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Exporte

Trumps Iran-Sanktionen treffen Schweizer Unternehmen

US-Präsident Donald Trump traf am WEF in Davos GR auf Bundespräsident Alain Berset. Quelle: Keystone .
US-Präsident Donald Trump will die Sanktionen gegen den Iran wieder aufnehmen. Davon sind auch Schweizer Unternehmen betroffen.
von am

Kaum hat die wirtschaftliche Beziehung mit dem Iran Fahrt aufgenommen, erleidet sie einen kräftigen Dämpfer. Der amerikanische Präsident Trump kündigt den Iran-Deal von 2015 und will die Sanktionen gegen den Iran wieder einführen. Damit trifft Trump auch Schweizer Unternehmen. 2017 stiegen die Exporte aus der Schweiz in den Iran um 7,4 Prozent auf 532 Millionen Franken. 

Die Zahl dürfte nun wieder schrumpfen. Trump will die «höchste Stufe von Wirtschaftssanktionen einführen», wie er verkündete. Zudem droht er anderen Ländern mit Sanktionen, falls ihre Unternehmen weiter Geschäftsbeziehungen mit dem Iran unterhalten. Ausländische Unternehmen, die bereits im Iran tätig sind, hätten nach Angaben des US-Finanzministeriums 90 bis 180 Tage Zeit, um das Land zu verlassen. In Deutschland etwa forderte der US-Botschafter die deutschen Unternehmen auf, ihre Aktivitäten im Iran sofort herunterzufahren.

Pia Stebler, Geschäftsführerin der Schweizerisch-Iranischen Handels- und Industriekammer (SIHIK), bedauert, dass die USA die Sanktionen wieder aufnehmen. Überraschend sei das allerdings nicht. «Trumps Aussagen hingen seit seiner Wahl zum Präsidenten wie ein Damokles-Schwert über den Irangeschäften», sagt sie. Stebler rät jedoch Schweizer Unternehmen, vorerst Ruhe zu bewahren.

Erst einmal abwarten

«Trump hat zwar brutale Sanktionen angekündet, noch ist aber unklar, wie diese genau aussehen werden und ob er sie auf einmal oder schrittweise in Kraft setzt.» Er hat nun 180 Tage Zeit, um die konkreten Sanktionen auf den Tisch zu legen.

«Je nach Sanktion könnten auch Schweizer Unternehmen empfindlich getroffen werden», sagt Stebler. Etwa wenn sie vom US-Markt ausgeschlossen würden oder hohe Bussen drohten, sollten Firmen weiterhin mit dem Iran Geschäfte betreiben. «Die Betroffenheit hängt also sehr stark vom Ausmass der amerikanischen Geschäfts einer Firma ab.»

Von den Sanktionen betroffen sein könnten laut Strebel speziell Unternehmen, die sich nach der Aufhebung der Sanktionen aufgemacht haben, die veralteten Ölförderungsanlagen wieder instandzusetzen, etwa Pumpen- und Turbinenlieferanten. Denn als eine erste konkrete Massnahme hat Trump angekündigt, die Öl-Exporte des Irans zu stoppen. «Das würde das Land empfindlich treffen und die Modernisierung der Förderanlagen stoppen», so Stebler.

Keine Sanktionen für Pharma- und Nahrungsmittelindustrie

Tangieren könnten die Sanktionen auch die Maschinenindustrie, die den Iran beliefert. Nicht betroffen sein dürfte hingegen die Pharma- und Nahrungsmittelindustrie. Stebler: «Ihnen sind auch vor 2016 aus humanitären Gründen keine Sanktionen auferlegt worden.»

Ähnlich äussert sich Philippe Welti, Präsident der Wirtschaftskammer Schweiz-Iran. «Der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran ist für alle Handelspartner des Landes ein grosser Rückschlag», sagt er zur Nachrichtenagentur «sda».

Für die Schweizer Wirtschaft wird laut dem ehemaligen Schweizer Botschafter im Iran entscheidend sein, wie die grossen europäischen Staaten und die EU reagieren. «Wenn sich die EU, Deutschland, Frankreich und Grossbritannien nicht blamieren wollen, sind sie zum Tatbeweis gezwungen», erklärte Welti.

Die angefragten Schweizer Unternehmen wie etwa Sika, Bühler oder Roche geben sich in Bezug auf ihr Iran-Geschäft zurückhaltend. Der Logistiker Kühne + Nagel etwa sollte im Dezember Modewaren an die grösste Modemesse im Iran liefern. «Wir analysieren die Situation sehr genau. Wir halten uns grundsätzlich immer an Exportvorschriften», sagt ein Sprecher. Das gelte auch für den Iran.

Schweizer KMU weniger betroffen

Auch für Schweizer KMU ist der Iran ein interessanter Markt, dessen Potenzial seit der Aufhebung der Sanktionen vor knapp drei Jahren bei Weitem noch nicht ausgeschöpft wurde. Die Exportförderungsgesellschaft Switzerland Global Enterprise (SGE) hat in den vergangenen Jahren grosses Interesse seitens der Exportwirtschaft festgestellt und einige KMU beim Markteintritt im Iran begleitet.

Suhail el Obeid, der für SGE die Region Naher Osten einschliesslich Iran betreut, erklärt, dass dies allerdings mehrere Jahre dauert: «Einen spürbaren Anstieg der Schweizer Exporte in den Iran erwarten wir ohnehin erst in diesem und nächsten Jahr.»

Wie stark die Schweizer Exportwirtschaft von möglichen Sanktionen betroffen sein wird, lässt sich daher derzeit nur schwer vorhersehen. Insbesondere, weil noch nicht feststehe, welche Produkte und Branchen überhaupt betroffen sein werden. Der Iran-Experte el Obeid rechnet damit, dass die US-Sanktionen in erster Linie die für die iranische Wirtschaft kritischen Sektoren Öl und Gas, Energie sowie Finanzen betreffen werden.

«Die im Iran tätigen Firmen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel aus den Bereichen Lebensmittel, Medizintechnik und Maschinen. Für sie hat sich de facto nichts geändert, und aktuell sehe ich auch keine grossen Implikationen durch etwaige US-Sanktionen. Aber es herrscht natürlich Unsicherheit bei den Unternehmen, die jetzt erst einmal abwarten werden, bevor sie ihr Iran-Geschäft ausbauen,» sagt Suhail el Obeid.