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Zölle

Handelskrieg: Trump hat keine Chance gegen Xi Jinping

Donald Trump: Grosse Geste, schnelle Bruchlandung? Quelle: The Washington Post / Getty Images
Donald Trump gibt sich siegesgewiss im drohenden Handelskrieg mit China. Tatsächlich sehen die Chancen der Chinesen deutlich besser aus.
von am

Donald Trump verkündet, dass Handelskriege «gut» seien und «leicht zu gewinnen». Aber wenn er die USA in einen Konflikt mit Xi ­Jinpings China führt, ist nicht mehr als ein Pyrrhussieg zu erwarten. Die Realität ist, dass ein Handelskrieg beiden Volkswirtschaften schaden würde. Was kurzfristig wie ein ­gutes Geschäft für die USA aussieht, könnte langfristig ein besseres für China sein.

Zunächst einmal hat China viele Waffen in seinem Handelsarsenal – und das Land weiss, wie man sie einsetzt. Um nur einige Beispiele zu nennen: China könnte den Kauf von US-Flugzeugen einstellen, ein Embargo für US-Sojaprodukte verhängen oder US-Staatsanleihen und andere Finanzanlagen entsorgen. Chinesische Unternehmen könnten auch ihre Nachfrage nach US-Geschäftsdienstleistungen reduzieren und die Regierung könnte Unternehmen davon überzeugen, keine amerikanischen Waren zu kaufen.

China ist einer der grössten Arbeitgeber Amerikas

Aber das wäre nur der Anfang, wenn ein Handelskrieg ausbrechen würde. China ist auch – indirekt – ­einer der grössten Arbeitgeber Amerikas. Überlegen Sie, was passieren würde, wenn China alle seine Verträge für Verkehrsflugzeuge von Boeing in den USA auf den französischen Airbus umstellen würde. Allein dieser Schritt würde die USA rund 179'000 Arbeitsplätze kosten. Da­rüber hinaus kontrolliert China Schlüsselkomponenten in globalen Lieferketten und Produktionsnetzwerken. Wenn China Sand in die Zahnräder dieser Ketten werfen würde, wären die Störungen global und würden weit mehr als die Möglichkeit der Amerikaner, ein iPhone zu kaufen, beeinträchtigen.

Während die Waffen bekannt sind, ist die Taktik weniger vorhersehbar. Einige Szenarien sind möglich. Da ein eskalierender Handelskrieg mit symmetrischen Importbeschränkungen auf Gegenseitigkeit beruhen würde, würden China und die USA wahrscheinlich Streitigkeiten in bestimmten Sektoren auslösen, wie bei den Zöllen von Trump auf ausländische Stahl­importe. Er könnte auch bilaterale Investitionsströme blockieren, indem er sich auf nationale Sicherheits­bedenken beruft, wie er es getan hat. Und er könnte sogar dazu übergehen, die Käufe der US-Regierung von chinesischen Unternehmen zu stoppen.

Kurzfristig würde ein Handelsgerangel für beide ­Seiten schmerzhafte Einkommens- und Arbeitsplatz­verluste bedeuten. Aber der Nutzen für China könnte schliesslich die unmittelbaren Verluste überwiegen.

China will ohnehin weniger abhängig von Exporten werden

Die chinesischen Behörden arbeiten seit langem an einem Wachstumsmodell, das weniger exportabhängig und stärker vom Inlandverbrauch abhängig ist. Der Schock eines von den USA geführten Handelskrieges könnte China dazu zwingen, sich zu öffnen, Massnahmen aufzuheben, die junge Industrien zu lange schützen, und den Teufelskreis zu durchbrechen, der die Verzerrungen in der Binnenwirtschaft aufrechterhält. Wenn das passiert, könnte sich Trumps Toben als vorausschauend erweisen. Ein Handelskrieg könnte wirklich «gut» sein – nur nicht so, wie er es erwartet.

Keyu Jin ist Professorin für Ökonomie an der London School of Economics und Verwaltungsrätin bei Richemont. Das WEF zählt sie mit ihren 35 Jahren zu den «Young Global Leaders». Keyu Jin konzentriert sich inhaltlich hauptsächlich auf Wirtschaftspolitik und die chinesische Ökonomie.