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Fifa

Verbot von Blatter-Karikaturen «verheerend»

Fifa-Blatter: Karikaturen beschädigen Ruf. (Bild: Keystone)
Joseph Sepp Blatter geht gegen Karikaturen über ihn vor Gericht – und gewinnt vorerst. Wie es dazu kam und was ein bekannter Medienexperte dazu meint.
von am

Fifa-Präsident Sepp Blatter liess beim Zürcher Bezirksgericht per superprovisorischer Verfügung Karikaturen des dänischen Zeichners Olé Andersen verbieten. Medienrechtler Peter Studer hat Andersens Karikaturen gesehen. Einige seien klar unproblematisch, sagt er zu Sonntagsblick. Dem Zürcher Richter wirft er vor, die Zeichnungen ohne Triage zu verbieten. «Diese unterlassene Abwägung halte ich für verheerend und für einen Widerspruch zur Bundesgerichtspraxis», sagt Studer.

Für Sonntagblick zeichnete Andersen eine Karikatur im Stil der verbotenen Werke über seinen Streit mit Blatter. Dieser geht auf das Jahr 1991 zurück. Damals soll Blatter Andersen beauftragt haben, die Geschichte des Fussballs mit Karikaturen zu illustrieren.

Karikaturen für WM 1994

An der Fussball-WM von 1994 in den USA sollte sein Werk als Buch verschenkt werden. Wie immer per Handschlag hätte Blatter ihm das Honorar zugesichert. «Bleib unter einer Million Franken», soll Blatter zu Andersen gesagt haben. «Es war ein klarer Auftrag mit dem damaligen Fifa-Präsidenten João Havelange als Zeugen», sagt Andersen zu Sonntagsblick.

Andersen zeichnete und schickte Blatter ein fertiges Buch. Die Fifa reagierte nicht, die «Geschichte des Fussballs» ging in die Schublade. «Bis heute schuldet mir die Fifa 250'000 Franken», sagt Andersen. Ein Vorwurf, den Fifa-Sprecher Walter de Gregorio bestreitet. «Es gab weder eine mündliche noch eine schriftliche Zusage an Andersen, ein Fifa-Buch zu produzieren.»

2011: Herzinfarkt

Am 26. April 2011 erlitt der in der Schweiz lebende Andersen einen Herzinfarkt. Aus Mitleid, vermutet der Zeichner, empfing ihn Blatter kurz vor Weihnachten 2011. Er brachte ihm eine Broschüre von der «Geschichte des Fussballs» mit. «Blatter warf sie zu Boden und sagte, ‹das ist nichts› – obwohl er ja genau das wollte», so der Däne. Daran erinnern mochte sich Blatter nicht. «Er sagte mir, er hätte ein Gedächtnislücke», sagt er zu Sonntagsblick.

Wüster Briefwechsel

Es folgte ein wüster Briefwechsel zwischen der Fifa und Andersen. «Der Präsident hat mir einen Auftrag gegeben als Generalsekretär der Fifa», schreibt er. «Ich habe den Auftrag ausgeführt, und ich fordere meine Bezahlung dafür.» Fifa-Rechtsdirektor Marco Villiger bestritt es.

Gleichwohl bot Andersen an, seine Geschichte des Fussballs «à-jour» zu bringen und sie an der WM 2014 in Brasilien neu aufzulegen. «Nein», sagte die Fifa. Danach schickte der Däne den Fussball-Funktionären zehn Zeichnungen seines «Ersatzprojektes» – «The Platter Cartoons». Sie verulken Blatters Leben seit 1987, zeigen ihn mal als Frauenhelden, dann offen für Bestechungen. «Ich habe Zeitungsartikel mit der fiktiven Figur Platter illustriert», so Andersen. Der Name sei dänischem Slang entnommen – für eine Person, der man nicht trauen könne. Rächt sich Andersen mit den Karikaturen an Blatter? «Nein, Rache ist es nicht, ich wollte einzig, das man über ihn lacht.»

(chb)

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