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Währungen

Was Italiens Chaos für den Euro-Franken-Kurs bedeutet

Der Euro vor dem Ertrinken? Italiens Regierungschaos bringt Unruhe.
Quelle: Keystone
Die gescheiterte Regierungsbildung in Italien hat an den Börsen für Aufatmen gesorgt. Zumindest kurzfristig.
von am

Das Platzen der Regierungsbildung in Italien ist offenbar eine gute Nachricht, zumindest für Börsianer. Auf die Absage des designierten Ministerpräsidenten Giuseppe Conte folgte freundliche Stimmung zum Auftakt der Handelswoche: Der Dax klettert über 13'000 Punkte, der SMI liegt nach der harzigen Vorwoche am Montagmorgen erkennbar im Plus.

Auch der Euro schöpfte angesichts der wahrscheinlich anstehenden Neuwahlen Kraft und legte gegenüber dem Dollar und dem Franken zu. Immerhin hat Staatspräsident Sergio Mattarella mit seinem Entscheid eine Regierung verhindert, die deutlich Euro-kritisch eingestellt gewesen wäre. Die wahrscheinlichen Neuwahlen verlängerten die politische Unsicherheit zwar gleich um mehrere Monate, sagt Analyst Thomas Altmann von QC Partners gegenüber Reuters. «Dafür werden bis zu den Neuwahlen aber keine politischen Katastrophen passieren. Das reicht für die Börsianer schon aus, um erst mal durchzuatmen.»

Zunehmende Volatilität

Das Abwenden einer Katastrophe ist aber nicht gleichbedeutend mit politischer Stabilität, das ist auch am Euro-Franken-Kurs abzulesen. Nachdem der Franken im April noch die frühere Mindestkursgrenze von 1,20 Franken zum Euro unterschritten hatte, war das Währungspaar am Freitag auf den tiefsten Stand seit März abgesunken. Auch in der Nacht zu Montag hatte der Wechselkurs auf 1,1520 Franken nachgegeben. Gegen 11.30 war auch die Erholung vom Montagmorgen ein Stück weit verpufft, und der Euro hatte auf einen Kurs von unter 1,16 Franken nachgegeben.

«Selbst wenn das unmittelbare Risiko, einen euroskeptischen Finanzminister in Italien zu bekommen, zumindest verschoben wurde, werden die Unsicherheiten die Stimmung in Italien und - in geringerem Masse - in der Euro-Zone auch in den kommenden Monaten belasten», schätzt Holger Schmieding von der Berenberg Bank laut Reuters. Er erwartet, dass sich die politische Ausgangslage in Italien dennoch zuspitzen wird: «Bei Neuwahlen werden die Radikalen wahrscheinlich noch lauter als zuvor gegen das pro-europäische 'Establishment' Italiens und eine angebliche 'deutsche Hegemonie' durch das Regelwerk der gemeinsamen Währung vorgehen.»

Entsprechend sehen einige Analysten den Franken mittelfristig doch vor einer erneuten Stärkephase. John Hardy, der Strategiechef der Saxo Bank, rechnet entsprechend sogar mit einem Eingreifen der Schweizerischen Nationalbank. «Der Euro bleibt gegenüber dem Yen, dem Dollar und dem Franken verletzlich», schreibt Hard in einem Marktkommentar am Montag. «Sollte die Marke von 1,15 Franken erreicht werden, ist denkbar, dass die SNB zunehmend aktiv wird.» Der Druck auf das Währungspaar Euro-Franken bleibe aber in diese Richtung bestehen, solange die Zeichen einer Euro-Krise nicht ausgeräumt seien.

(me)

 

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