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Wachstum

«China ist längst ein Vertriebsmarkt»

China Strassenschild
Edoardo Podestá, Managing Director von DACHSER Far East ist überzeugt, dass China auch in Zukunft seine starke Entwicklung fortsetzen wird.
von am

Wachstum sieht der Landes-Manager vor allem auf den innerasiatischen Routen sowie im Warenaustausch mit den USA und den lateinamerikanischen Staaten. DACHSER ist aktuell an 17 Standorten in China vertreten.

Wo befinden sich die logistischen Knotenpunkte in China?

China ist ein riesiges Land, entsprechend gibt es nicht nur eine Logistikdrehscheibe. Die Knotenpunkte sind dort, wo die Gewerbe- und Industriegebiete liegen, d.h. als Folge der Wirtschaftsreformen und der Öffnungspolitik Chinas in den Achtzigerjahren:

  • Grossraum Shanghai: Auch wenn Shanghai der weltweit grösste Containerhafen ist und zu den zehn grössten Verkehrsflughäfen zählt, sollten wir eher über den Grossraum Shanghai mit den Provinzen Jiangsu und Zhejiang sprechen, da auch zweitrangige Städte durchaus von Bedeutung sind.
  • Bohai-Gürtel: Viele Unternehmen haben sich in Peking und Tianjin, dem Tor der Hauptstadt zum Meer, niedergelassen.
  • Perlflussdelta: Das ursprünglich textil geprägte Südchina spielt eine grosse Rolle in der Logistik. Shenzhen belegt weltweit Rang vier unter den Seehäfen, Guangzhou gehört zu den grössten Umschlagsplätzen Chinas für Luft- und Seefracht.

In den letzten Jahren haben sich neben diesen Wirtschaftsgürteln weitere Städte zu Logistikdrehscheiben gemausert. Dies gilt sowohl für Chengdu/Chongqing als auch für Xi‘an oder Wuhan in Folge der Go-West-Strategie, mit der die Regierung seit dem Jahr 2000 dem Ungleichgewicht zwischen den Ost- und Westprovinzen entgegenwirken will.

Wie schätzen Sie das Entwicklungspotenzial des innerasiatischen Handels und Transportverkehrs ein?
Der innerasiatische Markt hat ein hohes Potenzial, da Asien seine starke Entwicklung auch in Zukunft fortsetzen wird. Da sich unsere Wachstumspläne am künftigen Bedarf unserer Kunden orientieren, befasst sich DAFE sehr sorgfältig mit der Thematik. Wir sind jedoch sicher nicht die einzigen, die sich für diesen Markt interessieren, weshalb er stark umkämpft wird. Die Frachtraten sind extrem niedrig, aber wir glauben, dass die Talsohle erreicht ist. Unser Wettbewerbsvorteil liegt aber sicher nicht im preislichen Bereich, sondern in Service und Qualität.

Welches Klima herrscht in der chinesischen Wirtschaft? Vor welchen Herausforderungen stehen die Unternehmen im Jahr 2013?
Auch wenn China in den letzten zwei Jahren keine zweistelligen Wachstumsraten mehr erzielen konnte, geht es der chinesischen Wirtschaft nach wie vor gut. 2012 verzeichnete China eine Steigerung des BIP um 7,8 Prozent und liegt damit immer noch weit über den Werten vergleichbarer Märkte.
Die internationale Wirtschaftslage bleibt auch 2013 angespannt, selbst wenn Europa sehr wahrscheinlich die Talsohle überwunden hat und die USA langsam wieder Fahrt aufnehmen. Die grösste Herausforderung wird für die kleineren Unternehmen der Überlebenskampf und für die grösseren die Anpassung an den sich schnell verändernden Markt sein.

Für Logistikunternehmen heisst das, die Kernmärkte zu diversifizieren und über die traditionellen Märkte wie Europa hinaus nach Entwicklungsmöglichkeiten Richtung Asien, USA und Lateinamerika Ausschau zu halten.

Wie schätzen Sie China im Hinblick auf die logistische Infrastruktur wie Autobahnen und Flughäfen ein?
China hat in den letzten 70 Jahren enorm viel in die Infrastruktur als Schlüssel für die Entwicklung des Landes investiert. Das grösste Investitionsvolumen fliesst anteilig in absteigender Reihenfolge in den Ausbau der Strassen-, Schienen-, Schifffahrts- und Luftverkehrsnetze.

Eine Bewertung der chinesischen Infrastruktur ist mangels Vergleich schwierig. Die Regierung pumpt jedoch viel Geld in dieses Projekt. Die Verbesserungen von Jahr zu Jahr sind deutlich erkennbar.

Was ist das Besondere am Geschäft mit China? Was muss man bei Verhandlungen mit chinesischen Managern beachten? (zum Beispiel die Bedeutung persönlicher Beziehungen usw.)
Chinesen sind stark in ihrer Kultur verwurzelt. Deshalb muss man ihre Kultur verstehen und respektieren, wenn man mit ihnen Geschäfte machen will. Der persönliche Kontakt ist das A und O in jeder Geschäftsbeziehung. Es versteht sich von selbst, dass ein Treffen Auge in Auge stets den Vorzug gegenüber einem Telefonat geniesst. Das persönliche Gespräch und die immerzu respektvolle Haltung gegenüber Hierarchien sind Grundvoraussetzung für erfolgreiche Verhandlungen.

Entwickelt sich der Beschaffungsmarkt China in Zukunft zum Vertriebsmarkt?
China ist längst ein Vertriebsmarkt geworden. Die Versorgung von 1,5 Milliarden Verbrauchern ist natürlich eine Herausforderung. Als wir 2007 unser erstes Lager, das zu 100 Prozent den „Blue Box“-Standards entsprach, eröffneten, mussten wir sehr schnell feststellen, dass China noch nicht so weit war: Die Kunden brauchten noch keine so hochmoderne Lösung. In den letzten Jahren hat sich viel verändert. Wir beobachten eine zunehmende Nachfrage nach intelligenten Logistiklösungen sowohl für die Beschaffung als auch für den Vertrieb. Deshalb haben wir unsere Lagerkapazitäten in Shanghai erweitert und letztes Jahr eine zweite „Blue Box“ in Wuhu eröffnet. China ist also definitiv nicht mehr rein exportorientiert.

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