Handelskrieg den weltweiten Aufschwung bremsen?
Allein die Angst davor kaum. Aber die effektive Einführung von Zöllen und dadurch provozierter Gegenmassnahmen in Form tarifärer und nicht-tarifärer Handelshemmnisse, würden dem Wachstum einen Dämpfer versetzen. Beim aktuell starken globalen Wachstum fällt dies nicht so stark ins Gewicht, könnte aber den nächsten zyklischen Abschwung verstärken.

Die Schweizerische Nationalbank warnt vor sinkenden Preisen auf dem Immobilienmarkt, insbesondere bei Mehrfamilienhäusern. Rechnen Sie mit einem Preissturz bei Häuser- und Wohnungen?
Nicht gerade mit einem Preissturz, aber die Luft ist definitiv dünn geworden. Es wurde und wird noch immer viel gebaut. Die Nachfrage nimmt nicht im selben Ausmass zu, so dass das zusätzliche Angebot zusehends den Altbestand konkurrenziert. Die daraus resultierenden Leerstände bringen das Preisgefüge ins Wanken, mit Tendenz nach unten.

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