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Handel

Luxus-E-Commerce: Farfetch läuft Richemonts Net-a-Porter den Rang ab

Die Chefs von Farfetch: José Neves und Natalie Massenet, Gründerin von Net-a-Porter. Quelle: Keystone
Der grösste Online-Retailer Yoox Net-a-Porter hat starke Zahlen vorgelegt. Die Zukunftsaussichten der Richemont-Tochter sind allerdings weniger rosig. Das sind die Gründe.
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Natalie Massenet ist gerade dabei, den E-Commerce mit Luxusgüter zum zweiten Mal zu revolutionieren. Die 52-jährige Amerikanerin mit britischem Zweitpass hat im Jahr 2000 die Online-Plattform Net-a-Porter gegründet, die 2010 vom Genfer Luxusgüter-Konzern Richemont gekauft wurde. Vor rund zwei Jahren hat Richemont den digitalen Luxus-Laden dann mit dem italienischen Konkurrenten Yoox fusioniert – und hält heute die Hälfte davon.

Massenet allerdings machte sich vor den Fusion aus dem Staub – und übernahm Anfang des Jahres das Co-Präsidium bei Farfetch, also ausgerechnet beim schärfsten Konkurrenten ihres Babys Net-a-Porter.

Überlegenes Geschäftsmodell

Farfetch macht fast das Gleiche wie Net-a-Porter. Das Unternehmen verkauft Luxusgüter online. Aber: Farfetch wächst deutlich schneller als Net-a-Porter. Der Herausforderer aus London dürfte dem Platzhirschen bereits in den nächsten zwei Jahren den Rang als weltweit grösstes Online-Portal für Luxuswaren ablaufen. Allein schon das sind schlechte Neuigkeiten für Richemont.

Noch wichtiger aber ist, dass Farfetch über das überlegene Geschäftsmodell verfügt. Im Gegensatz zu Net-a-Porter ist Farfetch nur eine Vermittlungsplattform – quasi das Uber für Luxusgüter.

Keine Lager, kein Inventar

Das Unternehmen hat keine eigenen Warenlager und kein eigenes Inventar. Es arbeitet mit stationären Retailern und Marken zusammen und vermittelt zwischen diesen und den Konsumenten. Ohne aber, dass der Käufer davon etwas merkt. Für die Kunden macht es keinen Unterschied, ob sie die Gucci-Handtasche bei Farfetch oder Net-a-Porter kaufen.

Ergo sind die Kapitalkosten bei Farfetch sehr tief. Ausserdem ist das Risiko, auf schlecht verkäuflichen Kollektionen sitzen zu bleiben, nicht vorhanden. Das sind wiederum schlechte Neuigkeiten für Richemont.

Aber es kommt noch dicker: Das Geschäftsmodell von Farfetch erlaubt dank der Zusammenarbeit mit anderen Retailern ein breiteres Sortiment an Marken und Labels, als das Net-a-Porter bieten kann. Die Sortimentsausweitung kostet Farfetch zudem viel weniger als Net-a-Porter. Farfetch muss neue Waren eigentlich nur fürs Web inszenieren – und kann sofort mit dem Verkauf loslegen. Und das sind wiederum schlechte Neuigkeiten für Richemont.