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Nordische Banken
Profitabel und digital

Dusk elevation with landscaped exterior walkways. Swedbank Head Office Stockholm, Stockholm, Sweden. Architect: 3xn architects, 2015. (Photo by: Anthony Coleman/View Pictures/UIG via Getty Images)
Swedbank arbeitet deutlich profitabler als viele andere europäische Banken .Quelle: Getty Images

Die nordischen Banken sind digital fit und zählen zu den profitabelsten Banken Europas.

Von Karl-Heinz Goedeckemeyer
am 17.09.2018

Schwedens Grossbanken zählen wegen ihrer bemerkenswerten Rendite- und Effizienzkennzahlen zu den stärksten Banken Europas. Die im europäischen Vergleich hohe Profitabilität ist auch auf die sehr niedrigen Kreditkosten zurückzuführen. Selbst wenn Ratingagenturen wie Scope nicht davon ausgehen, dass die Risikokosten weiterhin auf diesem niedrigen Niveau verharren können, erscheinen die Banken gut positioniert, um mit der Normalisierung des Kreditzyklus und den daraus resultierenden höheren Kreditkosten fertig zu werden, sagt Jennifer Ray, geschäftsführende Direktorin im Bankenteam von Scope Ratings. Das liege auch an den überdurchschnittlichen Kapitalquoten der schwedischen Banken, die höher als bei den meisten europäischen Banken ausfallen. Nach wie vor ist das Hypotheken-Kreditgeschäft der Heilsbringer für die schwedischen Banken. Die Zinsmargen sind mit durchschnittlich 162 Basispunkten (bps) auch in Zeiten niedriger Zinsen auskömmlich und die Nachfrage ist trotz des spürbaren Preisrückganges am Wohnimmobilienmarkt ungebrochen.

 

Mehr Wettbewerb durch Fintechs

Diese komfortable Situation könnte ein jähes Ende finden, da die etablierten Institute ernst zu nehmende Konkurrenten bekommen, zumal der technologische Fortschritt die Markteintrittsbarrieren für innovative Unternehmen aus anderen Bereichen der Finanzindustrie deutlich verringert hat.

Zu diesen zählt unter anderem das Fintech Enkla, das als reine Online-Plattform Hypothekenkredite zu äusserst günstigen Konditionen anbietet. Im Konkurrenzumfeld tummeln sich auch kleinere Herausforderer wie beispielsweise die staatliche SBAB, Danske Bank und Lansforsakringar. Per Ende 2017 belief sich der Marktanteil der vier grössten schwedischen Banken im Neugeschäft bei Hypothekarkrediten noch auf 58 Prozent – und damit weit unter dem Marktanteil der gesamten ausstehenden Hypothekarkredite, der bei 78 Prozent gelegen hat. Die grössten Marktanteile besitzen Swedbank (25 Prozent), (Handelsbanken 23 Prozent), Nordea (15 Prozent), SEB (14 Prozent), SBAB (acht Prozent), Lansforsakringar (sieben Prozent) und Dankse Bank (vier Prozent)

 

Schwedens Banken – effizient und profitabel

Obwohl die europäischen Banken in punkto Profitabilität zulegen und die Lücke zu den nordischen Instituten verringern konnten, weisen letztere weiterhin einen überdurchschnittlich hohen und vor allem nachhaltig hohen Return on Equity (RoE) aus. Im zweiten Quartal lag dieser bei knapp 17 Prozent, während europäische Institute laut einer Bankenstatistik der Europäischen Zentralbank (EZB) einen RoE von 6,63 Prozent (Q1 2018) generierten. Die dänischen Banken erzielten im Geschäftsjahr 2017 eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite von 11,4 Prozent und lagen damit rund einen Prozentpunkt höher als im Vorjahr. Allerdings verweisen die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) darauf, dass die sehr gute Gewinnsituation differenziert zu betrachten ist, weil vor allem die äusserst niedrige Risikovorsorge und umfangreiche Wertanpassungen beispielsweise bei Derivaten ausschlaggebend waren.

Wesentliche Faktoren für die gute Renditeentwicklung der nordischen Institute sind neben der starken Kreditnachfrage eine geringe Kreditrisikovorsorge und stabile Provisionserlöse, sowie eine sehr hohe Effizienz gemessen an der Aufwandsquote (Cost/Income-Ratio). Im Schnitt erzielten die an der Börse notierten Banken im ersten Quartal 2018 eine CIR von 47,7 Prozent. Im Vergleich dazu ist die Aufwandsquote bei den europäischen Banken im Q1 auf 67,1 Prozent gestiegen, der höchste Wert seit dem vierten Quartal 2016. Im Trend mit Resteuropa verschlechterten sich auch die Ratios bei den nordischen Instituten, wobei sich der negative Trend bei Handelsbanken, die erneut eine enttäuschende Kostenentwicklung verzeichneten, auffällt. Auch bei Nordea und SEB erhöhte sich diese Kennziffer im Vergleich zum zweiten Quartal 2017. Gegen den Trend ging das CIR bei Swedbank von 48 Prozent auf 38 Prozent deutlich zurück, wie der Tabelle (siehe Seite XY) zu entnehmen ist. 

 

Licht und Schatten

Angesichts einer durchschnittlichen CET1-Quote von 20,8 Prozent per Ende 2017 sind die schwedischen Banken auch sehr gut kapitalisiert und erfüllen die im europäischen Vergleich sehr strengen Kapitalanforderungen mit soliden Puffern. Die meisten der Grossbanken erlegen sich zudem mit dem sogenannten Management Buffer (in der Regel zwischen einem und drei Prozent) zusätzliche interne Kapitalvorgaben auf. Zuletzt wiesen schwedische Banken einen CET1-Puffer von 100-400 bps aus, so dass keine Notwendigkeit besteht, zusätzlich zur Finanzierung von Wachstumsambitionen Kapital einzubehalten. Zu den Spitzenreitern in Nordeuropa zählen Swedbank und Handelsbanken mit 24,8 Prozent bzw. 21,6 Prozent. Laut der EBZ-Statistik kommen europäische Banken im Schnitt lediglich auf 14 Prozent (Q1 2018).

Nachholbedarf besteht allerdings bei der nicht risikogewichteten Kapitalausstattung, gemessen an der Leverage-Ratio. Mit durchschnittlich 4,9 Prozent hat sich die Quote zwar erneut leicht verbessert. Trotzdem zählen insbesondere Schwedens Banken in diesem Punkt zu den Schlusslichtern Europa, während sich die Ratio bei Europas Banken im Q1 2018 bei 5,11 Prozent (fully-phased-in-Definition) belief.

 

Weg vom Bargeld

In den nordischen Ländern sind vor allem die schwedischen Banken Vorreiter bei der Digitalisierung. Nordea, der grösste Kreditgeber der nordischen Region, hat eine neue Group Digital Unit gegründet und die Bank strategisch und transformatorisch neu aufgestellt. Die Bank, die eher wie ein Finanztechnologie-Start-up denkt, investiert jährlich fast 400 Millionen Euro in die Vereinfachung und Digitalisierung ihrer Front- und Backend-Systeme. Ein Beispiel für die digitale Transformation von Nordea in Schweden ist die Entwicklung einer E-Commerce-Transaktionsanwendung namens Swish, die gemeinsam mit fünf anderen grossen Banken entwickelt wird. Die App, mit der Verbraucher nahtlos mit ihrem Smartphone bezahlen und Geld auf ein anderes Bankkonto überweisen können, wurde 2012 gestartet und ist in weniger als fünf Jahren auf über sechs Millionen Nutzer (über 60 Prozent der Bevölkerung des Landes) angewachsen. Gleichzeitig bietet das Institut nur noch in einem Drittel ihrer 256 Filialen Bargeldservices an.

Auch die anderen Banken treiben die Digitalisierung ihrer Prozesse weiter voran. Bis auf Handelsbanken haben sich die grossen nordischen Banken seit 2010 nach und nach vom Bargeld verabschiedet. Seitdem wurden in über 500 Bankfilialen die Dienstleistungen auf bargeldlosen Betrieb umgestellt. Mittlerweile hat Schweden die zweitschlechteste Bankautomatenabdeckung in Europa. Bis 2030 plant Schweden komplett bargeldlos zu sein.

 

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