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Geldpolitik

Die Fed gleist die nächste Zinserhöhung auf

Fed-Chef Jerome Powell: Der Notenbanker bescheinigt der US-Wirtschaft eine gute Form. Quelle: Keystone
Die Zinswende in den USA setzt sich wohl bald fort. Die Notenbank bereitet die Märkte auf einen weiteren Zinsschritt im September vor.
von am

Die US-Notenbank legt eine Zinspause ein und signalisiert den Finanzmärkten eine Erhöhung im September. Die Federal Reserve beliess den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld in der Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. Der Beschluss fiel einstimmig, wie die Währungshüter am Mittwoch nach ihrer zweitägigen Sitzung mitteilten. Dabei zeichneten die Dollar-Wächter um Jerome Powell das Bild einer vor Kraft strotzenden Wirtschaft. An den Finanzmärkten nährten sie damit die Erwartung, dass sie im kommenden Monat ihre Zügel straffen wird.

Die Aussage der Fed, dass die Wirtschaft stark wachse, sei ungewöhnlich, sagte John Herrmann, Zinsstratege beim Bankhaus MUFG Securities in New York. «Somit sind eine Zinserhöhung im September und eine Zinserhöhung im Dezember recht eindeutig.» Die Finanzmärkte reagierten kaum auf den Beschluss. Nach zwei Zinserhöhungen im März und im Juni war an den Finanzmärkten damit gerechnet worden, dass die Fed ihre Füsse stillhält.

US-Wirtschaft in guter Form

Aus Sicht der Notenbank wächst die Wirtschaft weiter kräftig. Die Investitionen würden deutlich zunehmen. Zugleich bescheinigte die Fed dem Arbeitsmarkt Stärke. Der Stellenzuwachs sei in den jüngsten Monaten gross gewesen und die Arbeitslosigkeit niedrig geblieben. Die Arbeitslosenquote lag im Juni bei 4,0 Prozent, was Vollbeschäftigung gleichkommt – eines der erklärten Ziele der Währungshüter. Der Arbeitsmarktbericht für Juli wird am Freitag veröffentlicht.

Im Unterschied zur Europäischen Zentralbank, die noch bis mindestens über den Sommer 2019 hinaus an ihrer Nullzinspolitik festhalten will, hat die Fed ihre Zinszügel bereits seit Ende 2015 in kleinen Schritten angezogen. Damit will sie eine Überhitzung der Konjunktur verhindern.

Kräftigstes Wachstum seit fast vier Jahren

Im Frühjahr war die Wirtschaft so stark gewachsen wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandprodukt stieg zwischen April und Juni mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 4,1 Prozent. Vor allem die Kauflaune der Amerikaner trieb das Wachstum an. Der private Konsum steht für mehr als zwei Drittel der Wirtschaftsleistung. Durch die Steuerreform von Präsident Donald Trump dürfte die Wirtschaft einen zusätzlichen Schub erhalten.

Bei der Inflation achtet die Fed vor allem auf Preisveränderungen bei den persönlichen Ausgaben der Verbraucher, wobei die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelkosten ausgeklammert werden. Sie strebt hier eine Teuerungsrate von zwei Prozent an. Im Juni lag diese Messgrösse den dritten Monat in Folge bei 1,9 Prozent.

Kein Wort zu Trumps Zöllen

In ihrer Mitteilung ging die Notenbank nicht auf die protektionistische Handelspolitik Trumps ein. Notenbankchef Powell hatte kürzlich in seiner halbjährigen Anhörung im Repräsentantenhauses vor einem ausufernden Handelsstreit mit immer neuen Zöllen gewarnt. Trotz des Streits hatte er sich aber zuletzt optimistisch zu den weiteren Konjunkturaussichten geäussert.

(reuters/mbü)