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Luftfahrt

Swiss schickt den Jumbolino in Rente

Jumbolinos haben jahrelang Schweizer Passagiere in die Ferien gebracht. Nun mustert die Swiss den Flugzeugtyp aus. Ein Rückblick auf seine bewegte Geschichte.
von am

Es ist das etwas unförmige Aussehen, das dem Flugzeug seinen Spitznamen gab: Statt Avro nannten viele Passagiere, Piloten und Flugbegleiter den Kurzstreckenflieger liebevoll Jumbolino: Klein, aber mit einem breiten Rumpf und vier Triebwerken – dafür sind die Hochdecker bekannt.

Auch die Swiss hat den Typ Avro im Dienst. Doch nun ist endgültig Schluss. Heute, am Montagabend, findet der letzte kommerzielle Passagierflug statt. Der Flug mit der Kennung LX465 geht von London City nach Zürich. Der amtlich letzte Flug wird dann ein Flug mit Journalisten von Genf nach Zürich am Dienstag sein. Am Flughafen wird Swiss-Chef Thomas Klühr den Jumbolino dann verabschieden.

Ideal für kurze Pisten

Damit endet eine langjährige Ära dieses Flugzeugtyps bei der Swiss. Bei der Gründung der Fluggesellschaft im Jahr 2002 waren 21 Avros (vom Typ RJ100 und RJ85) Teil der Flotte. Der Jumbolino hat viel Arbeit geleistet. Die Swiss hat den Typ für die Kurzstrecke eingesetzt, so zum Beispiel für Reisen von Zürich nach London City. Für diesen speziellen Flughafen mitten in der britischen Hauptstadt war der Jumbolino ideal. Die guten Eigenschaften für Start und Landung auf kurzen Pisten prädestinierten die Avro für Stadtflughäfen.

Für die Schweizerinnen und Schweizer wurde der Jumbolino derweil zum Inbegriff des Ferienfliegers. Den Übernamen – Jumbolino heisst Elefäntchen und spielt gleichzeitig auf den «Jumbo» Boeing 747 an – erhielt die Avro bei der inzwischen in der Swiss aufgegangenen Regionalfluggesellschaft Crossair. Dort prangte direkt unter dem Cockpitfenster ein kleiner blauer Elefant am Bug des Fliegers.

Bei der Swiss war das Flugzeug in einer relativ grosszügigen 2/3 Sitzkonfiguration im Einsatz, an Bord waren zwei Piloten und zwei Flugbegleiter, mit Platz für 78 bis 97 Passagiere. Lange Zeit war die Avro bei Passagieren sehr beliebt. Allerdings zeigte sich, dass der Jumbolino langsam an seine Altersgrenze stiess. So gab es Ärger wegen schlechter Kabinen- und Cockpitluft. Weil die Dichtungen der Zapfluft-Anlage manchmal spröde wurden, kam es vor, dass Dämpfe des giftigen Schmieröls der Turbine eingesaugt wurden. Die Crew musste deshalb auf einigen Flügen mit Sauerstoffmasken fliegen.

Absturz in Bassersdorf

Diese Probleme blieben auch der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) nicht verborgen. «Die Avro RJ100 waren bereits in den vergangenen Jahren immer wieder Gegenstand von Störungsmeldungen zu technischen Vorfällen», heisst es im Jahresbericht 2016. Besonders häufig seien Meldungen von Ereignissen, bei denen Gase oder Rauch im Flugzeug aufgetreten waren. Insgesamt erreichten die SUST im vergangenen Jahr 15 Störungsmeldungen zu Vorfällen dieser Art, davon acht allein im Oktober 2016. In vier Fällen wurde eine Untersuchung eingeleitet.

Eine schwarze Stunde erlebte der Jumbolino noch zu Crossair-Zeiten mit dem Absturz bei Bassersdorf im Jahr 2001. Im Anflug auf Zürich stürzte eine Maschine, die von Berlin-Tegel kam, in ein Waldstück. 24 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben.

Gebaut wurde die Avro vom Hersteller British Aerospace. Entwickelt wurde sie unter der Typenbezeichnung Bae146 Ende der 1970er Jahre und hatte seinen Erstflug 1981. Ab 1993 wurden unter dem neuen Namen Avro drei unterschiedlich lange Varianten verkauft: RJ70, RJ85 und RJ100. Das Flugzeug wurde weltweit bei Airlines sowohl zum Passagiertransport als auch als Frachtmaschine eingesetzt.

Ersetzt durch C-Series von Bombardier

Wegen seiner vergleichsweise hohen Kosten, zum Beispiel beim Treibstoff, aber auch bei der Wartung, haben immer mehr Airlines die Avro mittlerweile aus ihrer Flotte genommen. Im regulären Passagierdienst ist der Typ allerdings immer noch bei Fluggesellschaften wie zum Beispiel Ellinair in Griechenland sowie City Jet in Irland im Einsatz.

Bei der Swiss ist das Ende der Jumbolinos bereits länger im Gang. So läuft schon seit dem Jahr 2016 die Umstellung der Avro auf die C-Series von Bombardier. Derzeit hat Swiss nur noch eine Avro in der Flotte. Alle anderen wurden entweder verkauft oder an Leasingfirmen zurückgegeben. «Unsere letzte Avro mit der Kennung HB-IYZ wird in den kommenden Wochen zum neuen Besitzer Tronos auf die kanadische Insel Prince Edward Island geflogen», sagt ein Swiss-Sprecher.

Statt mit Avros fliegen Swiss-Kunden daher nun verstärkt mit der C-Series. Die Swiss war weltweit die erste Airline, die dieses Flugzeug eingesetzt hat. Bisher gehören zehn Flieger vom Typ C-Series zur Swiss-Flotte.

So fliegt die Schweiz:

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