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Teures Vergnügen

Was kostet ein Kind?

Neben dem Erwerbsausfall leidet häufig die Karriere eines Elternteils. Quelle: iStock Photo
Was kostet der Nachwuchs bis zur Volljährigkeit überhaupt? Was Familien bei der Budgetplanung beachten sollten.
von am

Schweizweit haben Schule und Kindergarten wieder begonnen. Für viele reine Routine, doch gerade jungen Eltern wird jetzt erst bewusst, dass sie am Anfang stehen – nicht nur was den Gang durch die Institutionen betrifft. Auch die Vorsorge für den Nachwuchs rückt immer mehr auf die Familienagenda. Doch bevor Geld angelegt wird, empfiehlt es sich, genau durchzurechnen, was der Nachwuchs bis zur Volljährigkeit überhaupt kosten wird. Gemäss der Studie «Familien in der Schweiz» gibt ein Paar für ein Kind bis zu dessen zwanzigsten Lebensjahr im Schnitt 819 Franken im Monat aus – was sehr sparsam kalkuliert ist. Meistens ist es deutlich mehr. «Können wir uns das leisten?», sollten sich deshalb junge Paare bei der Familienplanung fragen.

Schon vor der Geburt fallen die ersten Kosten an: Kinderbett, Kinderwagen, Autositz, Erstlingskleidung und Geburtsanzeigen verschlingen schon einmal mehrere tausend Franken. Selbst wenn man sich aufs Nötigste beschränkt. Ist das Baby da, sollten Eltern mit monatlich 300 bis 400 Franken an laufenden Kosten rechnen, wie die Budgetberatung Schweiz vorrechnet. Darin einkalkuliert sind neben den Pflegeprodukten, Kleidern und Nahrungsmitteln auch die Krankenkassenprämie mit Unfallversicherung. Auch über Zahnzusatz und ein Upgrade zu Halbprivat sollte jetzt nachgedacht werden, denn die Tarife sind günstigster, je jünger und gesünder das Kind ist.

Für Kleinkinder fällt die Rechnung schon weitaus höher aus, vor allem wenn beide Eltern arbeiten möchten und das Kind eineKrippe besucht. Tagesstätten in der Schweiz verlangen pro Tag 120 Franken und mehr. Nur schon bei drei Betreuungstagen in der Woche kommen so monatlich bis zu 2000 Franken dazu. Dies oft ohne Ferienbetreuung, die meistens extra berechnet wird.

Kosten bis zum zwanzigsten Lebensjahr 

Geht das Kind dann in den öffentlichen Kindergarten, entspannt sich das Familienbudet. Der öffentliche Hort ist deutlich günstiger, falls er überhaupt in Anspruch genommen wird. Viele Städte bieten Online-Beitragsrechner, auf denen Eltern im Voraus die entstehenden Kosten kalkulieren können. Doch um das Kind auch ausserschulisch zu fördern, rücken plötzlich Musik- und Sportkurse in den Vordergrund. Das Kind muss schwimmen lernen, mag vielleicht Tennis und soll Klavier oder Geige ausprobieren. Dreimonatige Schwimmkurse in der Stadt Zürich kosten beispielsweise rund 190 Franken.

Absolviert ein Kind alle Kursstufen von «Frosch» bis «Eisbär», müssen die Eltern tief in die Tasche greifen: rund 1300 Franken wären fällig. Für Klavier- oder Geigenunterricht sollten gemäss der Schweizer Online-Plattform www.instrumentum.ch zwischen 45 und 100 Franken pro Unterrichtsstunde kalkuliert werden.

Im Primarschulalter steigen zudem Kosten für Kleidung, Essen, Schulausflüge, öffentlichen Verkehr sowie extra Anschaffungen wie Fahrräder, Handy und Computer. Bis zum elften Lebensjahr rechnet das Bundesamt für Statistik mit monatlich 691 Franken pro Kind, danach können es sogar über 1000 Franken sein. Geht ein Kind aufs Gymnasium, wird das Familienbudget sogar noch stärker belastet. Noch weiter steigt der Betrag, wenn gleich nach der Schule ein Studium infrage kommt. Dann müssen Eltern Studiengebühren und oft auch eine auswärtige Unterkunft übernehmen.

Günstiger wird ein Kind übrigens, wenn es Geschwister bekommt. Denn dann kann bereits Angeschafftes erneut eingesetzt werden ( Möbel, Kleidung, Spielzeug, Sportgeräte, Bücher). Gemäss Bundesamt kosten zwei Kinder durchschnittlich je 754 Franken pro Monat, drei Kinder kommen auf je 607 Franken. Demnach kosten zwei Kinder bis zum zwanzigsten Lebensjahr 361 920 Franken, bei drei Kindern kommt eine Belastung von einer halben Million Franken auf die Eltern zu. In alle diese Überlegungen noch nicht eingerechnet sind die indirekten Kosten, die viele Eltern in ihren Nachwuchs investieren. Dazu zählt vor allem der Verzicht auf einen Teil der Erwerbstätigkeit und damit auf einen Teil des Einkommens.

Karriere der Eltern leidet 
In den meisten Fällen reduziert ein Elternteil sein Arbeitspensum, um die Kinder zu erziehen, zu pflegen und zu betreuen. Neben dem Erwerbsausfall leidet häufig auch die Karriere des betreffenden Elternteils, was sich wiederum in der Zukunft, wenn die Kinder aus dem Haus sind, erwerbsmindernd auswirken kann.

Eine solche Erwerbsreduktion kann zu erheblichen Einkommenseinbussen führen. Hinzu kommt die Lücke, die das geringe Einkommen in den Vorsorgeprogrammen der ersten und zweiten Säule hinterlässt. Das Center for Economic Policy Research in London hat versucht, diese Karrierekosten eines Kindes zu berechnen. Grundlage waren Daten von erwerbstätigen Frauen aus Deutschland. Demnach drücken Kinder das Lebenseinkommen von Müttern um rund 35 Prozent. Frauen mit Kindern verdienen also im Laufe ihres Erwerbslebens selbst nach Einbezug von Kinderzulagen im Mittel gut einen Drittel weniger als vergleichbare Frauen ohne Kinder.

Etwa ein Viertel der Differenz erklärt sich durch die Reduktion des Arbeitspensums, der Rest sind Lohneinbussen. Doch während die direkten Kosten für ein Kind, je älter es wird, eher steigen, gehen die indirekten Kosten manchmal sogar zurück. Viele Eltern stocken ihr Arbeitspensum wieder auf, je älter das Kind wird, oder kehren in ihren Beruf zurück, falls sie ihn zuvor ganz aufgegeben haben.

Wie viel arbeiten Männer und Frauen, je nach Familiensituation? Eine Übersicht.

Finanzplanung
So weit die Theorie. Wichtig ist, dass Eltern schon früh mit der Budgetplanung beginnen. Denn in manchen Fällen können Kinder, so schlimm wie es klingt, zur Schuldenfalle werden. Bei der Schweizer Schuldenberatung melden sich jährlich etwa 600 betroffene Personen, bei denen die Kinder als Ursache für eine Überschuldung angegeben werden.

Erst wenn das monatliche Budget steht, sollte über Kindersparpläne, Aktiendepots, Fonds oder ETF-Investments nachgedacht werden. Eltern sollten sich jedoch nicht verängstigen lassen, falls die Finanzplanung das nicht zulässt. In den meisten Fällen sind die Kosten, die in diesem Beitrag aufgeführt sind, bereits das beste Investment in ihr Kind.