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Korruption

Fifa-Funktionär Damiani und der Kirchner-Skandal

Die «Panama Papers» rücken Fifa-Funktionär und Anwalt Juan Pedro Damiani ins Rampenlicht. Er spielte in einer Staatsaffäre Argentiniens eine Rolle, die Bezüge zur Schweiz und der Credit Suisse hat.
von am

Millionen von Akten der Wirtschaftsanwälte von Mossack Fonseca (Mosfon) aus Panama sind an die Öffentlichkeit gelangt. Das enorme Datenleck legt die Geschäfte von 215'000 Briefkastenfirmen offen. Darunter befinden sich laut «Süddeutscher Zeitung» auch Vehikel von Juan Pedro Damiani, einem Anwalt aus Uruguay, der in der Fifa-Ethikkommission Platz nimmt. Er gehört zu den handverlesenen Mitgliedern, die am Hauptsitz in Zürich über Verfehlungen so mancher Fifa-Funktionäre wie Blatter, Platini oder Valcke zu befinden haben.

Die Panama Papers zeigen, dass sich unter Damianis Briefkastenkunden auch drei Angeklagte im Fifa-Skandal befinden: Ex-Fifa-Vizepräsident und Damianis Landsmann Eugenio Figueredo, der letztes Jahr in der Schweiz verhaftet wurde, sowie die argentinischen TV-Rechtehändler Hugo Jinkis und dessen Sohn Mariano. Aufgrund der Enthüllungen leitete die Fifa eine Voruntersuchung ein.

Verräterische Akten aus den USA

Doch Damiani hat mit der Schweiz nicht nur über die Fifa zu tun. Wie Gerichtsakten aus den Vereinigten Staaten zeigen, die handelszeitung.ch vorliegen (siehe Downloads), spielte Juan Pedro Damiani auch im Ringen um verschwundene Millionen aus Argentinen, die über die Schweiz flossen, eine wichtige Rolle. Involviert war dabei seine Anwaltkanzlei.

Der Hintergrund: Der riesige Korruptionsfall in dem südamerikanischen Land schüttelt die politische und wirtschaftliche Elite seit Jahren kräftig durch. Journalisten enthüllten ab 2013 ein Netz von Korruption und Geldwäscherei um den ehemaligen Präsidenten Néstor Kirchner, der das Land zwischen 2003 und 2008 regierte und 2010 verstarb. Seine Frau Cristina Fernández de Kirchner war als Nachfolgerin zur Präsidentin des Landes gewählt worden. Die Entourage der Begünstigten der Kirchners blieb weitgehend dieselbe und auch Frau Kirchner soll über die finanziellen Machenschaften ihres Mannes auf dem Laufenden gewesen sein.  Insgesamt sollen gegen 65 Millionen Dollar veruntreut und ausser Landes gebracht worden sein.

Der undurchsichtige Baulöwe

Einer der Kirchner-Spezis ist Lázaro Báez – ein Baulöwe, dessen wirtschaftlicher Aufstieg eng mit dem politischen der Kirchners verbunden ist. Die Enthüllungen in der Presse riefen auch die Justiz auf den Plan. Staatsanwalt José María Campagnoli legte einen Bericht vor, der zeigte, wie Báez' Umfeld Millionen von Dollar ausser Landes brachte.

Da sich Argentinien bis vor wenigen Tagen weigerte, ausstehende Schulden in Milliardenhöhe aus der Staatspleite Ende 2001 an Hedgefonds wie Elliott Management von Paul Singer zurückzuzahlen, suchte dieser weltweit nach Assets von Argentinien, die er beschlagnahmen könnte. Das führte ihn auch auf die Spur von Báez.

Im US-Bundesstaat Nevada machte Singers Truppe diverse Briefkastenfirmen ausfindig, die in die Korruptionsaffäre verwickelt waren. Bei den Recherchen zeigte sich, dass eine Zweigstelle von Mossack Fonseca, MF Nevada, diverse dieser Briefkästen gründete und betreute. Und damit genau die Firma, die jetzt im Zentrum der Panama Papers steht.

«Entscheidend» für Masche

Die Recherchen von Singers Team zum Unternehmen waren intensiv, der Kampf vor Gericht ebenso – er hält bis heute an. Singers Anwälte lassen im Rechtsstreit in Nevada Stück für Stück ihre Erkenntnisse einfliessen. In einem Dokument vom März 2015 schrieben sie etwa: «Die Beweise zeigen, dass Mossack Fonseca nicht nur mit einem oder zwei Player der Báez-Firmen verhängt ist, sondern mit praktisch allen.»

Hier schliesst sich auch der Kreis zu Fifa-Kontrolleur Damiani. Die Anwälte nennen «eine Anwaltskanzlei aus Uruguay namens JP Damiani & Asociados und eine Schweizer Firma namens Helvetic Services Group», die «laut dem argentinischen Staatsanwalt (...) beide entscheidend waren, um aus Argentinien in die Schweiz Gelder herauszuschleusen und dann von der Schweiz nach Argentinien zurück zu Báez».

Akten belegen engen Kontakt

Mitarbeiter von Damianis Anwaltskanzlei standen in engem Kontakt mit MF Nevada, waren wichtig für das Gründen diverser Briefkastenfirmen und liessen sich auch als Manager für Unternehmen verwenden, etwa der Jaguar Capital. Die argentinische Staatsanwaltschaft hatte diese Firma im Visier, weil sie mit der Schweizer Helvetic Services Group verbandelt gewesen sein soll.

Weitere Briefkastenfirmen, die zum Umfeld von Báez gehörten und bei denen der Name Damiani auftauchte, waren Balmont Holdings, Abble Holding, Eyden Group, Fintech Holdings und Huston Management. Einige weitere Nevada-Firmen verfügten über Ableger in der Schweiz, einige waren mit Helvetic Services verbandelt. Während dem Gerichtsverfahren blieben Damiani und Mossack Fonseca nichts anderes mehr übrig, als einen Teil der Bankdaten zu offenbaren - etwa auch der Fintech Holding. Es stellte sich heraus, dass auf einem Konto der Credit Suisse gegen eine Million Dollar parkiert waren.

Den Gerichtsakten ist auch zu entnehmen, dass nicht nur die Mossack-Fonseca-Filiale in Nevada für die Geschäfte im Báez-Umfeld genutzt wurden, sondern ebenfalls eine Filiale in Lugano die Finger im Spiel hatte.

Neuer Anlauf der argentinischen Justiz

Staatsanwalt José Maria Campagnolis Untersuchungen kamen unter politischem Druck der Kirchners weitgehend zum Erliegen, ein in der Schweiz angestrengtes Rechtshilfeersuchen blieb ohne Folgen. Wegen fehlender Informationen von Seiten der Argentinier stellte die Bundesanwaltschaft Ende 2014 die Verfahren ein.

Doch dies war nur ein vorübergehender Sieg von Báez und Co., denn der Kampf der argentinischen Justiz gegen die Korruption in der Politik geht weiter: Ein anderer Staatsanwalt, Guillermo Marijuán, hat im Juni 2015 Antrag auf Anklage gegen Kirchner-Freund Lázaro Báez und einen Exponent der Helvetic Services Group gestellt. In seiner Ermittlungsakte will er sich auch auf die Erkenntnisse von Hedgefonds-Inhaber Paul Singer über Damiani und Co. stützen.