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Karrierenetzwerke

Xing führt neues Jahresabo für 4000 Franken ein

Xing setzt auf zahlungskräftige Kunden Quelle: Brigitta Lopez
Das Karrierenetzwerk lanciert in der Schweiz ein Luxus-Abo, das mehrere tausend Franken kostet. Anmelden dürfen sich aber nur Spitzenmanager.
von am

Bis heute sind die Kosten für die Profile in Karrierenetzwerken überschaubar. Die allermeisten Nutzer haben ein Gratisprofil auf Linkedin oder Xing. Die Premiummitgliedschaften bei den grösseren Netzwerken kosten zwischen 12 und 60 Franken pro Jahr. Xing zündet jetzt eine neue Stufe beim Pricing der Karrierenetzwerke. In dieser Woche startet in der Schweiz ein Programm, für das Mitglieder 3990 Franken pro Jahr hinblättern müssen.

Das Programm nennt sich Xing Executives Circle und richtet sich ausschliesslich an Manager mit Führungserfahrung und grosser Budgetverantwortung. Im Gegenzug ­bekommen die Xing-Mitglieder, die so
viel Geld für ihr Profil zahlen wollen, Zugang zu einer geschlossenen Online-Gruppe. Zudem treffen sich die Mitglieder fünfmal pro Jahr an einem exklusiven ­Anlass mit maximal 15 anderen Managern. Am 5. September trifft sich die erste Gruppe Schweizer Xing-Nobelkunden im Dolder Grand Hotel in Zürich.

Xing setzt auf die Gated Community

Wird Xing jetzt zu teuer für Normalnutzer? Entwickelt sich das Netzwerk zum Reichen-Netzwerk à la A Small World? Für Yves Schneuwly, Geschäftsführer von Xing Schweiz, ist das Angebot nur als ergänzendes Angebot für Top-Führungskräfte zu verstehen. «Die Teilnehmer lernen vom Wissen und der Erfahrung der anderen Circle-Teilnehmer und können dieses Wissen nutzen, um die Heraus­forderungen ihres beruflichen Alltags besser zu meistern.»

Im eigenen Unternehmen sei das oft schwierig, weil man sich unter Firmen­kollegen keine Blösse geben wolle: «Xing Executives Circle trägt der Tatsache Rechnung, dass ein Austausch unter Führungskräften im eigenen Unternehmen oft schwer zu realisieren ist.» Das oberste ­Gebot des Circle sei «absolute Vertraulichkeit». Die Circle-Mitglieder sollen sich ­gegenseitig beraten, coachen und mit der Zeit zu einem eingeschworenen Grüppchen werden, das sich auch nach Jahren noch unterstützen kann.

Elite-Strategie der Netzwerke

Für Xing geht es natürlich nicht nur um das Vertrauensverhältnis unter den Mitgliedern, sondern auch um Geld. Die Nobel-Abos sollen eine deutliche Umsatzsteigerung bewirken Ein 15-köpfiges Managergrüppchen könnte jährlich 60 000 Franken Umsatz generieren. Die Xing-Verantwortlichen gehen davon aus, dass sich in der Schweiz viele solcher Elitegruppen unter der Million Mitglieder, die es hierzulande gibt, bilden werden. In Deutschland und Österreich sind bereits 13 solcher Gruppen aktiv.

Ziel von Xing ist es, in der Schweiz in fast allen Städten Circles einzurichten. Zudem ist das Angebot wohl auch eine Reaktion auf das flexiblere Pricing von Linkedin, das Personalern, Vertrieblern und Normalnutzern unterschiedliche Summen abnimmt. Der Vorstoss von Xing dürfte aber nur die erste Stufe einer Elite-Strategie aller grossen Karrierenetzwerke sein. Die Hunderttausenden Profile, die das Angebot gratis nutzen, sind zwar schön für die Reichweite und Verankerung des Netzwerks, Hochpreismodelle will man aber auf keinen Fall der kleineren Konkurrenz überlassen.

Zwar hat es bisher noch kein kleineres Karrierenetzwerk geschafft, eine massenhafte Zahl an Usern an sich zu binden, aber es gab viele Versuche. Seiten wie The Marque, Eleqt, oder The League fordern zum Teil Gebühren zwischen 1000 und 4000 Franken und versprechen den Nutzern, vom Normal-User abgeschottet mit Kolleginnen und Kollegen auf Augenhöhe netzwerken zu können. Solange ­keines dieser Netzwerke in der Schweiz dominant ist, besteht die Chance etwa für Xing, das Segment abzudecken.