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Luftfahrt

Zehn Erkenntnisse aus der Air-Berlin-Pleite

Air-Berlin-Flieger Quelle: Keystone
Vor einem Jahr meldete Air Berlin Insolvenz an. Wer hat davon profitiert? Wo sind die alten Flieger? Und was macht der Ex-Chef?
von am

Am 15. August 2017 kam der Paukenschlag: Air Berlin meldet Insolvenz an. Bis dahin war Air Berlin nicht nur die zweitgrösste Airline in Deutschland, sondern auch am grössten Flughafen der Schweiz, in Zürich, die Nummer zwei hinter der Swiss. Jahrelang hatte die Air Berlin Verluste angehäuft, doch anders als zuvor war der grösste Einzelaktionär Etihad nicht mehr bereit, Geld in das Unternehmen einzuschiessen.

Das Verschwinden von Air Berlin aus dem Aviatik-Markt im vergangenen Jahr ist eine der grössten Veränderungen in der europäischen Luftfahrt. Die Folgen sind immer noch spürbar. Was hat sich mit der Insolvenz verändert? Wer sind die Gewinner und Verlierer dieses Prozesses?

1. Wer hat profitiert?

Lufthansa- und Swiss-Flieger Quelle: Keystone

Die Lufthansa-Gruppe (zu der auch Swiss und Edelweiss gehören) hat vom Verschwinden des Konkurrenten Air Berlin profitiert und ihr Angebot (etwa bei Eurowings)  ausbauen können. Allerdings lief es bereits vor dem Air-Berlin-Ende für den Lufthansa-Konzern gut. So erzielte die Lufthansa-Gruppe im Jahr 2017 das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte.

Auch andere Anbieter haben sich einen Teil des ehemaligen Air-Berlin-Geschäfts gesichert und profitiert, indem sie Flieger sowie Start- und Landerechte an den Flughäfen erhielten. Das sind allen voran Easyjet sowie Niki Lauda. Bei Laudas Laudamotion ist mittlerweile Ryanair eingestiegen, mit dem Ziel Laudamotion zu übernehmen.

Für die Machtverteilung in der Schweiz gilt: Am Flughafen Zürich, dem grössten Airport des Landes, war Air Berlin hinter Swiss stets der zweitgrösste Anbieter. Swiss ist nun gestärkt auf Platz eins, Nummer zwei ist Edelweiss.

2. Wer hat verloren?

Air-Berlin-Schalter Quelle: Keystone

Verloren haben Air-Berlin-Kunden, die auf ihren ungültigen Flugtickets sitzen geblieben sind. Der Insolvenzverwalter für Air Berlin schätzt, dass es mehr als eine Million Air-Berlin-Gläubiger gibt. Unklar ist, wie hoch die Verbindlichkeiten von Air Berlin sind. Die Aufarbeitung der Pleite wird noch Jahre dauern.

3. Haben die ehemaligen Angestellten von Air Berlin wieder einen Job?

Air-Berlin-Flugbegleiterin Quelle: Keystone

Air Berlin hatte rund 8000 Angestellte vor der Insolvenz. Viele von ihnen haben mittlerweile wieder eine Anstellung, zumal andere Airlines stark ausbauen und im grossen Stil Piloten und Flugbegleiter suchen. Allerdings beklagen Gewerkschafter in Deutschland, dass viele Ex-Air-Berlin-Angestellte sich finanziell verschlechtert hätten, weil sie im neuen Beruf weniger verdienen - oder noch gar keine neue Stelle gefunden haben.

4. Ist Fliegen teurer geworden?

Flughafen Düsseldorf Quelle: Keystone

Weniger Konkurrenz bedeutet in der Regel höhere Preise. Wenn ein grosser Anbieter wie Air Berlin verschwindet, können andere Anbieter dies zur Durchsetzung höherer Preise nutzen. Tatsächlich waren nach dem Ende von Air Berlin die Preise für manche Routen gestiegen, vor allem auf innerdeutschen Verbindungen. Das hat damit zu tun, dass plötzlich das Angebot stark verknappt wurde, weil Air-Berlin-Kapazitäten nicht mehr verfügbar waren. Mittlerweile haben Unternehmen wie Easyjet, Ryanair, und die Lufthansa ihr Angebot stark erhöht. Dies führte dazu, dass die Preise im Durchschnitt gesunken sind. Dies muss allerdings nicht für Monopolstrecken gelten - also Strecken, auf denen es nur einen Anbieter gibt. So wird zum Beispiel die Strecke Zürich-Düsseldorf nach der Air-Berlin-Pleite nur noch von der Lufthansa-Gruppe bedient.

5. Wo sind die früheren Air-Berlin-Maschinen  im Einsatz?

Easyjet-Flieger Quelle: Keystone

Die Lufthansa-Gruppe übernahm (vor allem für ihr Eurowings-Angebot) die meisten der ehemaligen Air-Berlin-Flieger. Ebenso haben Easyjet, aber auch Edelweiss,  ehemalige Air-Berlin-Maschinen übernommen. Der Flugbetrieb für Air-Berlin-Flieger war nicht sofort im August 2017 eingestellt worden. Der letzte Air-Berlin-Flug fand am 27. Oktober 2017 statt. Danach flogen Crews allerdings noch bis Ende Dezember 2017 im so genannten Wet-Lease-Verfahren für Eurowings weiter, dabei werden Maschinen und Personal vermietet.

6. Was haben die jüngsten Flugausfälle und Verspätungen mit Air Berlin zu tun?

Wartende Passsagiere Quelle: Keystone

In den vergangenen Wochen hat es ungewöhnlich viel Chaos in Europas Luftverkehr gegeben, Flüge fielen aus oder waren deutlich verspätet. Das hat zum einen mit dem gestiegenen Reisebedarf der Kunden sowie Streiks von Fluglotsen zu tun. Doch zur Wahrheit gehört ebenso, dass diejenigen Firmen, die Teile von Air Berlin übernommen haben, immer noch mit der Integration beschäftigt sind. Diese Prozesse (neue Routen, neue Flugpläne) verlaufen nicht ohne Probleme. Die Folge sind verärgerte Passagiere und Zusatzkosten für die Airlines.

7. War es nötig, dass der Staat einen Kredit gibt?

Air-Berlin-Insolvenzverwalter Lucas Flöther Quelle: Keystone

Die deutsche Regierung gab Air Berlin am Ende einen Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro. Ziel war, dass die Fluggesellschaft nicht abrupt am Boden landet. So sollte der Verkaufsprozess nicht gestört werden. Ausserdem standen Bundestagswahlen in Deutschland an. Das Argument der Politik: Die Wähler dürften nicht in den Ferien stranden und die Wahl verpassen. Doch die Frage bleibt: Warum muss der Staat überhaupt eine kriselnde Airline retten? Weiterhin unklar ist, wie teuer diese Hilfe am Ende sein wird: Mit Hilfe der Air-Berlin-Verkaufserlöse wurden rund 75 Millionen Euro des Kredits zurückgezahlt. Allerdings rechnet Air-Berlin-Insolvenzverwalter Lucas Flöther damit, dass die Bundesregierung sogar auf eine komplette Rückzahlung 150-Millionen-Euro-Kredits (ohne Zinsen allerdings) hoffen kann. Dies werde aber  Jahre dauern.

8. Wer ist Schuld an der Misere?

Etihad-Manager James Hogan Quelle: Keystone

Viele in der Branche machen die Managementfehler der Air-Berlin-Führungsriege für das Scheitern verantwortlich. Über Jahre hinweg erzielte Air Berlin keinen Gewinn. Unklar blieb lange, welche Strategie Air Berlin genau verfolge und wie sich die Airline von Lufthansa unterscheide. Hinzu kam der starke Wettbewerbsdruck durch die Billigflieger. Auch die Strategie von Air-Berlin-Grossaktionär Etihad war nicht von Erfolg gekrönt. Die Einsicht der Golfairline, nicht noch mehr Geld an Air Berlin zu überweisen und das Unternehmen so zu stützen, führte dazu, dass Air Berlin plötzlich Insolvenz anmeldete. Die grossen Probleme bei Air Berlin hatten zur Folge, dass auch Etihad-Chef James Hogan seinen Posten räumen musste.

9. Was macht der frühere Air-Berlin-Chef?

Thomas Winkelmann Quelle: Keystone

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann war Lufthansa-Manager, bevor er im Februar 2017 Chef von Air Berlin wurde. Eigentlich hatte er einen Vertrag, um bis zum Jahr 2021 bei Air Berlin zu bleiben – und sollte ursprünglich trotz der Pleite bis dahin sein Gehalt bekommen. Nun soll er Ende dieses Jahres ausscheiden und verzichtet auf einen Teil seines Salärs. Seit Anfang August leitet er in einem Teiljob den Beirat des Logistikunternehmens Zeitfracht. Die Firma hatte ebenfalls Teile von Air Berlin übernommen. Unmut gab es bei vielen ehemaligen Air-Berlin-Mitarbeitern, weil Winkelmann trotz der Krise finanziell gut dasteht, während seine ehemaligen Mitarbeiter kein Gehalt mehr erhielten.

10. Was ist aus den begehrten Schokoherzen geworden, die an Bord verschenkt wurden?

Schokoherzen Quelle: Keystone

Ein begehrtes Gut an Bord der Air-Berlin-Flieger waren die Schokoladenherzen, die nach der Landung an Passagiere verteilt wurden. Nach der Insolvenz blieb Hersteller Lindt & Sprüngli erstmal auf einem grossen Berg von Schokoladenherzen sitzen. Die Ware wurde dann in Shops zum Verkauf offeriert. Bei Auktionsplattformen im Internet wurden zudem viele Herzen zu astronomisch hohen Preisen angeboten. Mittlerweile hat sich dieser Hype längst wieder beruhigt und die Herzen sind wieder für ein paar Franken zu haben.