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USA machten Briten schon 2008 Druck wegen Libor

Hätte die englische Notenbank Manipulationen des Libor-Zinssatzes verhindern können? Laut Medienberichten legten die USA ihr bereits im Jahr 2008 Änderungen nahe.
von am

In der Affäre um Zinsmanipulationen durch Grossbanken gerät die britische Notenbank erneut in Erklärungsnot. Die USA drängten offenbar bereits vor vier Jahren die Bank of England (BoE) zu Änderungen bei der Festsetzung des Londoner Interbanken-Zinssatzes Libor, der im Zentrum des Skandals steht.

US-Finanzminister Timothy Geithner empfahl im Juni 2008 als damaliger New Yorker Regionalchef der Notenbank Federal Reserve BoE-Chef Mervyn King in einer privaten E-Mail sechs Möglichkeiten, um die Glaubwürdigkeit des Libor-Satzes zu stärken. Dies geht aus Dokumenten hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen.

In dem dazugehörigen, zweiseitigen Memo, über das auch schon die «Washington Post» berichtete, schlägt Geithner vor, so etwas wie Musterverfahren einzuführen, um den Libor festzusetzen, auch um unbeabsichtigte oder vorsätzliche Falschmeldungen zu vermeiden.

Die New Yorker Fed will noch heute Belege vorlegen, dass sie auf erste Zweifel an der Festsetzung des Interbanken-Zinssatzes vor vier Jahren sofort reagiert hat.

Bank of England weisst Barclays-Vorwürfe zurück

Die BoE hat bereits Andeutungen des Ex-Chefs der britischen Bank Barclyas, Bob Diamond, zurückgewiesen, dass sie auf dem Höhepunkt der Finanzkrise falsche Angaben zur Ermittlung des Libor-Satzes gutgeheissen habe.

Einer ganzen Reihe von internationalen Grossbanken wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Libor mit falschen Angaben manipuliert zu haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern.

Barclays hatte als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt und wurde zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Diamond trat danach als Barclays-Chef zurück. Die Analysten der US-Grossbank Morgan Stanley schätzen, dass auf die in den Skandal verwickelten Institute bis 2014 Zahlungen von 14 Milliarden Dollar zukommen könnten.

Der Libor wird einmal täglich in London ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Institute und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar.

(tno/muv/sda)