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Übernahme

Anlagestiftung Ethos macht Druck auf Sika

Ethos: Die Anlagestiftung und 11 Kleinaktionäre machen Druck.  Keystone
Der Kampf bei Sika geht weiter, die Übernahme durch Saint-Gobain soll abgewendet werden. Nun mischt sich die mächtige Anlagestiftung Ethos ein: Sie will die Opting-Out-Klausel streichen.
von am

Die Ethos Stiftung und elf weitere Sika-Aktionäre verlangen die Streichung der «Opting-Out-Klausel» aus den Statuten. Man habe einen entsprechenden Antrag, das Vorhaben auf die Tagesordnung einer ausserordentlichen Generalversammlung zu setzen, erhalten, teilte Sika am Dienstag mit. Der Verwaltungsrat werde das Begehren und den Antrag prüfen und «zu gegebener Zeit» dazu Stellung nehmen.

Die Ethos Stiftung und elf weitere Aktionäre, welche zusammen 22'493 Sika-Inhaberaktien mit einem Nennwert von insgesamt 13'495,80 Franken vertreten, beantragen die Streichung des Artikels 5 der Statuten (Opting out). Die elf Aktionäre vertreten gemäss einer Mitteilung von Ethos am Dienstag 1,7 Prozent des Kapitals. Ein Antrag zur Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung war von der Schenker Winkler Holding – der Gesellschaft der Gründerfamilie Burkard – vor rund zwei Wochen gestellt worden.

Opting-Out ermöglicht Verkauf

Die Statuten von Sika sehen gegenwärtig eine Opting-Out-Klausel vor, die der französischen Saint-Gobain erlaubt, die Schenker Winkler Holding, welche 52 Prozent der Stimmrechte mit nur 16 Prozent des Kapitals besitzt, von der Familie Burkard zu kaufen – ohne eine Offerte für das gesamte Kapital machen zu müssen.

Am 8. Dezember waren die Kaufabsichten von Saint-Gobain bekannt geworden, indirekt sämtliche Aktien von der bisherigen Hauptaktionärin zu übernehmen. Das Sika-Management drohte daraufhin mit Rücktritt. An der ausserordentlichen Generalversammlung, deren Termin noch nicht bekannt ist, will die Gründerfamilie drei der neun Verwaltungsratsmitglieder abwählen.

Ethos: Minderheitsaktionäre abgestraft

Die Kritik von Ethos an der Opting-Out-Klausel lautet gemäss der Mitteilung: «Dadurch werden die Minderheitsaktionäre erheblich abgestraft, und ein Aushängeschild der Schweizer Industrie wird in Gefahr gebracht, obwohl das Unternehmen im Moment sehr gut im Markt positioniert ist und attraktive Wachstumsaussichten hat.»

Die Kombination der zwei Kategorien von Aktien und der Opting-Out-Klausel habe es der Burkard-Familie erlaubt, ihren Anteil mit einer Prämie von 80 Prozent auf den Wert des Titels zu verkaufen.

Kein Kauf mit Kaufofferte für das gesamte Kapital

Nach Streichung der Opting-Out-Klausel würde der Käufer der von der Schenker Winkler Holding gehaltenen Aktien stattdessen eine Kaufofferte für das gesamte Kapital abgeben müssen, so Ethos weiter. Dies zu gleichen Bedingungen für alle Aktionäre – ohne Kontrollprämie. Unter diesen Voraussetzungen wäre es laut der Stiftung wahrscheinlich, dass Saint Gobain vom Kauf absehen würde.

«Bei der Abstimmung müsste sich die Schenker Winkler Holding wegen ihres erheblichen Interessenkonflikts in der Entscheidung über die Streichung des Opting Out eigentlich nicht äussern dürfen», schreibt Ethos weiter. Demnach wären einzig die 48 Prozent der Stimmrechte der Minderheitsaktionäre, die über die Beibehaltung der Klausel entscheiden könnten. Im Falle einer Ablehnung behält sich Ethos vor, bei der Übernahmekommission (UEK) Rekurs einzulegen.

(awp/ise)

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