Beide klopfen lustige Sprüche und können vaterlandsmässig zuschlagen – der eine aber ist ein drahtiger, mit stechend blauen Augen gesegneter Frauenschwarm, der andere ein bäriger Gemütsmensch: Terence Hill und Bud Spencer hatten je ihre eigenen Fans, die den anderen Teil der «vier Fäuste ­gegen Rio» eher als Beiwerk betrachteten. So wird es auch den «zwei bärenstarken Typen» von Audi gehen.

Der frisch vorgestellte RS Q8 kann ja nur die Spencer-Rolle übernehmen. Dem Über-SUV traut man den Satz «Na los, oder soll ich dich erst aus der Hose treten?» ohne Weiteres zu (dabei ist er nur zehn Zenti­meter länger als der e-tron).

Die aggressive Front, der hintere Dachkantenspoiler, die breite Spur, der fette Wabengrill, die gigantischen 23-Zoll-Räder – der Q8 hält weiss Gott nicht hinter dem Berg mit seinen ­Ambitionen: Der RS Q8 soll nichts weniger sein als «die Speerspitze der RS-Modellreihe» bei Audi.

Brachialer Vortrieb und dabei handlich

Auf den Bergstrecken, die ich testweise ­abgefahren bin, zeigt er tatsächlich beeindruckendes Talent: einerseits brachialen Vortrieb, andererseits dank Allradlenkung echte Handlichkeit.

Cockpit Audi RS Q8

Der Audi RS Q8 überzeugt mit stattlichen acht Fahrmodi.

Quelle: ZVG
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Dabei erstaunt die Bandbreite der Fahrdynamik; nicht viele liefern von zart bis hart alles so gekonnt ab, auch dank stattlicher acht Fahrmodi. Zwei davon lassen sich direkt mit der neuen RS-Taste anwählen, «RS2» sorgt für eine rennwagenähnliche Strassenlage. Die Nordschleife des Nürburgrings umrundete der RS Q8 in nur 7:42 Minuten. Viel Bums also, optisch deutlich sichtbar gemacht. Ganz alte Schule.

e-tron für jüngere und weiblichere Kundschaft

Der e-tron hingegen soll Audi in die Neuzeit, in die Strom-Ära, führen – jüngere, auch weiblichere Kundschaft ansprechen. Ich muss gestehen: Da ich auf dem Redaktionsparkplatz keine Ladebox habe, neige ich punkto Reichweite zu Schweissausbrüchen. Aber das muss ja nicht für Endkunden gelten, die das Auto vor allem zum Berufspendeln einsetzen, zumal das Ladenetz an Schnellstrassen wächst.

Audi e-tron 2019

Hochwertiges Interieur beim Audi e-tron.

Quelle: ZVG

Interieur und Bedienung des e-tron sind so hochwertig wie im Q8, und die Lenkrad­paddles, die ja ansonsten zum Schalten dienen, hier aber die Rekuperation über die Bremsen steuern, setzt man schnell ganz intuitiv ein. Ob die vir­tuellen Kamera-«Aussen­spie­gel» ein Fortschritt sind, würde ich in Frage stellen. ­

Ansonsten: Antrieb und Fahrwerk überzeugen, auch wenn die schlankere ­Terence-Hill-Statur 2,7 Tonnen Gewicht ­tragen muss – 400 Kilo mehr als beim Q8.

Mein Favorit ist trotzdem der RS Q8, und mein Favorit früher war tatsächlich Bud Spencer. Aber ich bin ja auch keine 30 mehr, ich mag den Geruch von Benzin. Und blaue Augen, tja: Haben wir selber.

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RS Q8
Antrieb: 4-Liter-V8-Biturbo
Verbrauch: 12,1 Liter
Leistung: 600 PS (441 kW)
0–100 km/h: 3,8 s
Vmax: bis 305 km/h
Preis: ab 159 100 Fr.

e-tron
Antrieb: E-Maschine
Verbrauch: 2,7 Liter Benzin-Äquivalent
Leistung: 361 PS (265 kW)
0–100 km/h: in 5,7 s
Vmax: bis 200 km/h
Preis: ab 91 800 Fr.