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Freie Sicht

Mehr Freiheit für die Bauern

Von offenen Märkten und weniger Subventionen in der Landwirtschaft würden auch die Bauern profitieren. Die Reform müsste nur fair ausgestaltet werden.
von am

Der Nationalrat hat gerade den guten bundesrätlichen Bericht zur Öffnung der Agrarmärkte abgeschmettert. Schade. Denn weiterhin gilt Folgendes:

1. Die Landwirtschaft leistet viel für die Ernährung und Landschaftspflege. Aber: Das würde sie auch bei offeneren Märkten tun. Dann würde fast gleich viel Land wie heute bewirtschaftet, aber durch grössere Betriebe und effizienter, weniger intensiv und oft ökologischer.

2. Die heutige Agrarpolitik ist enorm ­teuer. Die Subventionen kosten den Bund und die Kantone jährlich rund 4,0 Mil­liarden Franken, davon 2,8 Milliarden ­Direktzahlungen. Der Grenzschutz kostet die Abnehmer durch höhere Produzentenpreise weitere 2 Milliarden. Er erschwert es ausländischen Detailhandelsketten, hier als starke Wettbewerber aufzutreten, und er behindert den Abschluss neuer Freihandelsabkommen. Dadurch ist er eine wichtige Ursache für die Preisinsel Schweiz, was die Konsumenten ­weitere Milliarden Franken kostet.

3. Die offizielle Statistik rechnet die Bauern arm. 2015 betrug der «mittlere jähr­liche Arbeitsverdienst pro ganze Fami­lienarbeitskraft» nur 44 570 Franken. Interessant ist die Einkommensverteilung. Der schlechtest verdienende Viertel erwirtschaftete unglaubwürdig tiefe 13 874 Franken. Hingegen verdiente der obere Viertel in der Talregion durchschnittlich 106 035 Franken – mehr als die meisten Subventionszahler. Was diese Zahlen bedeuten, kann man nur erahnen.

4. Das «Bauernsterben» ist weitgehend eine Mär. In keiner anderen Branche ­folgen mehr Kinder beruflich ihren Eltern. Betriebe verschwinden fast nur, wenn ihre Leiter in Pension gehen, keine Nachfolger haben und an andere Bauern verkaufen. 

5. Es gilt, die Landwirtschaftspolitik neu auszurichten. Die Märkte müssen geöffnet und die Direktzahlungen langfristig gesenkt werden und den Bauern ist mehr unternehmerische Freiheit zu gewähren. Das würde auch den Bauern nützen. Direktzahlungen sollten nur für besondere Leistungen fliessen, etwa in der Berglandwirtschaft oder für echte ökologische Zusatzleistungen. 

6. Importerleichterungen und Subven­tionskürzungen würden die Umstrukturierung der Landwirtschaft beschleu­nigen. Betriebsaufgaben drücken auf die Preise für Landwirtschaftsland. Das ­erlaubt es anderen Bauern, ihre Betriebe zu vergrössern und als freiere Unternehmer ebenso gut wie heute zu verdienen. 

7. Entscheidend bleibt, wie der Reformprozess im Detail ausgestaltet wird. Die langfristigen Gewinne für die Konsumenten und Steuerzahler wären sehr viel grösser als die Verluste der Bauern. Folglich könnten jene Bauern, die ihren Betrieb infolge der Reformen aufgeben oder umstellen müssen, grosszügig entschädigt werden. Dafür müssen schnell faire Verfahren entwickelt werden.