Eine Milliarde (!) Franken hat die Familie Jacobs verloren – doch für den Clan ist das kein Problem: Selbst mit einer Vermögenseinbusse in diesem Umfang sind die Nachkommen des einstigen deutschen Kaffeekönigs Klaus J. Jacobs noch immer die reichsten Deutschen in der Schweiz. 11,5 Milliarden Franken besitzen sie BILANZ zufolge, das mit seiner 300-Reichsten-Liste alljährlich ein Schlaglicht auf die Vermögen der Superreichen in der Alpenrepublik wirft.

Wichtigster Pfeiler des Familienvermögens bleibt der Schokoladenhersteller Barry Callebaut. Und dies, obwohl die Jacobs ihre direkte und indirekte Beteiligung über das Jahr verteilt um insgesamt 17,5 Prozent abgebaut hat auf noch 40 Prozent. Die Transaktionen setzten den Aktienkurs stark unter Druck, was sich im Gesamtvermögen der Familie niederschlägt.

In der Schweiz sind die Jacobs nicht allein: Auf der Rangliste der 300 Reichsten in der Schweiz tummeln sich viele Zuzügler aus Deutschland, die die Vorzüge des helvetischen (Steuer-)Klimas geniessen. Jeder sechste der 300 Reichsten hat deutsche Wurzeln: Die 50 wohlhabendsten Exildeutschen kommen zusammen auf ein Rekordvermögen von 102 Milliarden Franken, die Hälfte von ihnen sind Milliardäre.

Unter den 300 Reichsten bilden Zuzügler von ausserhalb der Schweiz eine grosse Gruppe. Die vollständige Liste zu den reichsten Deutschen und viele weitere finden Sie hier.

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Nebst Familie Jacobs zählt dazu Speditionsmilliardär und HSV-Geldgeber Klaus-Michael Kühne. Mit seinen 82 Jahren ist der gebürtige Hamburger, der im Schweizerischen Schindellegi seine Wahlheimat fand, umtriebig wie eh und je. Zwar hat er die Führung des Logistikkonzerns Kühne + Nagel schon vor Längerem abgegeben. Aber mit seiner Stiftung und seiner Kühne Holding verfolgt er ein ganzes Spektrum von Projekten. Auch ist die Beziehung zu Hamburg weiterhin eng: Der Logistikunternehmer hält eine knapp 30-prozentige Beteiligung an der Reederei Hapag-Lloyd und besitzt das Luxushotel The Fontenay. Finanziellen Spielraum hat Kühne zur Genüge: Mit 10,5 Milliarden Franken ist der Unternehmer in der Schweiz der zweitreichste Deutsche.

Senatsempfang zur Verleihung des Albert-Ballin-Preises im Hamburger Rathaus am 06.11.2018: Klaus-Michael KŸhne  Senatsempfang zur Verleihung des Albert-Ballin-Preises im Hamburger Rathaus am 06.11.2018

Besitzt nach wie vor die Mehrheit am Logistikkonzern Kühne + Nagel: Klaus-Michael Kühne.

Quelle: ddp/ddp/INTERTOPICS/pa

Familie Liebherr auf Rekordjagd

Ein Vermögen von ähnlichen Ausmassen besitzt mit 9,5 Milliarden Franken die Familie Liebherr. Von Bulle aus, im französischsprachigen Teil der Schweiz, steuern die deutschstämmigen Schweizer den international führenden Baumaschinenhersteller gleichen Namens – und das höchst erfolgreich. Hatte die Familienfirma schon 2017 einen neuen Umsatzrekord in Höhe von 9,8 Milliarden Euro gemeldet, schraubten mehr als 46 000 Beschäftigten die weltweiten Verkaufserlöse 2018 auf ein neues Allzeithoch: Mit 10,6 Milliarden Euro übertraf der Branchenprimus erstmals die Zehn-Milliarden-Marke.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l) wird am Unternehmenssitz der Liebherr-Hausgeräte Marica EOOD in Radinowo bei Plowdiw von Isolde Liebherr (M), Vizepra?sidentin des Verwaltungsrats der Liebherr-International AG, und Stefanie Wohlfahrt (2.v.r), Mitglied des Verwaltungsrats der Liebherr-International AG, durch das Unternehmen geführt.

Isolde Liebherr mit Tochter Stefanie Wohlfahrt und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.).

Quelle: picture alliance/dpa

Auf die Liebherrs folgt die Familie August von Finck. Die eingebürgerten Schwyzer um den 89-jährigen Patriarchen sind einer der bedeutendsten Industrieinvestoren der Schweiz. 6,5 Milliarden Franken befinden sich in ihrer privaten Schatulle. Zu ihrem Portfolio gehören etwa eine massgebliche Beteiligung am Warenprüfer SGS sowie an der Industrie-Ikone Von Roll. Doch den grössten Profit bescheren buchhalterisch derzeit die von Finck’schen Klassiker: gigantischer Grundbesitz in Innenstädten, speziell in der Münchner Urheimat.

Molkereikönig Theo Müller floh einst wegen der drohenden Erbschaftsteuer aus dem Dorf Aretsried bei Ausgburg in die Schweiz. Heute summiert sich sein Vermögen auf 5,5 Milliarden Franken – unter den reichsten Deutschen mit Wahlwohnsitz Schweiz macht das Platz 5. Auch acht seiner neun Sprösslinge leben inzwischen in Helvetia, vier verdienen ihren Lebensunterhalt in der prosperierenden Familienfirma, zu der Molkereiberühmtheiten wie Müller-Milch oder der «Joghurt mit der Ecke» zählen. Mit insgesamt 24 000 Mitarbeitenden und sechs Milliarden Euro Umsatz ist sie Europas führender Milchverarbeiter.

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Theo Müller und Frau Ines (Müller Milch) / Art Basel Press Preview und Rundgang in Basel am 13.06.2017 / Foto: BrauerPhotos / S.Brauer

Theo Müller mit Gattin Ines.

Quelle: BrauerPhotos / S.Brauer

Geerbtes Vermögen

Ein Vermögen in Höhe von 4,75 Milliarden verortet die BILANZ bei den Erben von Franz Ströher, Friseur und Gründer des Haarkosmetikkonzerns Wella. Durch den Verkauf von Wella kam der weitverzweigte Familien-Clan zu enormem Reichtum, heute sammeln sie Kunst und beteiligen sich an verschiedensten Unternehmen.

Danach folgen mit jeweils 3,75 Milliarden Franken Vermögen Capri-Sun-Erfinder Hans-Peter Wild sowie Otto und Felix Happel. Junior Felix ist Sanierer und Aufsichtsratschef der Privatklinikkette Paracelsus in Osnabrück, die mit 26 Einrichtungen an 19 Standorten zu den grossen privaten Klinikträgern in Deutschland zählt. Happels Grossvater hatte einst den Maschinenbaukonzern GEA gegründet, den Vater Otto lange weiterführte.

Im Jahr 2017 verstorben ist Massa-Macher und Grossgrundbesitzer Karl-Heinz Kipp. Die Nachkommen des einstigen deutschen Handelsmilliardärs und späteren Grand-Hoteliers in der Schweiz verwalten nun ein Vermögen in Höhe von 3,25 Milliarden Franken, zu dem die Fünf­Sterne-Superior-Herberge Eden Roc am Lago Maggiore, das Tschuggen Grand Hotel Arosa sowie das Carlton in St. Moritz gehören.

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Ebenfalls 3,25 Milliarden Franken schwer ist Traudl Engelhorn, Witwe von Ex-Boehringer-Mannheim-Teilhaber Peter Engelhorn.

Neu auf der Liste der reichsten Exildeutschen zu finden ist Dieter Schön (siehe auch Liste «Die Neuen unter den 300 Reichsten»). Der bayerische Entrepreneur startete 1983 mit einem Krankenhaus in Prien am Chiemsee, heute zählt sein kerngesundes Unternehmen 26 Fachkliniken. Mit dem Wunsch, näher an die Berge heranzurücken, war der diplomierte Kaufmann gemeinsam mit seiner – gleichfalls geschäftsführenden – Frau und den beiden bereits eingebundenen Söhnen Christopher (30) und Constantin (26) aus dem Münchner Umland zunächst in die österreichische Gemeinde Elsbethen und dann in die Bündner Berge gezügelt. Das Vermögen der Schöns: 1,25 Milliarden Franken.

BILANZ-Chefredaktor Dirk Schütz über die 300 Reichsten 2019:

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Quelle: Brightcove

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