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Geschäftsmodell

Bewährtes Prinzip im Wandel

Blick auf Wachstumsmärkte: Das Asset Management konzentriert sich auf ausgewählte aktive Anlagestrategien. Quelle: Jannis Chavakis/13Photo
Seit der Finanzkrise haben sich die Parameter im Private Banking gewandelt. Wie der Bankenplatz Schweiz die Position halten kann.
von am

Der Finanzplatz der vergleichsweise kleinen Schweiz ist von grosser Bedeutung: 25 Prozent der grenzüberschreitend investierten Vermögen sind unseren Banken anvertraut. Damit
ist die Schweiz weltweit die Nummer eins im Private Banking. Die Banken tragen fast 5 Prozent zur Schweizer Wertschöpfung bei und kommen für über 7 Prozent der Steuern auf. Ist hier noch Luft nach oben möglich oder weht dem Finanzplatz zukünftig ein kühlerer Wind entgegen?

Vertrauen und Sicherheit sind zentral

Die Bedenken kommen nicht von ungefähr. Seit der Finanzkrise 2008 haben sich etliche Parameter verändert: Gesetze, Technologien, Börsen.

Die Regulierungen haben erheblich ­zugenommen und der jüngste Global Financial Centres Index besorgt die Gemüter: Zürich und Genf sind zurückgefallen, während London, New York und Hongkong an der Spitze bleiben. Der Indikator zeigt, dass sich der Wettbewerb weiter ­intensiviert. Trotz Trendwende in der ­Finanzbranche sprechen letztlich mehrere Gründe für das Schweizer Private Banking.

Nachdem sich die Rahmenbedingungen für Banken verschärft haben, stehen die Schweizer Banken mit ihren Eigen­kapitalquoten international hervorragend da. Sie sind äusserst solide, was ein starkes Argument im Kundengespräch ist.

Gleichzeitig sind die Kontroll- und Compliance-Aufgaben aufwendiger geworden. Die Behörden sollten nun darauf achten, dass sie die internationalen Standards nicht durch einen übertrieben restriktiven « Swiss Finish» umsetzen.

Auch der technische Fortschritt fordert Banken heraus – aber anders als von IT-Vertretern erwartet. Vor einem Vierteljahrhundert verkündete Bill Gates, dass sich Bankgeschäfte ohne Banken abwickeln liessen. In jüngerer Zeit kur­sierte die Meinung, Fintech-Unternehmen könnten Banken verdrängen. Beide Szenarien haben sich als Trugschluss erwiesen. Wenn es ums Geld geht, stehen nach wie vor Vertrauen und Sicherheit
im Vordergrund, nicht technische Platt­formen.

Privatanleger können sich kaum noch im Alleingang positionieren.

Digitalisierungsgewinne für Kunden

Es steht dennoch ausser Frage, dass Banken gezwungen sind, wettbewerbs­fähig zu bleiben und die Chancen der Digitalisierung konsequent zu nutzen. Es gilt, alle Teile der Wertschöpfungskette neu zu durchdenken und die Prozesse entlang
der sich ändernden Kundenbedürfnisse zu optimieren. Mehr Informationen als je zuvor lassen sich auswerten. Und Kunden können Bankgeschäfte über digitale Ka­näle jederzeit und überall abwickeln.

Sind durch die permanente Verfügbarkeit per Knopfdruck Kundenge­spräche ein Auslaufmodell? Die Google-­Generation ist besser informiert als ihre Eltern. Aber auch die Digital Natives ­geben sich bei komplexen Angelegenheiten nicht mit Vorschlägen eines Robo-Advisor zufrieden. Sie wünschen sich wie ältere Generationen einen Ansprechpartner, der bei wichtigen Lebensereignissen Anteil nehmen kann und Lösungen präsentiert, die auch den emotionalen Bedürfnissen gerecht werden. Erfolgsentscheidend ist im Private Banking, dass ­Effizienz- und Informationsgewinne vollumfänglich den Kunden zugutekommen. Fintech soll den persönlichen Kontakt nicht ersetzen, sondern eine neue Dimension einbringen.

Gerade in diesem Punkt verfügt der ­ Finanzplatz Schweiz über einen Stand­ortvorteil. Er zeichnet sich durch die Kombination von modernster Technologie, ganzheitlichem Finanzwissen und gut ausgebildeten, erfahrenen Kundenbetreuern aus. Diese Kombination führt in stetigem Dialog mit den Kunden zum gewünschten Mehrwert. Der Mehrwert ersteht aus dem Mix, im Dialog.

Mit System an die Finanzmärkte

Die Digitalisierung hinterlässt auch Spuren an den Finanzmärkten. Die Börsen der Welt nähern sich einander an, Wert­papiere bewegen sich synchroner als früher. Für Privatanleger ist es kaum mehr möglich, sich im Alleingang nachhaltig zu positionieren. Sie müssen breiter diversifizieren, um denselben Risikoausgleich zu erzielen. Das ­erfordert eine Vermögensverwaltung, die auf einem weltweiten Netzwerk und einem systematischen Anlageprozess beruht. Vermögensverwaltung ist ein 24-Stunden-Job, der sich ohne ein global tätiges Expertenteam schwierig gestaltet.

Erschwerend kommt der Anlagenotstand hinzu, über den manche Anleger klagen. Sie sitzen auf hohen Cash-Beständen, deren Wert die Inflation schleichend reduziert. Kundenbetreuer müssen hier vermehrt Aufklärungsarbeit leisten. Die Frage ist nicht mehr, ob Anleger ein Risiko eingehen wollen, sondern welches. Die Kernkompetenz im Private Banking muss sein, die Bedürfnisse von Kunden genau zu verstehen und ihr Risikoprofil sorgfältig abzuklären.
Erst wenn diese Aufgaben erledigt sind, lässt sich eine passende Anlagestrategie aufstellen und diszipliniert umsetzen. Erstaunlich, aber wahr: Diese Faktoren machen über 80 Prozent eines langfristigen Anlageerfolgs aus.

Viele Banken haben als Antwort auf
die aktuellen Herausforderungen neue Beratungsmodelle entwickelt. Ein Paradigmenwechsel wurde eingeläutet: Im Zentrum der Beratung steht die finanzielle Gesamtsituation eines Kunden, nicht einzelne Anlagen.

Vom Spezialisten zum Sparringpartner

Solche Modelle stellen Anforderungen an die Kundenbetreuer: Sie werden von Anlagespezialisten zu Sparringpartnern für alle finanziellen Belange. Unterstützt durch die Technik, vermitteln sie Orien­tierung in einer immer komplexer gewordenen Welt.

 

Christoph Weber, Leiter Geschäftseinheit
Private Banking und stellvertretender Vorsitzender der ­Generaldirektion, Zürcher Kantonalbank, Zürich