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Handelsstreit

Wer reagiert, verliert

Emmanuel Macron und Angela Merkel: Die beiden Politiker sind mit einem protektionistischen US-Präsidenten konfrontiert. Quelle: Keystone
Die US-Handelspolitik ist so kurios, dass die Chinesen und Europäer leicht dagegenhalten könnten. Sie müssten nur cool bleiben.
von am

Beginnen wir mit ein paar simplen Tatsachen. Erstens: Zölle sind Steuern, die am Ende von den Verbrauchern jenes Landes bezahlt werden müssen, das die Zölle erhebt. Zweitens: Wenn ein Land ein Handels- und Leistungsbilanzdefizit aufweist, dann konsumiert es auf Kosten des Auslands – zumindest in jenem Jahr.

Drittens: Ein iPhone 7 von Apple wird in Shenzen, Südchina, zusammengesetzt und dann zu einem Fabrikpreis von 240 Dollar in die USA eingeführt. Allerdings stecken darin bloss chinesische Leistungen im Wert von 8,50 Dollar. Zugleich finden sich japanische Komponenten für 67 Dollar, taiwanesische Beiträge für 48 Dollar, europäische Vorleistungen für knapp 7 Dollar – und insbeson­dere US-amerikanische Bestandteile im Wert von 69 Dollar.

Macht aber nichts. In der Zollstatistik erscheint das iPhone als Import zu 240 Dollar. Es trägt also in diesem Umfang zum offiziellen Handelsbilanzüberschuss der Volksrepublik China bei, was wiederum Donald Trump ärgert.

Das Vorgehen ergibt wenig Sinn

Zusammen beleuchten diese drei Punkte, wie kurios die US-Handelspolitik derzeit ist. Die Regierung senkt einerseits Gewinnsteuern für Unternehmen, was Präsident Trump als grössten Erfolg seiner Amtszeit anpreist. Anderseits schafft sie neue Zölle – also: Steuern – für die Anwender von Medizinprodukten, Haus- oder Flugzeugtechnik. Eine erste Folge: Die Preise für Waschmaschinen stiegen in den USA in den letzten drei Monaten so stark wie noch nie, seit dies statistisch erfasst wird.

Weiter bezeichnet das Trump-Team die Missverhältnisse im Handel mit den Europäern und den Chinesen als «unfair» (was 2018 offenbar ein ernsthafter Begriff der Wirtschaftspolitik ist) und übertüncht damit, dass es die amerikanischen Konsumenten und Unternehmen sind, welche diese Missverhältnisse durch ihre Käufe und Investitionen massgeblich schaffen. Und es begründet die diagnostizierte «Unfairness» mit Statistiken, die nicht mehr allzu viel zu tun haben mit der Wirklichkeit in der weltweiten Wirtschaft.

Trump hofft auf Zugeständnisse

Nun ist eines sicher: All das weiss man auch im Weissen Haus. Dennoch traten am Freitag vor einer Woche erste Zusatzzölle für chinesische Güter in Kraft, worauf Peking sofort mit eigenen Zöllen wie etwa auf US-Beef und Soja reagierte, worauf der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer am Dienstag eine weitere Zollrunde im Wert von 200 Milliarden ankündigte. Ob das Trump-Team tatsächlich erwartet, auf diese Weise das Handelsbilanzdefizit einzurenken oder Fabriken in Alabama zu schützen?

Wahrscheinlicher scheint, dass es sich von den anderen Staaten schillernde Zugeständnisse irgendwelcher Art erhofft: Damit könnte Trump intern als Held der Tauschrelationen und Retter von Jobs hausieren. Dann aber könnten die Chinesen oder Europäer ihn recht einfach und vor allem rasch ausbremsen: durch Coolness. Nicht blinzeln, nicht darauf eingehen. Und allerhöchstens eine kleine Konzession fürs amerikanische Fernsehpublikum gewähren.