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Devisenmärkte

Renminbi im Sinkflug – aus drei zentralen Gründen

Chinesische Yuan und US-Dollar: Auch wenn der Renminbi stärker gelenkt ist, beeinflusst ihn die aktuelle Dollarstärke. Quelle: Getty Images/Zhang Peng
Der Renminbi sinkt gegenüber dem Dollar, gleichzeitig verschärft sich der Handelsstreit. Das wirft die Frage nach Zusammenhängen auf.
von am

Bereits im US-Präsidentschaftswahlkampf hatte Trump in China und der aus seiner Sicht manipulierten chinesischen Währung ein Feindbild gefunden. Mit dem Aufflammen des Handelsstreites gerät auch der Renminbi stärker in den Blick.
 
Zuletzt erreichte das politische Säbelrasseln zwischen den USA und China mit der Einführung weiterer Zölle am 6. Juli eine neue Eskalationsstufe. Immer mehr Güter auf beiden Seiten geraten in den Sog dieses Handelskonfliktes. Gleichzeitig hat der Renminbi im Vergleich zum US-Dollar seit Mitte Juni rasant an Wert verloren. In Zeiten von Trumps wankelmütiger Handelspolitik ist dies umso brisanter, weil der Renminbi den Marktkräften noch nicht vollumfänglich ausgesetzt ist. Vielmehr legt die chinesische Regierung täglich eine gewisse Spanne fest, innerhalb derer sich der Yuan bewegen darf. Ein schwacher Renminbi stützt die chinesischen Exporte, die durch den Handelsstreit unter Druck kommen. Es stellt sich folglich die Frage, ob die Regierung den Abwärtskurs der chinesischen Währung beeinflusst hat.

Chinas Interesse an einer stabilen Währung

Analyst Daniel Trum von der UBS verneint dies. «China hat ein Interesse an einer stabilen Währung: Die chinesische Nationalbank hat das Ziel, dass die Währung in beide Richtung schwanken darf – allerdings ohne Extreme», erklärt er. Der Analyst betont, dass China seine Währung global etablieren wolle und daher keinerlei Interesse an einer hohen Volatilität der eigenen Währung habe.
 
Ähnlich argumentiert Eddy Loh, Senior Investment Strategist von der Credit Suisse (CS) in Singapur. Es gebe drei relevante übergeordnete Aspekte, welche die leichte Abschwächung des chinesischen Wachstums und die Kursverluste des Renminbi gegenüber dem US-Dollar erklären. Erstens ist China mit veränderten Dynamiken konfrontiert. Das Land bewegt sich bekanntlich weg von der «Werkbank der Welt» hin zu einer modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft, die selbst High-Tech-Produkte herstellt. Dies erfordert Investitionen und bedeutet Wachstumsraten, die nicht mehr ganz so hoch sind. Ausserdem bemüht sich China, das Kreditwachstum einzugrenzen.

Steigender Dollar

Zweitens ist die externe Sicht wichtig: Seit April 2018 wurde der US-Dollar gegenüber vielen asiatischen Währungen immer stärker. Die derzeit brummende US-Wirtschaft sowie die damit einhergehenden Zinssteigerungen durch die amerikanische Notenbank Fed erklären die Stärke der amerikanischen Währung. Drittens haben Chinas Machthaber kein Interesse, dass der Renminbi zu stark schwankt – auch wenn sie den Spielraum für Fluktuationen in den letzten Jahren ein wenig geöffnet haben.
 
Loh bestätigt, dass China langfristig gesehen daran interessiert sei, den Renminbi zu internationalisieren. Daher wolle Peking den Renminbi verstärkt den Marktkräften aussetzen, was eine gewisse höhere Fluktuation erlaubt. Eine Panik und darauffolgenden Kapitalabflüsse, wie dies 2015 an der chinesischen Börse geschah, solle allerdings verhindert werden, betont Loh.

Experten erwarten Rückenwind für den Renminbi

Die Kursverluste des Renminbi seien unter dem Strich ein natürliches Marktphänomen, ebenso wie die aktuellen Kapitalabflüsse aus China in die USA, erklären beide Experten. Eine politisch motivierte Einflussnahme Pekings aufgrund des Handelsstreites sei derzeit nicht erkennbar.
 
Beide Analysten prognostizieren, dass sich der Renminbi in den nächsten Monaten stabilisieren werde. Gemäss Eddy Loh erwartet die CS, dass auch der US-Dollar in der zweiten Hälfte des Jahres 2018 nachgeben wird – was wiederum den Renminbi stärken sollte.