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Libor: Millionenbusse für Barclays erst der Anfang

Die Finanzregulierungsbehörden Englands beschäftigten sich auch mit der UBS. (Bild: Keystone)
Der Skandal um manipulierte Referenzzinssätze beschränkt sich nicht auf die Bank Barclays. Laut dem britischen Wirtschaftsminister wird in England unter anderem auch gegen die UBS ermittelt.
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Die 450-Millionen-Dollar-Busse gegen die englische Bank Barclays vom Mittwoch dürfte erst der Auftakt sein in einem der grössten Finanzskandale der vergangenen Jahre. Insgesamt sind wohl über 20 Bankhäuser betroffen.

In der Schweiz wurde im Februar bekannt, dass die Wettbewerbskommission (Weko) wegen Kartellabsprachen zu Referenzzinssätzen gegen Credit Suisse, UBS und weitere Banken ermittelt.

Der veröffentlichte Quartalsbericht zum vierten Quartal 2011 legt nahe, dass die Weko-Ermittlung durch eine Selbstanzeige der UBS gestartet wurde. Die Bank suspendierte Mitarbeiter in Schlüsselpositionen und fungiert auch in Kanada als Whistleblower.

«Verantwortungslose Ära»

Barclays konnte die Busse nicht mehr abwenden, nachdem den Ermittlern E-Mails verheerenden Inhalts in die Hände gekommen waren: Sie waren der endgültige Beweis, dass Händler von Barclays den Referenzzinssatz «London Interbank Offering Rate» (Libor) manipuliert hatten. Der britische Wirtschaftsminister George Osborne sagte dem Britischen Unterhaus, die Schriftwechsel läsen sich wie eine «Grabinschrift einer verantwortungslosen Ära».

Der Libor bestimmt, zu welchen Konditionen andere Banken Geld aufnehmen oder anbieten können. Für die Festlegung werden je nach Währung 8, 12 oder 16 verschiedene Banken gefragt. Die höchsten und niedrigsten Angebote werden gestrichen, um Ausreisser zu eliminieren. Die mittleren 50 Prozent werden zur Berechnung beizogen. Sind sich die involvierten Banken einig, kann somit auf einfache Weise der Zinssatz manipuliert werden, der anschliessend die Grundlage für die Berechnung von Finanzprodukten bildet.

Durch einen manipulierten Referenzzinssatz können die Banken ihre Kreditkosten zu niedrig ansetzen, entsprechend sinken die Zinsaufwendungen (und steigen die Margen) für die darauf basierenden Finanzprodukte. So haben sich die Banken gegenseitig Gewinne zugeschanzt und Anleger über den Tisch gezogen. 

Der Libor-Satz ist für die Finanzwelt äusserst wichtig, auf ihm basieren Finanzprodukte im Umfang von geschätzten 290 Billionen Euro.

In England potenziell 28'000 Produkte betroffen

Der Barclays-Bank, HSBC, Lloyds und RBS wurde nun zusätzlich nachgewiesen, dass sie an diverse Kleinfirmen komplexe Derivate zur Zinsabsicherung für Kredite unterjubelten, die Kunden aber nicht über die Risiken aufklärten. Seit 2001 wurden 28'000 möglicherweise derart verfälschte Finanzprodukte angeboten. Wieviel die Banken für diesen Skandal Strafe zahlen müssen, wurde nicht bekannt - der Betrag könnte aber durchaus in die Milliarden gehen, schätzen Experten.

Als der englische Wirtschaftsminister George Osborne von Parlamentsabgeordneten gefragt wurde, wie weit sich die Kreise der Zinsmanipulation ziehen, sagte er nun am Donnerstag: «HSBC und RBS sind zwei der Banken, gegen die ermittelt wird, aber gegen internationale Banken wie Citigroup und die UBS wird ebenfalls ermittelt, teilweise wegen Aktivitäten, die sie in diesem Land entwickelten.»

Die UBS hatte auch von der US-Börsenaufsicht SEC, der US Commodity Futures Trading Commission (CFTC) und dem US-Justizministerium Vorladungen erhalten, schrieb die UBS in ihrem Geschäftsbericht des Jahres 2010. Auch von der japanischen Finanzmarktaufsicht erhielt die Grossbank eine entsprechende Verfügung.