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Freie Sicht

Jobmaschine Roboter

Keine Bedrohung für menschliche Arbeit: Roboter an der Uni Zürich.Keystone
Der technische Fortschritt nimmt uns nicht die Arbeit weg. Es gibt so viel zu tun, dass es immer zu wenig Roboter geben wird.
von am

Viele fürchten, technischer Fortschritt und Roboterisierung brächten Massen­arbeitslosigkeit und Elend. Dabei ist klar: Seit den Neandertal-Zeiten ist der ­technische Fortschritt fast unermesslich. Trotzdem hat der Wohlstand zugenommen, und gute Arbeitskräfte sind Mangelware. Technischer Fortschritt bringt nicht nur Verdrängung von Menschen durch Maschinen, sondern immer auch neue Chancen für Menschen.

Dagegen argumentieren Technophobiker, diesmal sei alles anders. Der neue technische Fortschritt sei so schnell und treffe so viele Branchen gleichzeitig, dass die bisherigen Anpassungsmechanismen ausgehebelt würden. Eine ihrer Schreckgeschichten ist, dass es bis in vierzig Jahren die Hälfte der heutigen Berufe nicht mehr gebe. Zum Glück sind bis dann fast alle heute Arbeitenden pensioniert.

echnikangst ist aufgrund zweier Anpassungsmechanismen unbegründet: Erstens verdrängen Maschinen Menschen dann, wenn sie kosten­günstiger arbeiten. Dadurch werden die ­Produkte und Dienstleistungen der ­betreffenden Branche billiger. Folglich kann man sich mit dem in allen anderen Branchen verdienten Geld mehr kaufen. Technoschock in der einen Branche heisst also immer höhere Reallöhne in allen anderen Branchen. Damit werden auch schöne Berufe attraktiv, die bisher vielen kein Auskommen sichern konnten, zum Beispiel das Kunsthandwerk.

Zweitens wirkt schnellerer technischer Fortschritt nicht nur als Zerstörer alter und Quelle neuer Jobs und Chancen, sondern er steigert auch die Effizienz der Stellenvermittlung und der Ausbildung. So verbessert er die Möglichkeiten der Menschen, die neuen Jobs auch wirklich zu finden und sich darauf vorzubereiten. Das steigert die Arbeitsmarkteffizienz und senkt die Arbeitslosigkeit.

Manche Branchen wird der technische Fortschritt aber völlig umpflügen, so etwa die Landwirtschaft. Viele Bauern rechtfertigen ihre Subventionen mit ­ihrer landschaftspflegerischen Leistung. Bald werden das aber Landschaftspflegeroboter viel billiger tun. Die ersten ­weitverbreiteten Privatroboter waren Rasenmäher. Bald werden ihre grösseren Brüder die Äcker und Bergwiesen stürmen. Aber keine Angst: Bauern sind in vielen anderen Branchen hoch­willkommen, weil sie vielseitig begabte, selbstständige Mitarbeiter sind.

Vielleicht am direktesten betroffen sind staatliche Verwaltungsangestellte. Bürokraten sind nach Max Weber ja gerade durch ihr unbestechliches, regelgebundenes Verhalten definiert. Das ist genau die Kernkompetenz von Robotern. ­Bezeichnenderweise glaubt jedoch ­niemand ernsthaft, dass deshalb viele Staatsangestellte arbeitslos werden. Die Verwaltung wird schnell neue Aufgaben finden. Das ist keine grobe Bürokratietheorie, sondern spiegelt nur die generelle Einsicht: Der technische Fortschritt nimmt uns nicht die Arbeit weg. Es gibt so viel zu tun, dass es immer zu wenig Roboter geben wird.

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