Defekt mit Spezialeffekt

Produktrückrufrisiken nehmen zu
Produktrückrufe
Salmonellen haben schon für manche Rückrufaktion bei Lebensmitteln gesorgt.
Rückrufaktionen sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Neue Rückrufrisiken wie Cyber oder Social Media werden derzeit noch unterschätzt.
by
Peter Marti
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«Lidl Schweiz ruft einen Haar- und Bartschneider wegen Brand- und Explosionsgefahr zurück» (3. April 2018); «Lenovo ruft bestimmte ThinkPad X1 Carbon Notebooks wegen Überhitzungsgefahr zurück» (22. März 2018); «Öffentliche Warnung: Salmonellen in ‹Golden Sun Bio Organic Amaranth› bei Lidl (16. März 2018); «Makita S.A. ruft Benzin-Motorsensen ‹Dolmar MS-27C› aufgrund einer fehlerhaften Gummitülle zurück» (8. März 2018); «Nahrungsergänzungsmittel ‹Zink 50mg› der Marke Robert Franz wird zurückgerufen» (6. März 2018); «Ikea ruft ‹GODIS PÅSKKYCKLING, Marshmallow candy, 100g› zurück» (26. Februar 2018).
Die Liste des eidgenössischen Büros für Konsumentenfragen BFK ist lang. Auf ihr finden sich sämtliche Produktrückrufe und Sicherheitsinformationen über Konsumgüter, die in der Schweiz erhältlich sind. Im Schnitt gesellt sich wöchentlich ein neues Produkt dazu. Die Liste der OECD, die alle Produktrückrufe weltweit erfasst, ist noch viel länger. Hier kommen täglich neue Produkte hinzu – Tendenz steigend.
 

Rekordzahlen verzeichnet

Rückrufrisiken haben in den vergangenen zehn Jahren erheblich zugenommen und das Potenzial für grössere und komplexere Schäden steigt weiter, warnt der Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) in einem neuen Bericht. Wie die Auswertung von 367 weltweiten Versicherungsfällen gezeigt hat, sind die Hauptursachen für Rückrufe ein mangelhaftes Produkt oder eine fehlerhafte Ausführung, gefolgt von einer Produktverunreinigung. Die durchschnittlichen Kosten für einen grösseren Rückruf belaufen sich auf über 10,5 Millionen Euro, wobei die Kosten für einige grosse Rückrufe in der letzten Zeit diese Summe bei weitem übersteigen. Über 50 Prozent der Schäden sind auf nur zehn Rückrufe zurückzuführen. Die Automobilindustrie ist mit 42 Prozent der Schäden am meisten von Rückrufaktionen betroffen, gefolgt von der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie (18 Prozent) und Haushaltsgeräten (10 Prozent).
Wie die Analyse zeigt, machen Automobil-Rückrufe über 70 Prozent der Summe aller analysierten Schäden aus. Dazu tragen Faktoren wie anspruchsvollere Technik, verkürzte Produkttestzeiten, Outsourcing von Forschung und Entwicklung und zunehmender Kostendruck bei. Der technologische Wandel in der Automobilindustrie hin zur elektrischen und autonomen Mobilität wird weitere Rückrufrisiken mit sich bringen. Bei der bis dato grössten Rückrufaktion in der Automobilbranche wegen defekter Takata-Airbags werden wohl 60 bis 70 Millionen Fahrzeuge von mindestens 19 Herstellern weltweit in die Werkstätten zurückgeholt. Die Kosten werden auf fast 21 Milliarden Euro geschätzt. Dieser Fall verdeutlicht den zunehmenden Domino-Effekt, der sich auf den Automobilsektor, aber auch auf andere Branchen auswirkt. Da viele gängige Komponenten von vielen Herstellern gleichzeitig verwendet werden, kann ein einziger Rückruf Auswirkungen auf eine ganze Branche haben.
Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie ist der am zweithäufigsten betroffene Sektor, auf den 16 Prozent der analysierten Verluste entfallen. Die durchschnittlichen Kosten für einen signifikanten Produktrückruf betragen fast 8 Millionen Euro. Nicht deklarierte Allergene (einschliesslich Fehlbeschriftung von Inhaltsstoffen) und Krankheitserreger sind ein grosses Problem, ebenso wie die Kontamination durch Glas-, Kunststoff- und Metallteile. Böswillige Manipulationen und sogar Erpressungsvorfälle stellen eine zunehmende Bedrohung dar. Auch Lebensmittelbetrugsfälle wie der Pferdefleischskandal in Grossbritannien vor vier Jahren treten gehäuft auf und verursachen neben finanziellen Verlusten auch beachtliche Reputationsschäden.
Produkte aus Asien lösen weiterhin eine überproportionale Anzahl von Rückrufaktionen in den USA und Europa aus, was die Verschiebung der globalen Lieferketten nach Osten und die historisch schwächeren Qualitätskontrollen in einigen asiatischen Ländern widerspiegelt. Doch zunehmende Sicherheitsvorschriften und das wachsende Bewusstsein der Konsumenten sorgen dafür, dass die Rückrufaktionen auch in Asien zunehmen.
 

Neue Rückrufauslöser

Der AGCS-Bericht untersucht auch neu auftretende Rückrufauslöser und -risiken, die grösstenteils auf neue Technologien zurückzuführen sind. So können Cyberrückrufe zunehmend Realität werden. Hacker könnten ein Produkt verändern oder kontaminieren, indem sie in automatisierte Produktionsanlagen eindringen und die Steuerung von Maschinen übernehmen. Auch innovative, aber noch kaum getestete Technologien, wie künstliche Intelligenz und Nanotechnologie, könnten das Rückrufrisiko verändern.
Auch Social Media haben ihre Tücken: Zwar erlauben sie eine schnelle und effektive Art der Kommunikation mit Kunden, können aber Rückrufe verschärfen, wenn nicht professionell kommuniziert wird. Ein fehlerhafter Post oder Tweet kann sich direkt auf die Grösse eines Rückrufs auswirken. Nicht zuletzt nehmen auch Rückrufe aus ethischen Gründen zu, wenn beispielsweise Kinder- und Sklavenarbeit in der Lieferkette eingesetzt wurden oder vegane Lebensmittel falsch etikettiert sind oder gar gefälscht. Solche Rückrufe zielen vor allem auf den Schutz der Reputation eines Unternehmens – und sind weniger von Sicherheitserwägungen getrieben.
Vorausschauende Planung und Vorbereitung können einen grossen Einfluss auf die Grösse eines Rückrufs und den finanziellen und Reputationsschaden haben. Als Teil eines ganzheitlichen Risikomanagementkonzepts können spezialisierte Produktrückrufversicherungen Unternehmen dabei unterstützen, sich schneller zu erholen, indem sie die Kosten für einen Rückruf, einschliesslich Betriebsunterbrechung, decken. Solche Versicherungen bieten auch Zugang zu Krisenmanagement-Services und spezialisierten Beratern. Diese prüfen die Verfahren eines Unternehmens und unterstützen bei einer Produktkontamination weltweit bei der Zusammenarbeit mit Behörden, Kommunikation, Rückverfolgung von Produkten, sowie Laboruntersuchungen von kontaminierter Ware einschliesslich Genomsequenzierung und DNA-Tests.