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Börseninterview

«Elon Musk ist ja für ungewöhnliche Aktionen bekannt»

Elon Musk: Der Tesla-Chef liebäugelt mit einem Rückzug von der Börse. Quelle: Kevork Djansezian/Getty Images
Valiant-Experte Renato Flückiger rät von einem Einstieg bei Tesla ab. Und sagt, wieso er die CS-Aktie gegenüber dem UBS-Titel bevorzugt.
von am

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Das makroökonomische Umfeld ist zwar nach wie vor positiv. Wir befinden uns aber in einer spätzyklischen Phase und der Handelskonflikt zwischen den USA einerseits und China und der EU andererseits trübt die Aussichten ein. Ich erwarte somit eine gewisse Wachstumsverlangsamung aber keine Rezession. Die jüngsten Quartalsergebnisse sind mehrheitlich positiv ausgefallen. In den USA ist zwar ein gewisses Enttäuschungspotenzial vorhanden, dagegen werden die positiven Effekte des schwächeren Euro für die europäischen Firmen wohl noch unterschätzt. Zudem verabschieden sich die wichtigsten Zentralbanken endgültig von der langjährigen Nullzinspolitik, wobei die Konsequenzen für die Finanzmärkte nach wie vor schwierig abzuschätzen sind.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die erfreulichen Unternehmensergebnisse für das zweite Quartal 2018 verleihen dem Schweizer Aktienmarkt einen positiven Grundtenor. Insbesondere die defensiven Werte wie Nestlé, Novartis und Roche sind erwacht und unterstützen den heimischen Aktienmarkt. Die Chancen für eine Fortsetzung der Sommerrallye stehen nicht schlecht. Der Leitindex ist nun aus der seit Anfang Februar anhaltenden Seitwärtsspanne zwischen 8500 und 9000 Punkten ausgebrochen und notiert wieder über der 200 Tageslinie. Dies führt in meinen Augen zu einem positiven mittelfristigen Ausblick. Wir rechnen mit einem anhaltenden Aufwärtstrend und haben deshalb den Schweizer Aktienmarkt anlagepolitisch auch übergewichtet.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Die positiven Unternehmensaussichten, die gestiegenen Unternehmensgewinne sowie die vollen Auftragsbücher der Schweizer Unternehmen dürften dem Schweizer Aktienmarkt weiterhin Schwung verleihen. Deshalb traue ich dem SMI in zwölf Monaten einen Anstieg von bis zu 6 Prozent zu. Das würde einem Stand von etwa 9700 Punkten entsprechen.
 

*Renato Flückiger ist seit August 2012 CIO der Bank Valiant in Bern. Zuvor war der Betriebsökonom bei der Grossbank UBS in verschiedenen Funktionen tätig. Renato Flückiger hat an der Fachhochschule in Bern studiert und besitzt zudem das Diplom des Chartered Financial Analyst. Quelle: zvg

Tesla-Chef Elon Musk liebäugelt damit, den Autokonzern von der Börse zu nehmen. Sollten Anleger Tesla-Aktien jetzt meiden?
Elon Musk ist ja für ungewöhnliche Aktionen bekannt und seine Aussagen lassen natürlich viel Raum für Spekulation zu. Grundsätzlich braucht es dafür aber den Beschluss der Generalversammlung und eine gesicherte Finanzierung. Schliesslich wird Tesla bei seinem Kursziel von 420 Dollar auf insgesamt rund 72 Milliarden Dollar bewertet. Ein solches Schwergewicht wurde noch nie zuvor von der Börse geholt. Ich kann die Beweggründe durchaus nachvollziehen, denn die Börsennotierung bedingt eine Quartalsberichterstattung samt Ad-hoc-Pflicht und ringt damit dem Unternehmen kurzfristige Massnahmen ab. Wir haben Tesla zwar nie zum Kauf empfohlen, wer jedoch nach dem fulminanten Anstieg über einen schönen Buchgewinn verfügt, darf diesen durchaus realisieren. Aufgrund des hohen Spekulationsgehalts würde ich von einem Neuengagement absehen.

Die Halbjahreszahlen der UBS und der Credit Suisse sind bei Anlegern gut angekommen. Welcher der beiden Bankaktien trauen Sie eine stärkere Entwicklung im zweiten Halbjahr zu?
Wir haben eine leichte Präferenz für Credit Suisse. Auf Stufe Kurs/Buchwert ist die CS-Aktie günstiger und die Bank hat im Gegensatz zu ihrer Konkurrentin UBS ihre eigene Reorganisation noch nicht abgeschlossen. Die internen Veränderungen haben das Ziel, die operativen Kosten zu senken und gleichzeitig die Ertragskraft nachhaltig zu erhöhen. Die Kostensenkungen werden die Erfolgsrechnung des 3. und 4. Quartals weiter entlasten. Die Stärkung der Vermögensverwaltung zeigte zudem bereits ein höheres Ertragswachstum.

«Ich gehe derzeit nicht von einem weiteren Anstieg des Ölpreises aus»

Die neuen US-Sanktionen gegen den Iran treiben den Ölpreis nach oben. Wird der Preis für den Rohstoff weiter steigen?
Ich gehe derzeit nicht von einem weiteren Anstieg des Ölpreises aus, denn er ist in den vergangenen 12 Monaten bereits um 40 Prozent in die Höhe geschossen. Einerseits ist aus meiner Sicht momentan noch nicht klar, ob die US-Sanktionen gegen Iran beim Erdöl im November überhaupt in Kraft treten werden. Andererseits deutet ein Blick auf die weltweite Erdölproduktion auf eine weitere Ausweitung hin. Die OPEC-Staaten werden ihre Produktion in den kommenden Monaten erhöhen und auch die USA weiten das Angebot aus. Ich rechne deshalb nicht mit einem weiteren Preisanstieg aus. Im Gegenteil, eine gewisse Abwärtskorrektur würde mich nicht überraschen.

Gold kostet so wenig wie seit März 2017 nicht mehr. Welche Gründe sehen Sie für den tiefen Preis des Edelmetalls?
Der Preisrückgang dürfte vor allem mit dem stärkeren US-Dollar und den steigenden Zinsen in den USA begründet sein. Zudem haben sich Hedge Funds gegen Gold verschworen: Ihre Short-Positionen, also Leerverkäufe, sind an den Warenterminbörsen auf ein neues Allzeithoch angestiegen. Erstaunlich ist zudem, dass der Goldpreis auf die aktuellen politischen und geopolitischen Risikofaktoren überhaupt keine Reaktion zeigt. Ich sehe das aktuelle Preisniveau als attraktiv an und wir haben unser Engagement in Gold kürzlich erhöht.

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