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Tesla

Elon Musk: «Das schwierigste und schmerzhafteste Jahr»

Elon Musk: Sorgte vergangene Woche einmal mehr mit einem Tweet für Furore. Quelle: Getty Images North America
In einem Interview spricht Tesla-Chef Elon Musk überraschend offen. Und erzählt, wie ihm die massive Arbeitsbelastung zusetzt.
von am

Als hätte Tesla-Chef Elon Musk nicht genug Sorgen und Ärger. Mit seinem verhängnisvollen Tweet von letzter Woche, dass er gedenke, Tesla von der Börse zu nehmen, hat er beides verstärkt. Nächste Woche wird er sich voraussichtlich mit Behörden der US-Börsenaufsicht SEC treffen und sich verantworten müssen. Nun drückt er auf die Tränendrüse.

In einem einstündigen Interview mit der « New York Times» spricht er überraschend offen über sein momentanes Befinden. Und erklärt, wie es zu dem Tweet kam: Er sei zuhause neben seiner Freundin, der Musikerin bekannt als Grimes, aufgewacht, machte dann ein Training und fuhr mit seinem Tesla Model S zum Flughafen. Auf dem Weg setzte er den Tweet ab. Er habe damit Transparenz vermitteln wollen. Den Tweet bereue er allerdings nicht. Auch wenn ihm bereits Mitglieder des Boards rieten, weniger zu twittern und sich mehr aufs Autobauen zu fokussieren.

Danach stieg Musk in seinen Privatjet und flog nach Nevada, wo er die Gigafactory, Teslas-Batteriefabrik, besuchte. Indessen schnellte die Tesla-Aktie aufgrund des Tweets um 7 Prozent hoch und die Nasdaq-Börse stoppte den Handel. Und Tesla veröffentlichte einen Brief von Musk an die Mitarbeiter, indem er die Gründe für eine mögliche Privatisierung erläuterte. Am Abend flog er weiter nach San Francisco für ein Meeting, das bis spät in die Nacht dauerte.

Keine Feier am Geburtstag

Im Interview spricht er auch über sein Privatleben, das durch die hohe Arbeitsbelastung leidet. «Dieses Jahr war das schwierigste und schmerzhafteste meiner Karriere», sagt er. So verbrachte Musk im Juni seinen 47. Geburtstag die vollen 24 Stunden im Tesla-Büro – um die hohen Produktionsziele des Tesla Model 3 zu erreichen. «Die ganze Nacht – keine Freunde, nichts», sagt er um die Worte ringend.

Zwei Tage später sollte er Trauzeuge an der Hochzeit seines Bruders Kimbal in Katalonien sein. Musk flog direkt von der Tesla-Fabrik zur Hochzeit und kam nur zwei Stunden vor der Zeremonie an. Danach stieg er direkt wieder ins Flugzeug und kehrte zum Tesla-Hauptquartier in Palo Alto zurück.

Im Mai wurde bekannt, dass die Musikerin Grimes und Musk ein Paar sind. Quelle: Getty Images

Auf die Frage, ob die Erschöpfung seine körperliche Gesundheit beeinträchtige, antwortete Musk: Es sei nicht gerade toll. Es kämen Freunde zu ihm, die ernsthaft besorgt seien.

Laut «New York Times» sucht Tesla offenbar eine Nummer Zwei. Sie soll etwas Druck von Musk nehmen. Musk jedoch widerspricht dem im Interview. Doch einige Vorstandsmitglieder sollen besorgt sein: Nicht nur über Musks Arbeitsbelastung, sondern auch wegen seines Gebrauchs von Schlafmitteln. Im Interview sagt Musk, dass er zuletzt wöchentlich bis zu 120 Stunden arbeite. «Es ist oft eine Wahl zwischen keinem Schlaf oder Schlafmitteln.» Seit 2001 habe er sich nie mehr als eine Woche frei genommen.

«Es gab Zeiten, in denen ich die Fabrik für drei oder vier Tage nicht verlassen habe – Tage, an denen ich nicht nach draussen gegangen bin», sagte er. Besonders setzten ihm jene Investoren zu, die auf eine sinkende Tesla-Aktie wetten. Musk spricht von «extremer Folter» – dass die Leerverkäufer auf Teslas Zerstörung hofften.

Und doch: Musk will nicht kürzer treten und seine Doppelrolle als Tesla-Chef und VR-Präsident beibehalten. Am Schluss des Interviews sagt er: «Wenn Sie jemanden haben, der einen besseren Job machen kann, lassen Sie es mich bitte wissen.»