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Vorhaben

Die Migros Bank will den Hauskauf erleichtern

Harald Nedwed: Sein Institut gehört zu den zehn grössten Schweizer Banken. Keystone
Nun plant auch die Migros Bank, Finanzierungsregeln für den Hauskauf zu lockern. Eine Günstig-Hypothek à la Raiffeisen wird es aber nicht geben. Die Kreditvergabe soll anders angepasst werden.
von am

Raiffeisen weibelt seit Monaten für lockerere Regeln bei der Hypothekenvergabe. Die Genossenschaftsbank kritisiert, dass viele Leute wegen der strengen Vorgaben der Banken keine Chance auf eine Hypothek haben, obwohl die Zinsen extrem tief sind. Raiffeisen will deshalb ein Angebot speziell für Hauskäufer mit Durchschnittslohn lancieren. Die Schweizerische Nationalbank und die UBS haben am Vorgehen der Nummer eins im Hypothekarmarkt jedoch keine Freude.

Raiffeisen bleibt in der Branche nicht alleine: Auch die Migros Bank will ihre Regeln für die Hypothekenvergabe aufweichen. Die Pläne des Instituts sind jedoch weniger kontrovers. Anders als Raiffeisen will die Migros Bank den kalkulatorischen Zinssatz von 4,5 bis 5 Prozent nicht antasten: Hauskäufer müssen den Unterhalt – inklusive einer Zinszahlung von 4,5 Prozent – weiterhin von Beginn an mit maximal einem Drittel ihres Einkommens bezahlen können.

Es wird individueller kalkuliert

Bei dieser Rechnung will die Migros Bank aber mehr Spielraum zulassen: Jemand, der durchschnittlich verdient, aber Aussicht auf einen hohen Lohn hat, könnte bessere Chancen auf eine Hypothek erhalten. Ein angehender Arzt müsste die Vorgaben der Bank also vielleicht nur knapp erfüllen, bei Kunden ohne grosse Karrierechancen würde ein grösserer Puffer verlangt.

Auch die Kalkulation der Nebenkosten möchte das Institut überarbeiten. Zurzeit werden diese Kosten anhand des Marktwerts einer Immobilie berechnet – künftig sollen sie anhand des Verkehrswerts erhoben werden.

«Wir haben kein Wachstumsziel»

Bankchef Harald Nedwed wollte am Dienstag keine Prognose machen, wie viele Kunden mit den neuen Regeln zusätzlich für eine Hypothek in Frage kommen werden: Zuerst müsse das Institut die Änderungen ausarbeiten – dies soll bis etwa Mitte Jahr geschehen. «Wir haben kein Wachstumsziel», betonte Nedwed.

Die aktuelle Nummer fünf im Hypothekargeschäft ist im letzten Jahr schwächer gewachsen als der Markt. Das Hypothekarvolumen der Bank stieg um 1,9 Prozent auf 34,2 Milliarden Franken. Das Institut verhalte sich bei der Kreditvergabe konservativ, «nicht alle Mitbewerber tun dies im gleichen Masse», sagte Newded. Zugleich steigt laut dem Bankchef die Konkurrenz, weil beispielsweise auch Versicherer zunehmend Immobilienkredite vergeben. «Wir erwarten, dass das Hypothekargeschäft noch anstrengender wird.»

Gewinn schrumpft

An der Medienkonferenz musste Nedwed einen Gewinnrückgang verkünden: Das Ergebnis für das vergangene Jahr sank um 5,2 Prozent auf 215 Millionen Franken. Im Zins- und Handelsgeschäft schrumpften die Erträge, im Kommissionsgeschäft konnte die Bank zulegen.

Wie die anderen Banken leidet auch das Migros Institut unter den Negativzinsen. Deshalb prüft die Bank, ob sie die Strafzinsen der Nationalbank an Grosskunden weitergeben soll. Wahrscheinlich werde dies aber nur Kunden mit Einlagen ab 10 Millionen Franken treffen, sagte Nedwed – gewöhnliche Sparer müssten keine Negativzinsen fürchten.

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