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WEF 2015

Starker Franken lässt WEF-Teilnehmer ungerührt

Selfie am WEF: Starker Franken kein Problem. Keystone
Obwohl zahlungskräftige Kundschaft nach Davos strömt, machen die Ladenbesitzer nicht das grosse Geschäft. Dabei hat die Klientel aus aller Welt für den starken Franken nur ein Schulterzucken übrig.
von am

Am WEF in Davos gelten immer etwas andere Regeln: «Kein Problem», lautet der Tenor in den Hotelbars und auf der Strasse zum starken Franken.

Ein WEF-Teilnehmer aus den USA, der sein Geld mit «just business» verdient und seit Jahren ans WEF kommt, winkt ab. Vielleicht werde es dieses Jahr etwas teurer werden, glaubt er. «Aber genau sehe ich das erst, wenn meine Kreditkartenabrechnung kommt.»

«Mein Mann bezahlt»

Eine Frau aus Deutschland tritt aus einer Bankfiliale an der Davoser Promenade. Ihr ist bisher gar nicht aufgefallen, dass sie für ihre Euro weniger Franken bekommt als letztes Jahr. «Es ist mein Mann, der bezahlt», lacht sie.

Auch ein älterer japanischer Geschäftsmann zerbricht sich nicht den Kopf über den Wechselkurs, während er in einer Hotellobby auf ein Treffen wartet. «Ich reise auf Geschäftskosten. Und für Shopping bleibt nicht viel Zeit übrig.»

«Früher waren die Strassen voller Leute»

Genau das ist das Problem der Davoser Ladenbesitzer: Niemand komme in den Laden, klagt die Inhaberin einer Bijouterie. Das sei am WEF nicht immer so gewesen. «Früher waren die Strassen voller Leute, die WEF-Teilnehmer sind mit ihren Familien angereist und haben mit ihnen zusammen Einkäufe gemacht.»

Damals habe das WEF länger gedauert, die Leute hätten mehr Zeit gehabt. «Heute bin ich froh, dass das WEF nur vier Tage dauert», sagt sie. Danach habe es in den Hotels wieder Platz für andere Gäste.

«Keine Reklamationen über den Preis»

Auch in einem Sportgeschäft trauert man den alten Zeiten nach. Die Forumsteilnehmer hätten Zeit gehabt, zwischendurch Ski zu fahren, sagt eine Verkäuferin. Dazu deckten sie sich in Davos mit Skiausrüstung ein. «Das ist heute nicht mehr der Fall.»

Darüber, ob der starke Franken die Kauflust der ausländischen Kundschaft zusätzlich dämpft, gehen die Meinungen auseinander. Während sich die Verantwortlichen in zwei Boutiquen beklagen, dass sie den Kunden Rabatte gewähren müssten, gab es in einem bekannten Schweizer Schuh- und Modehaus bisher «keine Reklamationen über den Preis», wie ein Verkäufer sagte.

«Fast 20 Prozent Lohnerhöhung»

Tatsächlich gibt es in Davos sogar Gewinner des Frankenkurses. «Für mich ist das überhaupt kein Problem, im Gegenteil», strahlt die Angestellte an einer Bar in einem der grossen Hotels.

Sie kommt aus Deutschland und überweist ihren Lohn, den sie in Franken bekommt, regelmässig auf ihr deutsches Konto. «Das bedeutet fast 20 Prozent Lohnerhöhung für mich.»

(sda/tno/gku)

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