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Chronologie

Handelsstreit: Weltpolitik auf der Achterbahn

Xi Jinping und Donald Trump: Nach dem Gipfel in China sah es zunächst so aus, als ob der Konflikt abgewendet würde. Quelle: Getty Images
Der Handelsstreit eskaliert rasant, welche Folgen sind zu erwarten? Die wichtigsten Fakten und Analysen im Überblick.
von am

Die chinesische Handelspolitik ist US-Präsident Donald Trump schon lange ein Dorn im Auge, eine Eskalation der Spannungen zwischen den beiden Grossmächten war von Beginn seiner Amtszeit zu befürchten. Dennoch erstaunt im Rückblick, wie das Ausufern der Strafzölle sich innert weniger Monate zu einem weltpolitischen Drama in vielen Akten hochgeschaukelt hat (sehen Sie hier auch unser Dossier zum Thema).

Angesichts der brachialen Rhetorik von Seiten Trumps und mittlerweile heftigeren Gegenschlägen aus China und Europa ist es eine Herausforderung, den Blick über die täglichen Wasserstandmeldungen hinaus zu behalten. Ein Versuch, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, ist dieser Schwerpunkt-Artikel. Er fasst die wichtigsten News, Meinungsbeiträge und Recherchen unserer Autoren zum Thema zusammen. Neue Entwicklungen werden ergänzt.

Pro und Contra

Contra bekommt der US-Präsident häufig von der Handelskommissarin der EU, Cecilia Malmström. Sie ist quasi der europäische Gegenentwurf zu Trump, wie Bastian Heiniger in seinem Porträt schreibt. Gerade im Handelsstreit zeigt Malmström viel Präsenz und lässt nicht locker. Die Schweiz allerdings hat eine andere Haltung: Sie hofft auf ein neues Freihandelsabkommen jenseits des Konfliktes zwischen den USA und China. David Vonplon und Ralph Pöhner haben aufgeschrieben, wie lange diese Zeitfenster noch offen sein dürfte

Von Gewinnern im Handelsstreit zu sprechen wäre gewagt. Blackrock-Chefstratege Martin Lück aber sieht die USA auf jeden Fall besser aufgestellt, im Handelskonflikt mit China langen Atem zu beweisen. «Ich glaube, es wird schlimmer bevor es besser wird», sagt Lück im Gespräch mit Handelszeitungs-Redaktorin Carla Palm. Für die weltgrösste Vermögensverwalterin Blackrock hat das Folgen für ihre Strategie: «Wir sind übergewichtet in US-Aktien, da die USA unserer Meinung nach wegen der Trump-Rhetorik am besten positioniert sind.»

Dass auch China einige Pfunde auf seiner Seite weiss, erläutert China-Experte Arthur Kroeber. Zwar sei China stärker von ihren Exporten in die USA abhängig und nach wie vor auf US-Technologie angewiesen. Aber: «Chinas politische Widerstandsfähigkeit ist dafür grösser. Die Regierung kann die betroffenen Industrien besser unterstützen, wenn der Konflikt China wirtschaftlich schaden sollte», sagter er im Interview mit Handelszeitungs-Redaktor Marc Bürgi.

Donald Trump behauptete Anfang Juli gewohnt selbstbewusst, Handelskriege seien «gut und leicht zu gewinnen». Handelszeitungs-Redaktorin Melanie Loos hat diese These auf den Prüfstand gestellt. Im Austausch mit zahlreichen Experten lautet ihr Fazit: In einem Handelskrieg gibt es keine Gewinner.

Mal anders betrachtet

Mehrfach bellte Donald Trump gegen US-Riesen Apple, weil sie ihre iPhones in China herstellen liessen. Doch wie viel China steckt tatsächlich im iPhone? Chefökonom Ralph Pöhner weiss zu berichten: überraschend wenig. Das zeigen die Analysen von drei Ökonomen von der Universität von Kalifornien: eine kleine Lektion in Globalisierungskunde.

Und noch eine andere ungewöhnliche Perspektive bringt Ralph Pöhner auf: Warum Klimaschützer Donald Trump für seine Politik in gewisser Hinsicht dankbar sein müssten. Donald Trump, der Öko-Held – lesen Sie hier.