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Öl-Sanktionen

Iran will Milliarden-Deal mit Vitol retten

Ölförderung: Die US-Regierung will dem Iran den Hahn abdrehen.
Quelle: Keystone .
Mehr und mehr internationale Unternehmen ziehen sich aus dem Iran zurück. Das Land ringt um seine wichtigste Einnahmequelle.
von am

Wegen der US-Sanktionen gegen Iran kappen immer mehr Unternehmen ihre Geschäftsverbindungen in das Land. Derzeit verhandelt Irans staatlicher Ölkonzern mit dem Schweizer Ölhändler Vitol über eine Vereinbarung in Höhe von 1 Milliarde Dollar. Denn im November treten weitere US-Sanktionen in Kraft, die neben dem Finanz- insbesondere den Ölsektor betreffen.

Nach Informationen des «Wall Street Journal» versucht die National Iranian Oil Company (NIOC), einen Vertrag aus dem Jahr 2016 mit Vitol zu verlängern. Der Schweizer Ölhändler finanziert 1 Milliarde Dollar für künftige Öllieferungen vor.

Andere internationale Ölfirmen haben sich bereits aus Projekten im Iran zurückgezogen oder dies angekündigt. Denn ab November treffen die US-Sanktionen auch das Öl-Geschäft, wenn die zweite Phase der Strafmassnahmen insbesondere gegen den iranischen Finanz- und Energiesektor wirksam werden. Iran befürchtet, dass seine Ölexporte – die wichtigste Einnahmequelle des Landes – um ein Drittel einbrechen.

Zwar soll Vitol zur Zeit noch an dem Vertrag mit dem Iran festhalten. Doch Insidern zufolge werde der Konzern den Vertrag beenden, sobald die US-Sanktionen gegen den Ölhandel mit dem Iran wirksam werden. Eine Sprecherin des Unternehmens sagt auf Anfrage der «Handelszeitung», Vitol halte sich an alle «relevanten» internationalen Sanktionen und Vorschriften. Zu laufenden Kundenbeziehungen gebe das Unternehmen allerdings keine Auskünfte. Damit bekräftigt das Unternehmen seine Haltung von Anfang August.

Ob Vitol auf die iranischen Bemühungen eingeht, ist daher unklar. Trotz Unternehmenssitzen in Genf und in Rotterdam sieht sich Vitol in erster Linie als globales Unternehmen, das stark mit den USA verbunden ist. In der texanischen Öl-Hochburg Houston hat es seinen grössten Standort was die Mitarbeiterzahl angeht.

Finanzkanäle offen halten

Zudem wies die Unternehmenssprecherin auf die Schwierigkeiten hin, die eine weitere Geschäftstätigkeit im Iran mit sich brächte: Viele Projekte scheiterten ohnehin schon an der Finanzierung, da internationale Banken einschliesslich der Schweizer Grossbanken sehr skeptisch gegenüber Geschäften mit dem Iran sind. Auf europäischer Ebene wird derzeit geprüft, wie die Finanzkanäle für Iran-Geschäfte offen gehalten werden können, um das Atom-Abkommen aufrechtzuerhalten.

Bereits im Mai sagte Vitol-Chef Ian Taylor, dass die meisten Ölfirmen wohl nicht um die US-Sanktionen herumkommen würden. Damals hatte sich die US-Regierung aus dem Atomabkommen mit dem Iran von 2015 zurückgezogen und die erste Phase der Sanktionen gegen die Islamische Republik verhängt. Gleichzeitig machte US-Präsident Trump deutlich, dass jedem, der mit dem Iran Geschäfte mache, eine Geschäftstätigkeit in den USA verwehrt werde. Wegen der weit grösseren Bedeutung des amerikanischen Marktes ziehen sich daher zahlreiche Unternehmen aus dem Iran zurück.

EU will europäische Unternehmen schützen

Die Drohung der USA ist in Europa scharf kritisiert worden. Die Europäische Union will europäische Unternehmen vor den Auswirkungen der US-Sanktionen schützen. Für einige Firmen ist das jedoch vor allem Symbolpolitik. Denn wenn sie den Zugang zum US-Markt nicht verlieren wollen, müssen sie sich Wohl oder Übel aus dem Iran zurückziehen – teilweise drohen Milliardenverluste. Wie etwa im Fall des französischen Ölkonzerns Total, der kürzlich einen 5 Milliarden Dollar schweren Erdgasdeal mit Iran beendete. 

Auch die Schweiz hatte sich dafür ausgesprochen, die wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran aufrechtzuerhalten. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild: Der Handel mit dem Iran geht stark zurück – Experten rechnen mit einem Einbruch der Exporte von knapp 20 Prozent in diesem Jahr.