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Rohöl

Der Rohölpreis steigt dank Trump und Aramco

Donald Trumps Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran, wirkt sich auf den Ölpreis aus. Quelle: Chip Somodevilla/Getty Images
Seit Jahresanfang legte der Ölpreis der Sorte WTI markant zu. Hauptgrund für den Preissprung: Donald Trump.
von am

Donald Trump hat bereits in seinem Vorwahlkampf eine Sache klargestellt – wenn er als Präsident gewählt wird, will er das Atomabkommen mit dem Iran aufkündigen. Das Abkommen wurde im Jahr 2015 vom Iran und den UN-Veto-Mächten sowie Deutschland unterzeichnet und sollte den Iran daran hindern, weiter an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten.

Was Trump den Verhandlungsführern, allen voran Barack Obama, vorwirft: Es gibt keine vereinbarten Kontrollen des Irans zur Einhaltung des Abkommens. Zusätzlich erlaubt der Wegfall der Sanktionen dem Iran ungestört mit der EU und anderen Teilen der Welt Handel zu betreiben. So könne der Iran, im Rahmen des ausdrücklich erlaubten Programms zur friedlichen Nutzung der Atomtechnologie, notwendige Bestandteile für eine mögliche Fortführung des Atomwaffenprogramms erwerben.

Irans Ölgeschäft steht auf dem Spiel

Trump ist trotz versuchter Interventionen von Frankreichs Präsident Macron sowie Bundeskanzlerin Merkel einseitig aus dem Atomabkommen ausgeschieden und hat die Sanktionen gegen das Land wieder auf ein Maximum angehoben. Er droht zudem Unternehmen, die weiterhin Handel mit dem Iran betreiben, zu strafen.

Als drittgrösster Produzent der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) spielt der Iran eine wichtige Rolle an den internationalen Rohölmärkten. Durch die erneuten Sanktionen der USA steht eine Fördermenge von 300 bis 500 Tausend Fässern pro Tag auf dem Spiel, die hauptsächlich in die EU exportiert werden. Zwar haben die OPEC Staaten, allen voran Saudi Arabien, bereits angekündigt die möglichen Engpässe auffangen zu wollen.

Saudi Arabien profitiert

Jedoch kommen diese Sanktionen Saudi Arabien gerade recht. Der Börsengang des staatlichen saudi-arabischen Ölkonzerns Aramco könnte noch Ende diesen / Anfang nächsten Jahres bevorstehen. Ein steigender Rohölpreis wäre für dieses Projekt von Vorteil, dürfte es den Börsenwert von Aramco deutlich steigern. Erwartet wird beim weltgrössten Börsengang ein Erlös von knapp 100 Milliarden Dollar für 5 Prozent der Anteile des Konzerns. Das entspricht einer Marktkapitalisierung von knapp 2 Billionen Dollar – ein Geschäft, das sich die Saudis nicht vermiesen lassen wollen.

Seit Trumps Amtsantritt legte der Rohölpreis bereits um mehr als 50 Prozent zu. Die Saudis sehen gar ein Kursziel von 100 Dollar pro Fass für realistisch. Höher sollte der Preis jedoch zunächst nicht steigen, da zum einen in den USA mehr Schiefer-Öl kostendeckend gefördert werden könnte und gleichzeitig global die Bereitschaft für Subventionen für alternative Energien steigen dürfte.

Charttechnisch hat das Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit der Überwindung der wichtigen Widerstände bei 55 Dollar pro Fass und bei 60 Dollar pro Fass den Weg bis in die Zielzone von 80 Dollar pro Fass eröffnet. Sollte auch dieser Widerstand genommen werden, könnte dies einen weiteren Schub in Richtung 90 Dollar und darüber bis auf 100 Dollar pro Fass bedeuten.

Eine weiter wachsende Weltkonjunktur, die wachsenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sowie die Interessen Saudi Arabiens den Aramco Deal vorteilhaft über die Bühne zu bringen, dürften den Aufwärtstrend im Ölpreis weiterhin unterstützen.

*Christos Maloussis ist Market Analyst und Premium Client Manager bei der IG Bank.