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Zur Person

So tickt der neue Vanguard-Chef Tim Buckley

Neuer Vanguard-CEO Tim Buckley: «Aktien sind der Wind im Segel.» Keystone
Der aktuelle Investmentchef von Vanguard wird per Januar das Ruder der Bogleheads übernehmen. Die grösste Herausforderung für ihn wird der Umgang mit dem enormen Mittelzufluss sein.
von am

Für andere Firmenlenker wird es wie ein Luxusproblem klingen, doch für Mortimer J. Buckley, den alle nur Tim nennen, wird die Gestaltung des rasanten Wachstums von Vanguard in den kommenden Quartalen zur Hauptaufgabe. Innert weniger Jahren ist es dem Anbieter von aktiven und passiven Anlagelösungen gelungen, die verwalteten Vermögen von 2 auf aktuell rund 4,4 Billionen Dollar zu steigern. Noch ist Blackrock, die Nummer 1 im internationalen Vermögensverwaltungsgeschäft, deutlich grösser – doch Vanguard wächst schneller, selbst eine Wachablösung scheint möglich, wie die «Handelszeitung» vergangene Woche berichtete.

Tim Buckley, der einst Assistent des legendären Firmengründers John Bogle war, ist seit vielen Jahren Teil von Vanguard. Das kommt dem 48-jährigen zu Gute, ein Externer hätte es wohl schwerer, vom ersten Tag an wie ein Boglehead zu denken. Im Interview mit der «Handelszeitung» unterstrich er: «Wir achten auf die vier P: People, Philosophy, Process und Performance. Die Unternehmenskultur ist wichtig, unserer Partner müssen zu uns passen.»

Millennials müssen aufgeklärt werden

Doch nicht nur das Wachstum wird den dreifachen Familienvater auf Trab halten. Mit der aggressiven Preispolitik wird Buckley und Vanguard die Branche vor sich her treiben. Angesprochen auf den genossenschaftlichen Ansatz des Konzerns mit weltweit 15'000 Mitarbeitern meint er: «Wir könnten den Eigentümern eine Dividende auszahlen, doch wir geben ihnen den Gewinn lieber in Form von tiefen Kosten zurück. So profitieren alle.»

Gedanken macht er sich insbesondere zu neuen Technologien und dem Generationenwechsel bei den Anlegern. So traut er der Blockchain zu, die Infrastruktur der Finanzindustrie fundamental zu verändern. Vanguard dürfte für diesen Wandel indes gut gerüstet sein. Schwerer werde es wohl die Millennials von Aktienanlagen zu überzeugen. «Die junge Generation hat die Dotcom-Blase erlebt und die Finanzkrise. Das macht sie vorsichtiger und beratungsresistenter.»

Vorreiter im Bereich Robo-Advisoring

Hier sei viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Buckley greift bei der Begründung – wie bei Vanguard-Leuten so oft – auf die Nautik zurück: «Denken Sie an ein Schiff. Anleihen sind der Ballast im Kiel, Aktien sind aber der Wind in den Segeln. Das muss den jungen Anlegern klar werden.»

Den Geschmack der Millennials trifft Vanguard mit Tools, die dem Robo-Advisoring ähneln. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus persönlichem Kontakt und Online-Diensten. Buckely sagt: «Wir stellen unseren Kunden über Video-Kommunikation und Emails persönliche zugeschnittene Ratschläge zusammen.» In diesem Bereich ist Vanguard ein Vorreiter.

Vanguard holt mächtig auf

Bereits in den Neunzigerjahren begannen der Konzern solche Tools zu entwickeln. «Wie der Bereich in 10 Jahren ausschauen wird, kann ich aber nicht sagen», gibt sich Buckley bescheiden. Gut möglich ist aber, dass Buckley in 10 Jahren immer noch CEO von Vanguard ist, dem dann wohl grössten Vermögensverwalter der Welt.

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