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Devisen

Was ein Handelskrieg für den Franken bedeutet

Franken: Der Franken gilt als Fluchtwährung in Krisenzeiten. Quelle: Eyem/Getty
Der Handelsstreit könnte auf den Frankenkurs durchschlagen. Experten sehen den Franken als verletzliche Währung im Konflikt.
von am

Die Weltwirtschaft steuert vielleicht auf eine Krise zu. Der Handelskonflikt der USA mit China und dem Rest der Welt droht zu eskalieren. Und das könnte Auswirkungen auf den Franken haben. Aus Sicht der Devisenspezialisten der «Danske Bank» gehört er zu den Währungen, die am stärksten unter einem Handelskrieg zu leiden hätten. Die Schweizer Wirtschaft ist stark auf Exporte ausgerichtet und China ist ein wichtiger Handelspartner. Diese Eigenschaften machen den Franken laut den Dänen anfällig auf eine Ausweitung des Streits.

Die Schlussfolgerung der «Danske Bank» überrascht allerdings: Denn aus Sicht der Bank dürfte sich der Franken zum Euro oder Dollar abwerten, falls sich der protektionistische Schlagabtausch verstärkt. Die traditionelle Rolle des Franken als Fluchtwährung in Krisenzeiten käme nicht zum Tragen. In der Regel horten Anleger ihr Geld gerne in der Schweiz, wenn sich die Spannungen in der internationalen Politik und Wirtschaft verstärken.

In einem Handelskrieg wäre diese Regel ausser Kraft gesetzt, glaubt die «Dankse Bank» – dann würden Anleger die Schweiz als offene, mit China verbundene Volkswirtschaft meiden. Währungsräume wie die EU und vor allem die USA wären weniger stark auf den Aussenhandel angewiesen und darum attraktiver, argumentieren die Dänen.

«Sichererer Hafen» Franken: Nach den Urnengängen in Frankreich und Italien hat sich der Franken zum Euro abgewertet, weil die Resultate weniger gravierende politische Auswirkungen hatten als befürchtet. Die grüne Kurve zeigte die Zinsdifferenz zwischen Papieren der deutschen Bundesbank und jener der kriselnden Länder im Euroraum - im Umfeld der Wahlen verlangten Anleger eine höhere «Risikoprämie» für die Titel der Krisenstaaten. Quelle: Bank Vontobel, Datastream

In Krisenzeiten fliesst Geld in die Schweiz

Verliert der Franken in einem ausgewachsenen Handelskrieg wirklich seinen Status als «sicherer Hafen»? Hinter diesem Schluss macht UBS-Devisenspezialist Thomas Flury ein Fragezeichen. Aus seiner Sicht wäre der Franken auch in einem massiven Handelskonflikt eine Fluchtwährung, die sich aufwerten würde. Sogar wenn internationale Anleger die Schweiz dann meiden sollten, würde laut Flury mehr Geld in die Schweiz fliessen. Schweizer Unternehmen führten in Krisenzeiten Kapital zurück, welches in ihren ausländischen Gesellschaften steckt.

Zudem ist der Handel mit China für die Schweiz gar nicht so bedeutend, wie es auf den ersten Blick der Anschein macht. Ein grosser Teil des Schweizer Exportüberschusses mit China machen die Goldverkäufe aus. Sie tauchen nur in den Aussenhandelszahlen auf, weil die Schweiz eine Drehscheibe im Goldhandel ist. «Das beeinflusst unsere Volkswirtschaft äusserst marginal», sagt Flury.

Grafik: Die Schweiz exportiert verhältnismässig viele Waren nach China. Quelle: Statista

In den letzten Jahren ist China für die Schweizer Wirtschaft zwar wichtiger geworden. Der bedeutendste Markt bleibt aber mit Abstand die Europäische Union. Und die Entwicklung in der EU hat denn auch den grössten Einfluss auf den Frankenkurs: Wenn die EU-Wirtschaft weiterhin wächst und politische Krisen im Währungsraum ausbleiben, wird die Europäische Zentralbank wahrscheinlich schon nächstes Jahr die Zinsen anheben. Und sogar wenn es zu einem Handelskrieg kommen sollte, wäre die Schweiz vor allem betroffen, wenn die EU-Wirtschaft deswegen stark leiden würde.

Auch wenn der Handelskonflikt dunkle Erinnerungen an die Frankenstärke weckt – aus heutiger Sicht rechnen die meisten Analysten mit einer weiteren Abwertung des Franken zum Euro. Die Frage, ob der Franken bei einer Eskalation des Streits als «sicherer Hafen» dienen würde, kann im besten Fall offen bleiben.