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Ausblick

Bitcoin: Im virtuellen Höhenrausch

Bitcoins: 2013 war das mit Abstand erfolgreichste Jahr für die virtuelle Währung. (Bild: Keystone)
2013 war auch das Jahr des Bitcoin. Aber so interessant und gefeiert das Konzept auch ist, frei von Fehlern ist es nicht. Es kursieren bereits Befürchtungen, die einen schnellen Absturz prophezeien.
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Wer Anfang 2013 oder besser noch früher in Bitcoins investiert hat, der hat Stand heute alles richtig gemacht. Denn der Preis der virtuellen Internetwährung stieg von 13,30 Dollar auf aktuell 764 Dollar. In der Spitze war ein Bitcoin sogar rund 1200 Dollar wert. Umgerechnet ergab das bis zum Höchst ein Plus von sagenhaften 8923 Prozent und bis zum Jahresende eine Steigerung um immer noch 5644 Prozent.

Mit dem Preisanstieg ging auch eine verstärkte Berichterstattung einher. Inzwischen dürfte jeder, der sich für Geldanlagen interessiert, den Begriff schon einmal gehört haben. Stark gestiegen sind auch die Einsatzmöglichkeiten. So kann damit längst auch bei Ebay bezahlt werden. Die Initiatoren lässt das von einem anhaltenden Siegeszug träumen. Auch deshalb, weil sie das Konzept gegenüber dem gängigen Papiergeldsystem für überlegen halten. Ein wesentlicher Pfeiler der Idee ist es, die Zahl der Bitcoins auf maximal 21 Millionen zu begrenzen. Geschaffen wurden bis jetzt mit Hilfe von Spezialsoftware gut 12 Millionen. Die Knappheit soll helfen, die Inflation zu begrenzen.

Anonymität ist auch ein Nachteil

Angelockt werden Interessenten zudem davon, dass hinter der Währung keine staatliche Institution steckt. Ein echter Pluspunkt sind ausserdem geringe Transaktionskosten, insbesondere bei internationalen Überweisungen.
Die meisten Pluspunkte können aber auch als Schwachstellen interpretiert werden. So eröffnet die Anonymität Betrügern viele Möglichkeiten, und durch die fehlende staatliche Rückendeckung gibt es wenig Rechtssicherheit. Auf die damit verbundenen Gefahren haben Bankaufsichtsbehörden in verschiedenen Ländern hingewiesen. Auch ist kaum anzunehmen, dass die staatlichen Institutionen einem Bitcoin-Aufstieg ewig tatenlos zusehen werden. Vielmehr ist früher oder später mit Regulierungen zu rechnen.

So hat das US-Finanzministerium bereits darauf hingewiesen, dass auch für virtuelle Währungen das Geldwäschegesetz gilt. In China wurde ausserdem unter anderem Privatbanken schon der Bitcoin-Handel verboten. Kritisch zu hinterfragen ist auch die Wirkung der Begrenzung auf 21 Millionen Einheiten. Denn dieses Element trägt einen deflationären Keim in sich. Deflation wird nach gängiger volkswirtschaftlicher Lehre aber als ein grosses Übel eingestuft.

2014 Absturz auf unter 10 Dollar?

Die vielen Vor- und Nachteile, die sich konträr gegenüberstehen, tragen zu völlig unterschiedlichen Expertenmeinungen bezüglich den weiteren Zukunftsaussichten bei. Das gilt auch für die Preisprognosen. Während die Winklevoss-Zwillinge, die dem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vorwerfen, ihnen die Idee für das Online-Netzwerk gestohlen zu haben, langfristig einen Preisanstieg bis auf 40 000 Dollar vorhersagen, neigt Mark T. Williams zum anderen Extrem. Der Finanzprofessor an der Boston University School of Management sieht den Bitcoin-Preis schon im ersten Halbjahr 2014 auf unter 10 Dollar abstürzen.

Die stark unterschiedlichen Einschätzungen sowie die sehr erratischen Preisschwankungen stellen die Eignung der Bitcoins als Wertspeicher in Frage. Für eine Durchsetzung als Währung ist es aber unverzichtbar, dass der Bitcoin als Wertspeicher gebraucht werden kann. Unter dem Strich sind Bitcoins damit bisher eher ein spekulatives Investment als eine Währung. Das gilt übrigens auch für die anderen mehr als ein Dutzend virtuellen Währungen, die es bisher ebenfalls auf einen Gegenwert von mindestens einen Dollar oder mehr gebracht haben.

Wer den Totalverlust nicht scheut...

Eines der wichtigsten Pfunde, mit dem der Bitcoin wuchern kann, ist der klare Wille der Social-Media-Generation, dieser Währung zum Erfolg zu verhelfen. Wer ihr nacheifern will, kann mit Bitcoins bei spezialisierten Internetbörsen wie etwa mtgox.com handeln. Einsteigen sollten trotzdem nur risikobereite Anleger, die auch einen Totalverlust nicht scheuen. Oder pfiffige Zeitgenossen, die sich zutrauen, das Bitcoin-System komplett zu verstehen und die am Ende zu einem positiven Urteil zu den Zukunftsaussichten kommen. Aber das wirklich verlässlich zu beurteilen, ist derzeit praktisch unmöglich. Zumal gegen die Realisierung von Utopia auch die staatlichen Instanzen etwas haben.

Dieser Artikel erschien zuerst in der aktuellen Ausgabe von stocksDIGITAL.

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