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Landwirtschaft

Glückliche Hühner warten auf amtliche Weisungen

Legehennen in Dürnten: Direktzahlungen für Bauern erhalten neue Grundlagen.   Keystone
Seit Ende 2013 ist die «Agrarpolitik 2014–2017» in Kraft. Damit verbunden sind neue Richtlinien, welche die Bauern zu befolgen haben. Doch die Verordnung dazu liegt noch in den Amtsstuben.
von am

Die Vorstellung, dass ein Schnitzel oder ein Poulet einmal eine glückliche Kuh oder ein glückliches Huhn war, begleitet viele Konsumenten auf dem täglichen Einkauf. Sind viele doch auch bereit, für Labels wie Kagfreiland, Bio-Suisse, M-Bio, Demeter, fidelio, AgriNatura oder Natura-Beef mehr zu bezahlen. Versprechen diese Labels doch die Vorstellung vom glücklichen Tier zu erfüllen.

Damit die Tiere vor dem Schlachten auch tatsächlich glücklich sind, dafür ist wiederum eine Begriffsvielfalt zuständig. Alle oben aufgeführten Marken basieren auf BTS (besonders tierfreundliche Stallhaltung) oder RAUS (regelmässiger Auslauf ins Freie). Die Details sind nicht einfach zu verstehen: «Rund die Hälfte aller Nutztiere leben heute in einem RAUS- oder BTS-System. Ein Betrieb, der sich für RAUS- oder BTS-Beiträge anmeldet, muss alle Tiere der angemeldeten Kategorie wie zum Beispiel Aufzuchtkälber nach diesen Regeln halten, kann aber Tiere einer anderen Kategorie wie zum Beispiel Mastkäbler nur nach den gesetzlichen Mindestvorschriften halten», beschreibt Greenpeace die beiden Systeme.

Bezugsberechtigung wird kontrolliert

Die Bauern können sich also für Direktzahlungen für eines der beiden Systeme anmelden. Die seit Ende 2013 geltende «Agrarpolitik 14-17» – kurz: «AP 14-17» – sieht Direktzahlungen von 11,3 Milliarden Franken vor. Ein Honigtopf auch für die Fleischproduzenten. Doch jetzt hapert es mit der Weisung für die Direktzahlungsverordnung (DZV) – kontrolliert werde «mit Augenmass statt anhand von Weisungen», wie der «Schweizer Bauer» berichtet.

Laut dem Landwirtschaftsmagazin umfasste das fehlende Dokument, das auch die BTS- und RAUS-Standards regelt, im letzten Jahr 52 Seiten. Bei den kantonalen Landwirtschaftsdirektionen werden die «AP 14-17»-Weisungen sehnlichst erwartet. «Wir wären froh, wenn wir diese schon hätten», lässt sich Markus Harder, Chef des Thurgauer Landwirtschaftsamtes, im «Schweizer Bauer» zitieren. Die Ostschweizer möchten bald mit der Ausbildung der Kontrolleure beginnen – und dafür sind die Weisungen unerlässlich.

Anfang März publiziert

Ein Sprecher des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) erklärt laut Bericht, die Weisungen würden Anfang März publiziert. Verspätungen seien normal. Der Schweizerische Bauernverband fordert schon vor Bekanntwerden der Weisungen Anpassungen bei BTS und RAUS und umsichtige Kontrollen.

Nicht vergessen gehen sollte dabei die Situation der Konsumenten: Sie zahlen mehr für Labels von glücklichen Tieren – und finanzieren über die Steuern auch die Direktzahlungen.

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