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Fiat Chrysler

So wirkte Sergio Marchionne in der Schweiz

Sergio Marchionne in der Schweiz: Beim Genfer Autosalon 2018. Quelle: Keystone .
Das Ende als Fiat-Chrysler-Chef kam unvorhergesehen und abrupt. Seine steile Manager-Karriere nahm ihren Anfang in der Schweiz.
von am

Fiat hat einen neuen Chef. Zu diesem Schritt sah sich die Konzernführung des italienischen Autobauers angesichts des überraschenden Gesundheitszustandes des Top-Managers gezwungen. Am Wochenende wurde bekannt, dass Marchionne aufgrund von unerwarteten Komplikationen infolge einer Schulteroperation seine Arbeit nicht wieder aufnehmen konnte. Am Mittwoch starb der Italo-Kanadier im Spital in Zürich.

Die Nachricht ist ein Schlag für den Konzern, denn Sergio Marchionne gilt als Fiat-Sanierer. Seit 2004 stand er an der Spitze von Fiat. Der italienisch-kanadische Manager rettete den einst angeschlagenen Autokonzern vor dem Bankrott und internationalisierte das Unternehmen durch die Fusion mit Chrysler. Im Frühjar 2019 wäre Marchionne ohnehin von seinem Posten zurückgetreten. Nun wurde der langjährige Manager und Jeep-Chef Mike Manley zu seinem Nachfolger ernannt.

Chefposten in der Schweiz

Auch in der Schweiz hatte der Top-Manager erfolgreich saniert – etwa bei Alusuisse oder Lonza. Den Sprung in die Schweiz machte Marchionne 1997 als CEO von Alusuisse, und zwar nur drei Jahre nachdem der Schweizer Industriekonzern Alusuisse Lonza (Algroup) das kanadische Verpackungsunternehmen Lawson Mardon übernommen hatte, wo der Italo-Kanadier bereits seit einigen Jahren tätig war. 

Nachdem Alusuisse und Alcan zusammengelegt wurden, war er CEO und Präsident der abgespaltenen Lonza. Beim Basler Biotechnologie-Konzern wirkte Marchionne bis zu seinem Wechsel zur Genfer Warenprüfgesellschaft SGS. Das war 2002, seit 2006 ist er Verwaltungsratspräsident bei SGS.

Auch bei der Schweizer Grossbank hatte der Italo-Kanadier ein kürzeres Intermezzo: Von 2007 bis 2009 sass er im Verwaltungsrat der UBS. Die relativ kurze Amtszeit war jedoch prägend, denn er war für die Absetzung von CEO Marcel Rohner und Präsident Peter Kurer bei der damaligen Krisenbank verantwortlich. 

Schweizer Wohnsitz

Die Verbindung zum Fiat-Konzern kam während Marchionnes Zeit bei der SGS: Zu deren Grossaktionären gehörte die Fiat-Gründerfamilie Agnelli. Als Marchionne noch CEO des Genfer Unternehmens war, holte Umberto Agnelli den Italo-Kanadier 2003 in den Verwaltungsrat von Fiat, bevor er ein Jahr später ganz nach Turin wechselte, um den Chefposten zu übernehmen.

Allerdings blieb Marchionne in der Schweiz wohnen und pendelte zuerst zwischen Walchwil am Zugersee bzw. heute Schindellegi und dem Fiat-Hauptsitz Turin.

In Italien geboren wanderte der 14-jährige Marchionne mit seinen Eltern nach Kanada aus. Dort studierte er Philosophie und Jura, bevor er seine Karriere in der Wirtschaft begann.

Auch die Schweizer SGS reagierte bereits: Aufgrund der gesundheitlichen Probleme wurde Marchionne als VR-Präsident durch Peter Kalantzis ersetzt.

Dieser Artikel erschien zuerst am Montag. handelszeitung.ch hat den Text aus aktuellem Anlass noch einmal veröffentlicht.