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Handelsstreit

Donald Trump, der Öko-Held

Stahlwerk in Benxi, China: Ist es wirklich schlechter, wenn mehr in den USA produziert wird? Quelle: Andreas Habich | Wikimedia Commons
Die amerikanischen Strafzölle sind übel, sagt man. Doch wer an das Weltklima denkt, kann diese Massnahmen von Donald Trump begrüssen.
von am

In Fragen der grossen Wirtschaftspolitik gibt es gemeinhin zwei Gruppen von Menschen. Die einen finden Donald Trumps Strafzölle auf Stahl und Aluminium sowie seine Haltung zum Klimaschutz fatal. Die anderen, sie leben vor allem in den USA, begrüssen die protektionistischen Donnerschläge genauso wie den ökologischen Abbau: Endlich kämpft eine starke Hand für bedrohte Jobs.Aber weder die einen noch die anderen merken, wie widersprüchlich sie sind.
 
Darauf verwies jetzt Alf Hornborg, ein Professor für Ökologie in Lund, Schweden. «Weshalb man nicht Freihandel haben und zugleich den Planeten retten kann», lautete der Titel seines Essays auf der Akademikerplattform «The Conversation». Denn die Tatsache, dass wir hier in Europa oder in Amerika einen grossflächigen ökologischen Fussabdruck hinsetzen können, verdanken wir dem grossflächigen Handel mit fernen Ländern. Und selbst gut gemeinte Abhilfen, etwa Solarpanels, verlangen deftige Sauereien in Staaten wie dem Kongo. Irgendeinmal, so Hornborg, geht die Rechnung einfach nicht mehr auf.

Einen ähnlichen Widerspruch äusserten Mark Schopf und Achim Voss, zwei junge deutsche Wirtschaftswissenschafter. In der «Ökonomenstimme» erinnerten sie daran, dass das Zwei-Grad-Klimaziel von allen eine gewisse Entschleunigung verlangt: Das Konsumwachstum müsste pro Jahr bis zu 0,14 Prozentpunkte tiefer sein – ein Ziel, das durchaus in Griffweite läge. Aber auch mit den Klimaverträgen von Kyoto und Paris haben wir uns ihm nicht angenähert.

Trumps Schranken dürften CO2-Ausstoss dämpfen

Anderseits verschuldet die Produktion von Stahl und Aluminium etwa 10 Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses. Und hier dürften Trumps Schranken bald für allerhand Dämpfer sorgen. Teils wird weniger Stahl aus Fernost in die USA verschifft, teils wird mehr in den USA selber hergestellt, und hinzu kommt, dass die Produktion in Amerika weniger energieintensiv ist als in China.
 
Kurz: Nach der klassischen Lehre machen Zollschranken die wirtschaftlichen Abläufe ineffizienter und teurer. Aber gesamtheitlich betrachtet sieht die Rechnung anders aus. «Zusammengefasst können Zölle auf bestimmte Produkte mit hohem CO2-Gehalt eine Art Second-Best-Politik darstellen, wenn die First-Best-Politik einer globalen CO2-Steuer nicht erreichbar ist», bemerken Schopf und Voss.

Grobschlächtige Argumentation

Es ist eine neckische Vorstellung: Als Donald Trump die Strafzölle auf chinesische Metallprodukte und jetzt auf Stahl aus Kanada, Mexiko und der EU dekretierte – da tat er womöglich mehr fürs Klima als alle Unterzeichner des Protokolls von Paris.
 
Die Argumentation ist natürlich grobschlächtig, aber sie rückt eine gern vergessene Kernfrage ins Licht: Kann man das ökonomische Optimum verlangen und zugleich die Umwelt schonen? Der Handelsstreit dreht sich ausschliesslich um Marktmacht, Preise, Effizienz, ohne die externen Kosten zu beachten – das alte Dilemma. Der alte Widerspruch.

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