Zankapfel Gebühren – alle Jahre wieder

Bankenombudsman hatte 2017 viel zu tun
Bankenombudsman
Hatte auch 2017 viel zu tun: Marco Franchetti, schweizerischer Bankenombudsman.
Gebühren sowie Vorfälligkeitsentschädigungen bleiben die häufigsten Themen, für die Bankkunden die Schlichtungsstelle anrufen. Der Ombudsman ruft zu Kompromissbereitschaft auf.
by
Margrit Portmann
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Die Arbeit geht Marco Franchetti und seinem Team bei der Bankenombudsstelle nicht aus: So konnten 2017 total 2027 Fälle (Vorjahr 2068) abgeschlossen werden, davon 1202 mündliche und 825 schriftliche Fälle. 38 Prozent der Kunden stammten aus dem Ausland. Die Herkunft der 62 Prozent Schweizer Kunden entspricht in etwa den effektiven Bevölkerungsanteilen der einzelnen Sprachregionen. 77 Prozent der Anfragen und Beschwerden konnten innerhalb von drei Monaten behandelt werden, und in 85 Prozent der Fälle betrug der Streitwert maximal 100 000 Franken.

Klassische Dauerbrenner

Was die Themen der Fälle anbelangt, so sind Beschwerden zu Bankgebühren ein Dauerbrenner. Franchetti: «Dabei ist häufig umstritten, ob Gebühren vertragskonform eingeführt, respektive angepasst worden sind.» Beispielsweise dann, wenn der Kunde die entsprechenden Mitteilungen nicht zur Kenntnis genommen hat und sich die Frage stellt, ob von einer stillschweigenden Zustimmung auszugehen ist. Nach wie vor regelmässig sieht sich der Ombudsman mit Beschwerdefällen zu Vorfälligkeitsentschädigungen bei vorzeitig zurückbezahlten Festhypotheken konfrontiert.

Der Ombudsman will sich für faire Lösungen zugunsten der Kunden und auch im Bereich von Gesetzesänderungen engagieren. Franchetti ruft aber auch zur Vernunft auf, denn «wenn man von den Banken erwarten darf, dass sie ihre Fehler korrigieren, sind auch Kunden aufgefordert, Kompromisse einzugehen». Dafür braucht es die Bereitschaft beider Seiten, im Verlauf der Vermittlungsbemühungen von einer anfänglichen Maximalforderung abzurücken und die vom Bankenombudsman vorgeschlagene Lösung zu akzeptieren.

Nachrichtenlose Vermögen

In seiner Funktion als zentrale Anlaufstelle für die Suche nach nachrichtenlosen Vermögenswerten hat die Bankenombudsstelle im vergangenen Jahr 530 neue Suchanfragen erhalten. Dabei konnte sie Berechtigten insgesamt 40 Kundenbeziehungen oder 10,9 Millionen Franken sowie zwei Schrankfächer zugänglich machen. Seit der Einführung des aktuellen Suchsystems im Jahr 2001 sind die Werte in die Höhe von total 96 Millionen Franken gerückt, zusammen mit dem Inhalt von 53 Schrankfächern.

«Wir machen keine grosse Sache daraus, aber in diesem Jahr kann die Bankenombudsstelle der Schweizer Banken auf ihr 25-jähriges Bestehen zurückblicken», bemerkt Marco Franchetti. Am 1. April 1993 hatte der schweizerische Bankenombudsman seine Tätigkeit aufgenommen, damals mit einem 20-Prozent-Pensum und unterstützt von zwei Mitarbeitenden. Heute kümmert sich ein professionelles neunköpfiges Team von mehrsprachigen Juristen, Ökonomen und Bankfachleuten um die jährlich rund 2000 Fälle und Anfragen, die alle Facetten des Bankgeschäfts umfassen. Franchetti hält fest, dass sich auch nach 25 Jahren an der Aufgabe und am Ziel der Bankenombudsstelle nichts geändert hat. «Wir wollen mit unserer Vermittlertätigkeit langwierige und kostspielige Gerichtsverfahren zwischen Kunde und Bank vermeiden helfen, im Interesse beider Parteien.»