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Interview

«Der Bitcoin-Angriff erfolgte sehr gezielt»

Christian Decker: «Zu Beginn war Bitcoin für mich eine Spielerei.» (Bild: ZVG/HZ)
Christian Decker forscht an der ETH zur Internetwährung Bitcoin. Er sagt, warum er Ziel von Hackern wurde, warum Bitcoin keine Eintagsfliege ist und wie die Zukunft der Währung aussieht.
von am

Wie kamen Sie auf Bitcoin?
Ich habe mich 2009 aus persönlichem Interesse kurz nach der Publikation der Grundlagenpapiere des Bitcoins-Gründers mit der Währung befasst und generierte damals auch einige Bitcoin. Leider konnte man damals nicht viel mit den Bitcoin machen, weshalb ich mich anderen Sachen widmete.

Warum stiegen Sie später wieder ein?
Etwas später bemerkte ich, wie der Wert der Währung stieg. Da war das Interesse wieder da und ich engagiere mich seither sehr intensiv in der Community. Mit der Zeit wurde mir klar, dass ich zu diesem Thema auch meine Doktorarbeit schreiben will.

Können Sie ein Beispiel geben, was Sie an der Bitcoin-Technologie verbessern?
Bis eine Bitcoin-Transaktion über die Bühne geht, vergehen bisher 10 Minuten. Zusammen mit einem Kollegen und zwei Studenten entwickelte ich eine Lösung, die eine solche Transaktion auf fünf Sekunden verkürzt und implementierte dies in einen Snack-Automaten, bei dem man mit Bitcoin bezahlen konnte.

Wie sehen Sie die Zukunft der Bitcoin-Währung?
Das Ziel der Bitcoin Community ist es, Bitcoin zu einer stabilen Währung zu machen, die im alltäglichen Leben eingesetzt werden kann. Leider macht der Ansturm an neuen Benutzern, die gerade erst Bitcoin für sich entdecken, die Währung zu einem sehr volatilen Markt. Unsere Hoffnung ist, dass die Situation sich bald beruhigt und wir Bitcoin als Währung verwenden können und nicht als Hochrisiko-Spekulationsobjekt.

Was, wenn Bitcoin nicht reüssiert?
Falls Bitcoin wegen irgend einem Grund einmal aufhören würde zu existieren, so wäre dies keine Katastrophe. Bitcoin hat die Tür aufgemacht für diese Technologie und zeigte, dass für diese Art von Währung eine Nachfrage besteht. Konkurrenzprodukte wie etwa Litecoin basieren grundsätzlich auf der gleichen Technologie. Das heisst, was heute technisch geforscht wird, ist nicht verloren.

Sie sind einer der ersten Forscher auf diesem Gebiet. Gibt es viele Gleichgesinnte?
Im September war ich auf einer Fachkonferenz noch der einzige, der zum Thema Bitcoin etwas publiziert hat. Was mich froh macht, ist, dass kurze Zeit später andere Wissenschafter die präsentierten Paper weiterdiskutierten und erste Ergebnisse zeigten. Das Interesse der Wissenschaft ist geweckt und die Probleme, die Bitcoin noch hat, werden durch die Community gelöst.

Sie verloren durch Hacker eine Vielzahl von Bitcoin. Wie konnte das passieren?
Ich machte an der ETH Messungen, um Bitcoin zu analysieren. Da konnte es für Aussenstehende so aussehen, als würde die ETH gross ins Bitcoin-Geschäft einsteigen - ich denke, das machte die ETH und mich zu einem Angriffsziel. Ich bemerkte, dass jemand einen erfolglosen Zugriff auf meinen Computer an der ETH versuchte. Die Angreifer schafften es dann aber, eine Verbindung auf meinen Rechner zu Hause herzustellen. Der Angriff scheint sehr gezielt erfolgt zu sein.

 

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