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Surf-Air-Europachef

«Man muss bereit sein, seine Idee zu optimieren»

Surf-Air-Flieger: Per Montaspauschale so oft fliegen wie man will. Quelle: ZVG
Der Surf-Air-Europachef sagt, warum er die Business-Strecke Zürich-London nicht mehr bedient und welche Alternativen er im Köcher hat.
von am

Surf Air startete mit einem All-you-can-fly-Konzept, bei der man für eine Monatsgebühr so oft fliegt wie man will. Doch Ihre Prestige-Route Zürich-London haben Sie aus dem Programm genommen. Ist Ihr Konzept am Ende?
Simon Talling-Smith: Wir legen eine Pause ein, aber diese Strecke werden wir sicherlich bald wieder bedienen. Wir haben das richtige Geschäftsmodell für diese Strecke noch nicht gefunden, was die Wahl des Flugzeugs und den Flughafen angeht. Es ist aber eine wichtige Business-Strecke und wir spüren ein grosses Kundeninteresse für unser Abo-Modell.

Wie haben die Kunden auf das Aus für Zürich-London reagiert?
Die Mitglieder waren natürlich enttäuscht, als wir London nicht mehr bedienten. Sie wollen von uns wissen, wann es wieder los geht. Denn Menschen, die uns ausprobiert haben, genossen es. Es gibt nämlich einen grossen Vorteil: Zeit sparen. Unsere Mitglieder müssen nur 15 Minuten vor dem Abflug am Flughafen sein und bei der Ankunft sind sie in zwei, drei Minuten schon wieder aus dem Airport raus. Das ist sehr effektiv für Business- und Freizeit-Reisende.

Sie sagten zum Start, Sie bräuchten 30 Kunden in Zürich, damit Ihr Geschäft funktioniert. Wo ist die Herausforderung? Der Flieger zu teuer? Zu wenige Passagiere?
Es geht dabei um das Flugzeug, das wir eingesetzt haben, ein Embraer Phenom 300, und die Kosten der Flughäfen in London. Diese beiden Faktoren bedeuten, dass wir eine sehr grosse Zahl von Mitgliedern bräuchten, damit es profitabel wird. Nun wollen wir ein anderes Geschäftsmodell finden, damit es auch mit einer geringeren Zahl an Abo-Mitgliedern profitabel zu betreiben ist.

Was ist mit den anderen Destinationen ab Zürich?
Wir haben kürzlich neue Routen ab Zürich ins Programm genommen. Wir fliegen von Zürich nach Luxemburg, München, Nizza, Wien und Brüssel. Dabei arbeiten wir mit dem Anbieter Jetclass zusammen. Wir teilen uns die Risiken auf der Kostenseite. Wir können Flieger unterschiedlicher Grösse je nach Nachfrage einsetzen, zum Beispiel vom Typ Cessna Citation.

Simon Talling-Smith: Seit drei Jahren Europachef von Surf Air Quelle: ZVG

Verlieren Sie Ihre Unabhängigkeit durch die Zusammenarbeit mit Jetclass? Immerhin sind Surf-Air-Kunden nun mit Jetclass unterwegs.
Das sehe ich nicht so. Der Vorteil für Surf-Air-Kunden ist, dass ihre Mitgliedschaft nun mehr Flüge ermöglicht.

Ihr Angebot, gemeinsam im Privatjet zu fliegen, ist angesiedelt zwischen den normalen Airlines und den hochexklusiven Businessjet-Angeboten. Gibt es tatsächlich genug Bedarf in dieser Nische?
Es gibt Bedarf für einfachen, effektiven Business-Travel. Es ist ja kein reiner Privatjet, es ist auch nicht zu teuer, man teilt hingegen das Flugzeug mit anderen Mitgliedern. Dieses neue Konzept den Kunden näherzubringen, ist eine Herausforderung. Das dauert eine Weile. Wir sind zudem in fortgeschrittenen Gesprächen mit bedeutsamen Firmenkunden aus der Finanzbranche in Zürich, die grosses Interesse an unserem Angebot haben.

Vor einem Jahr sind Sie in Europa gestartet, waren Sie zu ambitioniert?
Aus Start-up-Sicht kann man nie ambitioniert genug sein. Wir glauben daran, dass es funktioniert. Aber man muss auch bereit sein, seine Idee zu optimieren und zu verändern. Nur wenige Startups erreichen ein starkes Wachstum und Profitabilität mit dem selben Modell, mit dem sie ursprünglich gestartet sind. Die meisten ändern ihr Geschäftsmodell – manchmal mehr, mal weniger. So ist es auch bei Surf Air. Nehmen Sie das Beispiel Zürich: Dort haben wir eine Route geschlossen, aber mehrere neue aufgemacht. Kunden haben also mehr Auswahl. Und wenn London und eventuell noch weitere Ziele hinzukommen, dann wird die Situation noch besser.

Warum offerieren Sie nun neben All-you-can-Fly jetzt auch ein Pay-as-you-fly-Konzept?
Wir haben erkannt, dass beide Konzepte nebeneinander existieren können. Wir haben schnell gemerkt, dass ein Abo-Modell für Vielflieger gut funktioniert. Aber wir waren überrascht, dass es einen Markt mit Menschen gibt, die unsere Idee mögen, aber nicht so viel fliegen, dass sich ein Abo lohnt. Sie fragten: Können wir nicht auch pro Flug zahlen? Also haben wir das nun gemacht.

In den USA gibt es Berichte, dass Surf Air juristischen Ärger hat und Steuerzahlungen ausbleiben. Wie beeinflusst das Ihr Geschäft in Europa?
Dies hat keine Folgen für das Geschäft von Surf Air in Europa. Wir machen weiter wie bisher und ich gehe davon aus, dass die Angelegenheiten in den USA bald vom Tisch sind.