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Prognose

«Florence» könnte Versicherer 20 Milliarden Dollar kosten

Wirbelsturm «Irma»: Richtete vor einem Jahr in der Karibik und im Südosten der USA Millionenschäden an. Quelle: Keystone .
Die Welt schaut gebannt an die US-Ostküste: Dort droht der Sturm namens «Florence» in den kommenden Tagen grosse Schäden anzurichten.
von am

«Florence» nimmt Kurs auf US-Ostküste. Vom Wirbelsturm betroffen sind neben den Bewohnern auch Versicherungen, die einen Grossteil der zu erwartenden Kosten etwa für den Wiederaufbau oder Betriebsausfälle werden tragen müssen.

Das Sturmtief «Florence» hat in den vergangenen Tagen im Atlantik an Fahrt aufgenommen und steuert nun als Hurrikan der Kategorie 4 mit Windspitzen von bis zu 220 km/h auf die Küsten der Bundesstaaten North und South Carolina sowie Virginia zu. Laut Prognosen des Hurrikan-Zentrums in Miami dürfte der Sturm am Donnerstagabend Ortszeit auf Land treffen.

Die Meteorologen befürchten Schlimmes. Sie warnen vor extremen Regenfällen, grossflächigen Stromausfällen, lebensgefährlichen Sturmfluten und Überschwemmungen. Mehr als eine Million Einwohner wurden von den Behörden dazu aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.

Schwer abschätzbare Folgen

Wie gross die Schäden ausfallen, ist zum heutigen Zeitpunkt schwer abschätzbar. Vieles hängt davon ab, ob dicht besiedelte Gebiete betroffen sein werden und mit welcher Wucht der Sturm auf Land trifft. Auf ein Abdrehen von «Florence» noch vor der US-Küste können die Bewohner aber kaum hoffen; Experten schätzen diese Chance als sehr gering ein.

Die Analysten der Grossbank UBS wagen aufgrund von Modellberechnungen gleichwohl eine erste Prognose. Sie glauben, dass «Florence» der Versicherungsindustrie Kosten in Höhe von rund 20 Milliarden US-Dollar bescheren könnte.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist das wenig. Damals hatten die Hurrikane «Harvey», «Irma» und «Maria» ( HIM) gemeinsam versicherte Kosten in Rekordhöhe von rund 135 Milliarden US-Dollar verursacht. Sie richteten in den Monaten September und Oktober in der Karibik, in Texas und Florida verheerende Schäden an.

Die nun von «Florence» bedrohte Region ist Experten zufolge hingegen kein gängiges Hurrikan-Gebiet. Daher seien die Menschen und Betriebe vor Ort gegen dieses Risiko unter- oder gar nicht versichert.

Wenig Hoffnung auf steigende Preise

Trotzdem dürfte der Sturm die Rückversicherer treffen. Grundsätzlich seien Grosskatastrophen für diese ein Teil des Geschäfts und entsprechend gut seien die Kapitalpolster der Konzerne ausgestattet, meinen Fachleute. Dies habe sich auch beim Stemmen der Kosten für die Ereignisse des letzten Jahres gezeigt.

Im laufenden Jahr haben aber Überschwemmungen in Japan, die Dürre in Europa oder Waldbrände in Kalifornien bereits die Budgets der Rückversicherer beansprucht. Und im Atlantik drohen mit «Isaac» und «Helene» bereits zwei weitere Wirbelstürme.

Vorteile grosser Katastrophen

Grosse Katastrophen können für die Branche aber auch «Vorteile» haben, weil danach höhere Preise möglich sind. An eine Wende in dem seit Jahren unter Druck stehenden Preisumfeld glauben die Experten trotzdem nicht. Das für die Deckung von Katastrophen verfügbare Kapital sei am Rückversicherungsmarkt dazu noch zu gross. Die Preisaussichten dürften sich erst dann verbessern, wenn dieser Stock abgebaut sei. Und dazu sei wohl eine Katastrophe mit Kosten in Höhe von 80 bis 100 Milliarden Dollar nötig, so die UBS.

Auch an dem diese Woche zu Ende gegangenen Branchentreffen in Monte Carlo hatten Vertreter von Munich Re und Swiss Re die Hoffnung auf Preiserhöhungen begraben. Sie gehen in der anstehenden Vertragserneuerungsrunde im Januar von stabilen Preisen aus.

(sda/mlo)